Beringung am Waldschlösschen: Jede Krähe ist mit einem gelb-schwarzen Ring markiert, der sich mit einem Fernglas ablesen lässt, wenn die Krähen auf Wiesen und Äckern herum laufen. - © Klaus Nottmeyer
Beringung am Waldschlösschen: Jede Krähe ist mit einem gelb-schwarzen Ring markiert, der sich mit einem Fernglas ablesen lässt, wenn die Krähen auf Wiesen und Äckern herum laufen. | © Klaus Nottmeyer

Junge Saatkrähen beringt

Naturschutz: Ornithologen wollen mehr herausfinden über die Vögel, die erst seit kurzem wieder im Kreis Herford brüten. Größte Kolonie lebt am Waldschlösschen

Bünde (nw). Wer in diesen Tagen durch Bünde, Lippinghausen oder Herford geht, wird an einigen Stellen in hohen Bäumen viel Geschrei hören: Hier brüten Saatkrähen. Das ist etwas besonderes, weil dies im gesamten Kreis Herford erst seit wenigen Jahren so ist. „Vorher haben Saatkrähen sicher an die 100 Jahre lang nicht bei uns gebrütet", sagt Klaus Nottmeyer, Leiter der Biologischen Station in Stift Quernheim. Der Ornithologe hat mit Jörg Hadasch, engagierter ehrenamtlicher Naturschützer aus Vlotho und Lehrer in Bünde, mit der Beringung von Saatkrähen begonnen. Viele Vögel lassen sich besonders einfach an ihren Nistplätzen fangen und markieren. Bei Vögeln, die hoch in Bäumen brüten, ist der einfache Zugang natürlich relativ. Hier half die Firma Bollmeyer mit einem ihrer Hubsteiger-Wagen, der auf 30 Meter mit einem Metallkorb nahe an die hoch liegenden Nester herankommt. Die Firma aus Kirchlengern fand das Projekt so interessant, dass sie den Wagen mit Lenker zu einem günstigen Preis zur Verfügung stellte; finanzielle Unterstützung gewährte zudem der Kreis Herford. Es war die erste Beringungsaktion von Saatkrähen, weitere werden im Sommer und im nächsten Jahr folgen. Die größte Kolonie der Krähen, denn im Gegensatz zur sehr ähnlichen Rabenkrähe suchen die Saatkrähen die Gemeinschaft, liegt derzeit am Waldschlösschen in Bünde- Werfen. Mehr als 150 Paare haben Hadasch und Nottmeyer im April gezählt, als die frisch gebauten Nester in den Baumkronen noch gut zu sehen waren. Erstaunlich ist der enorme Zuwachs an Paaren hier und im gesamten Kreis. Erst seit 2012 brütet die Saatkrähe wieder im Kreis Herford – damals mit einer kleinen Kolonie gegenüber der Kirche in Lippinghausen. Inzwischen zählen die Vogelkundler mehr als 350 Paare an mindestens sechs Standorten, zwei davon allein in Bünde mit fast 200 Paaren. „Wir wollen herausfinden, wie das kommt", so Hadasch und Nottmeyer. Dafür ist es aber unabdingbar, zu wissen, wer wer ist bei den Krähen. Die sehen aber alle gleich aus – „zumindest für unsere Augen", so Nottmeyer. Deswegen haben sie mit der Beringung begonnen – um durch Ablesungen sehen zu können, wie z.B. die Kolonien miteinander in Beziehung stehen, wer wohin abwandert, wie hoch der Bruterfolg sein kann usw. Dafür müssen die Krähen individuell erkennbar sein. Zu diesem Zweck hat jede der jungen Krähen, nachdem sie aus dem Nest in luftiger Höhe geholt wurde, einen Metallring der Vogelwarte Helgoland an das rechte und einen auffälligen Farbring an das andere Bein bekommen. Insgesamt 19 Krähen wurden so in Bünde und Herford markiert und in ihre Nester zurückgesetzt. Vorher erfolgten ähnliche Aktionen in Bielefeld und Detmold. Dies ist derzeit das einzige Projekt dieser Art in NRW und sucht auch in Deutschland seinesgleichen. Wichtig kann diese Arbeit vor allem sein, weil es wegen der Koloniebrüter Ärger mit den Anwohnern geben kann, die sich über Lärm und Dreck beschweren. Auch für diese Diskussion wollen die Naturschützer Informationen sammeln. Denn Saatkrähen stehen unter besonderem Schutz. „Der Grund dafür liegt in der jahrhundertelangen, massiven Verfolgung durch den Menschen, der in vielen Teilen Mitteleuropas zur Ausrottung der Saatkrähe geführt hat", sagt Nottmeyer. Insofern sei die Wiederkehr der Art sehr zu begrüßen und Anlass zur Freude in Zeiten der bedrohten Artenvielfalt.

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