Interessiert: Stefan Bohnhorst (Leiter des Sozialamts, v.l.), Doris Dirker (Mitglied des Ausschusses für Generationen und Soziales) und Bürgermeister Wolfgang Koch schauen sich die neue Ausstellung im Rathaus genauer an. - © Niklas Krämer
Interessiert: Stefan Bohnhorst (Leiter des Sozialamts, v.l.), Doris Dirker (Mitglied des Ausschusses für Generationen und Soziales) und Bürgermeister Wolfgang Koch schauen sich die neue Ausstellung im Rathaus genauer an. | © Niklas Krämer

Bünde Ein anderer Blickwinkel

Wanderausstellung: Fotograf Michael Hagedorn zeigt in seinen Bildern eine andere Sichtweise auf die Krankheit Demenz

Niklas Krämer

Bünde. Die Diagnose Demenz ist für Betroffene und Angehörige oft ein Schock. "Es wirkt zunächst wie der Blick auf eine Abwärtsspirale, da sie den stückweisen Verlust von Selbstbestimmtheit und Lebensqualität bedeutet", sagt Bürgermeister Wolfgang Koch. Eine andere Sichtweise zeigt Fotograf Michael Hagedorn aus Pinneberg in seiner Ausstellung im Bünder Rathaus. Unter dem Titel "Wo Sprache endet, da beginnt die Musik" hat er 20 Momente im Leben dementiell erkrankter Menschen eingefangen, die deutlich machen, welche Lebensfreude Musik und Tanz vermitteln können. Auf einem Foto sitzt ein Mann zwischen zwei Pianos, auf dem anderen wird einer älteren Dame etwas auf der Gitarre vorgespielt. Die Bilder vereinen eins: Hagedorn zeigt Momente, in denen auch Freude in der Krankheit stecken. Momente, in denen die Tragik der Demenz vergessen wird. "In seinen Arbeiten möchte Michael Hagedorn eine Sichtweise festhalten, die zeigt, dass die Krankheit den Betroffenen auch Zugang zu einem neuen Leben bietet", sagt Koch. "Beim Betrachten der Bilder spüre ich deutlich, was der Fotograf damit meint, ohne es konkret in Worte fassen zu können." Hagedorn ist freier Fotojournalist und begleitet seit 2005 Demenzkranke in ganz Deutschland. "Er schafft es mit seinen Fotos menschlich und lebendig einen eigenen Blickwinkel zur Krankheit einzufangen, der helfen kann, der Diagnose Demenz ihren Schrecken zu nehmen", erklärt Koch. Besucher erfahren Hintergründe zu den Fotos Zu jedem Bild gibt es eine kurze Lese-Geschichte. "Ich finde es beeindruckend, die Hintergründe zu erfahren", sagt Stefan Bohnhorst, Leiter des Sozialamts. Wolfgang Koch empfiehlt, diese Erfahrung selbst zu machen und die außergewöhnliche Ausstellung zu besuchen. Die Herausforderung Demenz sei auch in Bünde Thema, betont das Stadtoberhaupt. "Eine Idee ist daher eine Kooperation mit der Pari Sozial", verriet Bohnhorst. Ziel sei, eine professionelle Beratung für Betroffene und Familien anzubieten. Die Ausstellung, die maßgeblich vom Generationentreff Enger in den Kreis Herford geholt wurde, ist bis Mittwoch, 30. Mai, im Bünder Rathaus zu den allgemeinen Öffnungszeiten zu sehen. Danach wird sie in einer anderen Kommune des Kreis ausgestellt.

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