Im Austausch: Bürgermeister Wolfgang Koch diskutiert im Ratssaal des Bünder Rathauses mit etwa 60 Anliegern der ehemaligen Briten-Häuser über die Zukunft des Viertels. - © Foto: Niklas Krämer
Im Austausch: Bürgermeister Wolfgang Koch diskutiert im Ratssaal des Bünder Rathauses mit etwa 60 Anliegern der ehemaligen Briten-Häuser über die Zukunft des Viertels. | © Foto: Niklas Krämer

Bünde BIMA-Häuser: Anwohner in großer Sorge um die Zukunft ihres Stadtteils

Versammlung: Anlieger der ehemaligen Briten-Häuser in Hunnebrock sprechen sich für Komplettkauf der Immobilien durch die Stadt aus. Sie wollen, dass die Stadt bestimmt, wer dort einzieht Am Dienstagabend stimmte der Haupt- und Finanzausschuss dem bereits zu.

Niklas Krämer

Bünde. Kopfschüttelnd verließen die Ersten schon vor dem Ende der Anliegerversammlung über den Kauf der ehemaligen Briten-Häuser in Hunnebrock den Ratssaal. Es ist ihnen anzusehen, dass sie sich übergangen fühlen. Als dann ein Anwohner das Wort ergriff, hatte man das Gefühl, er spricht allen aus der Seele. "Ich habe den Eindruck, Hunnebrock wird an sozial Schwache verkauft. Wir werden der Stadtteil, der benachteiligt wird, wenn in die Siedlung keine gemischte Bevölkerung zieht." Die etwa 60 Teilnehmer klopften zustimmend auf die Holztische. Die Anlieger haben sich auf der Versammlung positioniert: Sie wollen, dass die Stadt sämtliche der zum Verkauf stehenden Immobilien erwirbt. Sie wollen, dass die Stadt das Heft des Handelns in der Hand hat, wie es mit der ehemaligen Briten-Siedlung weitergeht - und nicht ein Investor bestimmen darf. Etwa zehn Millionen Euro würde der Komplettkauf der Stadt kosten. Bürgermeister Wolfgang Koch (CDU) hatte zwei Möglichkeiten präsentiert. Die erste Variante umfasste den Komplettkauf, diesen Vorschlag hatte die SPD-Fraktion eingereicht. Bei der zweiten würde die Stadt nur einen Teil der Immobilien erwerben. Dabei würden die Gebäude an der Robert-Schumann-Straße und ein Teil der Häuser an der Karl-Arnold-Straße, Carl-Severing-Straße und Eichholzstraße nicht gekauft. Sie würden dann von der jetzigen Inhaberin, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), am freien Markt veräußert. Koch erklärte, dass durch die zusammenhängenden Gebäude an der Robert-Schumann-Straße der Brandschutz einzelner Häuser nicht gewährleistet wäre. Deshalb könnten sie später nur im Block verkauft werden. "Ich habe Bauchschmerzen bei der zweiten Variante. Die BImA schaut doch nur, wer am meisten bietet", sagte ein Anwohner. Koch beteuerte, dass auf jeden Fall der Wohncharakter des Gebiets erhalten bleiben sollte. Die Entscheidung sei offen, betonte er. "Es wird immer nur über Flüchtlinge geredet. Was ist, wenn eine Familie ein Haus kaufen will?", wollte eine Teilnehmerin wissen. "Die Sorge über noch mehr Flüchtlinge in Hunnebrock verstehe ich. Sie sollen aber auf die ganze Stadt verteilt werden", erklärte Koch. Die Anwohner kritisierten auch, dass es nun eine Ad-hoc-Entscheidung geben würde. "Mir fehlt dabei das Konzept", sagten mehrere übereinstimmend. Zustimmung von den Anliegern erhielt SPD-Fraktionschefin Andrea Kieper . "Nur wenn die Stadt alles kauft, haben wir Einfluss darauf, wer dort einzieht", sagte sie. Neben den 15 SPD-Mitgliedern werden laut Kieper auch die fünf Grünen für den Kauf der gesamten Anlage stimmen. Die endgültige Entscheidung trifft der Rat am Donnerstag. Am Dienstagabend hat der Haupt- und Finanzausschuss dem Kauf jedenfalls bereits zugestimmt. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Stadtrat diese Entscheidung übernehmen wird, ist groß.

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