Für Auserwählte gab es einen Sitzplatz an der Guillotine: Hieronymus bat eine Zuschauerin zu sich auf die Bühne. - © Philipp Tenta
Für Auserwählte gab es einen Sitzplatz an der Guillotine: Hieronymus bat eine Zuschauerin zu sich auf die Bühne. | © Philipp Tenta

Bünde Hieronymus begeistert mit "faulem Zauber"

Comedy: Die Zuschauer lachten Tränen

Philipp Tenta

Bünde. Comedians haben oft die verdrießliche Angewohnheit ihr Publikum mit angeblich ansteckender guter Laune zu überrollen. Verraten dem Publikum mit schallendem Lachen, dass gerade eine zündende Pointe überhört wurde. Ziehen die eigene Gürtellinie in die Höhe und erklären, dass alles was darunter liegt Humor sei. Hieronymus ist da ganz anders. Schon zu Beginn warnt er das Publikum vor seinem griesgrämigen Gemüt. Behauptet ein mittelmäßiger Zauberer zu sein, der in Ermangelung eigener Ideen seine Tricks in der Billigabteilung des Fachhandels erwirbt. Tatsächlich versucht er gar nicht erst einen Monstertruck auf die Bühne zu zaubern oder die Freiheitsstatue verschwinden zu lassen. Bei ihm glaubt man das klassische Zaubererhandwerk mit farbigen Tüchern, magischen Würfeln und Taschenspielertricks wieder zu entdecken, doch Hieronymus zaubert nicht mit dem mitgebrachten Krimskrams, sondern mit seinem Publikum. Aus einem angeblich für 35 Euro erworbenen Zaubertrick mit Jetons entwickelt er eine anmutige, magische Choreographie über Ravels Bolero. Er kündigt an, dem Publikum einen Zaubertrick für den Hausgebrauch zu verraten, führt dann aber mit seinen lakonisch abstrusen Erklärungen selbst den aufmerksamsten Zuschauer in die Irre. Hieronymus verwirrt und verführt, überrascht mit scheinbaren Ungeschicklichkeiten und bringt das Publikum besonders dann zum Staunen, sobald sich seine übersinnlichen Fähigkeiten in gehobenen Nonsens verwandeln. Anstatt einer leicht bekleideten Assistentin holt sich Hieronymus Unfreiwillige auf das Podium, um sie mit liebenswürdigem Unfug zu überfordern oder zum Abschluss öffentlich zu guillotinieren. Während Hieronymus mit eisernem Charme durch sein Programm turnt, lacht man im Publikum Tränen. Was darf man über dieses Programm vorab verraten, wenn man nicht wie der Künstler über einen Vergessenszerstäuber verfügt? Hingehen! Es lohnt sich! Wenn man den Angaben des Künstlers glauben darf, hat er bereits im Säuglingsalter begonnen seine Badeente zu verzaubern. Mit seinem aktuellen Programm "Fauler Zauber" ist er fleißig, deutschlandweit auf Varieté-Bühnen unterwegs.

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