Noch zu erkennen: Die heutige Bahnhofstraße verlief zur NS-Zeit ähnlich wie heute. Damals hieß das Stück jedoch Adolf-Hitler-Straße. Wie in vielen anderen Kommunen wurde der wichtigste Verkehrsweg nach dem Diktatur benannt. Fotos: Stadtarchiv|| - © Stadtarchiv
Noch zu erkennen: Die heutige Bahnhofstraße verlief zur NS-Zeit ähnlich wie heute. Damals hieß das Stück jedoch Adolf-Hitler-Straße. Wie in vielen anderen Kommunen wurde der wichtigste Verkehrsweg nach dem Diktatur benannt. Fotos: Stadtarchiv|| | © Stadtarchiv

Bünde Ein Geschenk zum 44. Geburtstag

NS-Straßenbenennungen (2): Die Bahnhofstraße hieß eine Zeit lang Adolf-Hitler-Straße. Die NW erklärt, wie es zu dem Namen kam und warum die Umbenennung schwierig war

Jörg Militzer

Bünde. Da es sich bei unserer Serie "NS-Straßennamen" um eine ganze Reihe von Um- beziehungsweise Neubenennungen Bünder Verkehrswege dreht, stellte sich alsbald die Frage, in welcher Reihenfolge wir diese Namensgeschichten denn vorstellen sollten. Chronologisch? Na klar. Aber da es direkt bei der ersten "Benennungswelle" um gleich drei neue Bezeichnungen geht, greifen wir den "historischen Stellenwert" der Namenspaten auf. Und da steht nun mal - wenngleich im negativsten Sinne - Adolf Hitler "an erster Stelle". Noch voller Bewunderung gab es jedoch anlässlich des 44. Geburtstages - ihm zu Ehren - die ersten "NS-Straßennamen" in der Geschichte der Zigarrenstadt. Eben zu jenem 20. April 1933 hatte sich wohl auch die Bünder Stadtverordnetenversammlung Gedanken gemacht, wie dem, seit knapp einem Quartal regierenden neuen Machthaber Ehre erwiesen werden könnte. Es war - wie in vielen anderen Kommunen des damaligen "Reichsgebietes" - wohl schnell klar, dass der wichtigste Verkehrsweg einer Ortschaft gut genug wäre, den Namen des zu einem "Helden aufgebauten" Reichskanzlers Hitler tragen zu "dürfen". Damit wurde der Personenkult noch unterstützt. Doch dank der speziellen Situation der örtlichen Gegebenheiten war diese Umbenennung in Bünde nicht ganz einfach. Personenkult durch Straßennamen unterstützt Wie wir bereits im ersten Teil dieser Serie erläutert hatten, bezeichneten zeitweise sowohl Bahnhof-, und Kirchstraße sowie Bolldamm allesamt den gleichen Straßenzug, der darüber hinaus die wichtigste Nord-Süd-Verbindung darstellte. Mit der Trennung der Stadt Bünde aus dem Amtsverband im Jahre 1903 trug dieser Verkehrsweg jetzt nicht nur mehrere unterschiedliche Namen, sondern er lag sowohl auf Bünder und als auch auf Ennigloher Gebiet. Und zu allem Überfluss lag die Grenze nicht geradlinig bei einer Hausnummer, sondern "schlug mehrere Haken" im Bereich zwischen heutiger Wasserbreite und den Bahngleisen. Das Problem erkannte auch der Ennigloher Amtmann von Schütz und signalisierte dem Bünder Bürgermeister Straubel, dass das Amt die Benennung nicht nur grenzüberschreitender Straßenzüge zukünftig mit der Stadt abstimmen würde. So begann der Bünder Teil der ab 1904 durchgängig als Bahnhofstraße bezeichneten Strecke mit dem späteren BüLi-Kino (Nummer 1) und endete mit der Hausnummer 77 bei Röthemeier an der Ecke zur Wilhelmstraße. Der Ennigloher Abschnitt begann bei der Nummer 67, dem Haus Wilhelm Steubes an der Ecke zum damaligen Weg nach Blanken, und endete nördlich der Bahn, an der Ecke zur Holser Straße. Als am 12. April 1933 allerdings die Umbenennung der Bahnhofstraße in Adolf-Hitler-Straße beschlossen wurde, konnten sich die Nachfolger von Bürgermeister Moes und Amtmann Schäfer nicht darauf einigen, dem kompletten Verlauf diesen Namen zu geben. So endete die nach dem deutschen Diktator benannte Straße an der Bahn mit der Zigarrenfabrik von Hermann Schuster unter der Nummer 85. Jenseits des Gleiskörpers, also jetzt durchgängig auf Ennigloher Gebiet, blieb es allerdings beim bewährten Namen Bahnhofstraße. Im Mai 1945 hieß sie schon wieder Bahnhofstraße Als in Bünde Anfang April 1945 mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen - über Ahle und Ennigloh - der Krieg und damit das NS-Regime ein Ende fanden, haben sich natürlich auch die Entscheidungsträger vor Ort gedacht, dass die Straßenbenennungen nach NS-Größen schnellstens abgelegt werden müssten. Noch bevor also die offizielle Anweisung der Militärregierung in Bünde "eingetrudelt" war, meldete die Verwaltung, dass bereits im Mai die Umbenennungen ausgeführt waren. Das bedeutete für die Adolf-Hitler-Straße, dass diese nun wieder Bahnhofstraße heißen sollte. Ennigloh wollte sich fortan mit den Straßennamen an das "Bünder System" anpassen. Daher gab es jetzt nach der Rückbenennung auf beiden Seiten der Gleise eine Bahnhofstraße, die darüber hinaus noch jeweils mit der Nummer 1 beziehungsweise 2 starteten. Somit war zumindest bis zur Nummer 33 jede Adressierung an diesen zwei Bahnhofstraßen doppelt vorhanden. Daher wurde der Ennigloher Straßenzug fortan zur Hauptstraße. Und blieb dies auch bis in unsere Tage, denn schon im Juli 1963 bewarb der Deutsche Städtetag die Umbenennung aller Hauptstraßen der Republik, weil deren Namen "im Grunde wenig besagt", aufgrund der besonderen Situation in der ehemaligen "Reichshauptstadt" in "Berliner Straße". Doch schon damals tat man sich mit der Umbenennung von Straßen im Bünder Land wohl etwas schwer.

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