DNA-Untersuchung - © DPA
DNA-Untersuchung | © DPA

Meiko Haselhorst Viel Wirrwarr um DNA-Spuren

Amtsgericht: Ein mutmaßlicher Wohnungseinbrecher kann trotz drückender Beweislage auch im zweiten Anlauf noch nicht verurteilt werden. Spezialisten aus Münster sollen nun die letzten Zweifel beseitigen

Meiko Haselhorst

Bünde. Eines musste man dem Verteidiger lassen: Akribie und Hypothesen, die er am gestrigen Nachmittag im Amtsgericht offenbarte, hatten einen hohen Unterhaltungswert. Bei seinen Juristen-Kollegen hielt sich die Freude in Grenzen: Mehrfach verdrehten Richterin und Staatsanwältin die Augen, konnten aber nicht umhin, für eine endgültige Klärung einen weiteren Termin anzuberaumen – mit Spezialisten eines Forensischen Instituts aus Münster als Zeugen. Schon im ersten Durchgang am 22. Februar hatten die Anwesenden im Gerichtssaal lernen können, dass ein DNA-Gutachten nicht immer als Beweis ausreicht, um einen mutmaßlichen Täter zu überführen. Angeklagt war ein 30-Jähriger aus Enger, der Ende 2016 in ein Bünder Einfamilienhaus an der Raffaelstraße eingestiegen sein und dort Schmuck im Wert von knapp 34.000 Euro gestohlen haben soll (die NW berichtete). Gleichzeitig wurde ihm vorgeworfen, im September 2016 in Rödinghausen versucht zu haben, die Räder eines Pkw zu klauen – was durch das unerwartete Auftauchen einer Frau verhindert worden war. Mehrfach verdrehten Richterin und Staatsanwältin die Augen In beiden Fällen hatten Polizeibeamte DNA-Spuren gesichert, die mit denen des Angeklagten übereinstimmen. In der Wohnung hatten sie sich auf einem Lichtschalter und an einer Schublade befunden. Besagter Verteidiger hatte diese Spuren vor zwei Wochen nicht als Beweis gelten lassen. Vielmehr hatte er es als nicht ausgeschlossen bezeichnet, „dass der wirkliche Täter Handschuhe getragen haben könnte und mit diesen dann die Fingerabdrücke meines Mandanten aufgenommen und am Tatort hinterlassen hat“. Richterin und Staatsanwältin hatten diese Theorie als spekulativ bezeichnet, die Verhandlung aber trotzdem ausgesetzt, um das DNA-Gutachten nochmals genau zu überprüfen. Gestern ging es zunächst um den verhinderten Reifenklau in Rödinghausen. Als Zeugen waren zwei Polizeibeamte, die die DNA-Spuren genommen hatten, und eine junge Frau, die den mutmaßlichen Täter auf frischer Tat ertappt hatte, vor Ort. Für Klarheit konnten sie aber allesamt nicht beitragen – unter anderem, weil der Verteidiger zum Leidwesen von Richterin und Staatsanwältin wieder sämtliche Eventualitäten in Erwägung zog. Er scheute auch nicht davor zurück, berühmte Kriminalfälle wie die Morde an das Mädchen Peggy Knobloch und die Polizistin Michèle Kiesewetter als Vergleich heranzuziehen. Dass die theoretische Möglichkeit verunreinigter oder vermischter DNA-Spuren besteht, mussten auch Richterin und Staatsanwältin zugeben. So wird der Prozess am 28. März eine zweite Fortsetzung finden. Außer den DNA-Gutachtern aus Münster werden dann auch noch weitere Zeugen vor Ort sein, die in Sachen „Rödinghauser Reifenklau“ Licht ins Dunkel bringen könnten.

realisiert durch evolver group