Für die Bedürftigen im Einsatz: Die Mitarbeiter der Bünder Tafel in der Halle des DRK-Zentrums an der Sachsenstraße verteilen jeden Montag von Supermärkten und Landwirten gespendete Lebensmittel. - © Foto: Björn Kenter||
Für die Bedürftigen im Einsatz: Die Mitarbeiter der Bünder Tafel in der Halle des DRK-Zentrums an der Sachsenstraße verteilen jeden Montag von Supermärkten und Landwirten gespendete Lebensmittel. | © Foto: Björn Kenter||

Bünde "Alle müssen die Regeln einhalten"

Widerspruch: Mitarbeiter der Bünder Tafel sind mit der Darstellung einer Kundin über die Zustände bei der Nummern- und Essensausgabe nicht einverstanden

Björn Kenter

Bünde. Für Stirnrunzeln bei den Mitarbeitern der Bünder Tafel sorgte in der vergangenen Woche der Bericht in der Neuen Westfälischen über Gedränge und Gerangel bei der Essensausgabe. Eine Frau, selber regelmäßig Gast dort, hatte die Zustände als "unzumutbar und katastrophal" bezeichnet. So seien Kinder schon umgerannt und Bänke umgeworfen worden. Darstellung ist überzogen Dieser Darstellung widersprechen die Mitarbeiter der Tafel allerdings entschieden. "Das ist völlig überzogen, hier geht es gesittet zu", sagt Reinhard Fischer, Mitbegründer der Bünder Tafel, einer Zweigstelle der Meller Tafel. Allerdings habe es zu Beginn der Flüchtlingswelle 2015/2016 einige Probleme in Sachen Verständigung gegeben, räumt Fischer ein. So sei das Bonus-Team der Stadt in dieser Zeit einige Male vor Ort gewesen, um für Ruhe zu sorgen. Das sei jedoch bereits zwei Jahre her. Für Abhilfe habe unter anderem Mohamed Selim Khalil, Sozialarbeiter bei der Stadt Bünde gesorgt, der Schilder in arabischer Sprache gemalt habe. "Zudem haben wir eine arabische Mitarbeiterin, die nicht nur durch ihre Sprachkenntnisse sehr wertvoll für uns ist", so Fischer. Zwischen 14 und 16 Uhr werden montags im DRK-Zentrum an der Sachsenstraße die Nummern an die Bedürftigen ausgegeben, etwa ab 14.30 Uhr beginnt die Ausgabe der Lebensmittel. Bedürftigkeit ist entscheidend "Wir geben die Nummern, nach denen die Menschen die Lebensmittel erhalten, gemischt und in zufälliger Reihenfolge aus", erklärt Hans Brokamp, stellvertretender Vorsitzender der Meller Tafel, das Prozedere, das sich in Melle bewährt habe. "Die erhaltenen Nummern werden von uns auch nicht getauscht", ergänzt Doris Dirker, eine von 23 ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die zum Großteil schon seit vielen Jahren dabei sind. "Die Bedürftigkeit der Menschen ist für uns entscheidend, alles andere wie zum Beispiel die Herkunft ist egal", betont Hans Brokamp ausdrücklich. Die Bedürftigkeit müsse in regelmäßigen Abständen nachgewiesen werden. Die Einkommensgrenze für die Tafel liege bei 1.000 Euro. Aufpasser ist nicht notwendig "Wenn die Menschen zu uns kommen, müssen sie ihren Renten- oder Hartz-IV-Bescheid oder den Wittekinds-pass vorzeigen", so Brokamp. "Wir haben Regeln, die alle einhalten müssen. Sollte es Probleme geben, sind wir immer bemüht, nach Lösungen zu suchen. Kunden, die aus der Reihe tanzen, würden wir nach Hause schicken, egal wer es ist", betont Dirker. Das sei aber in zehn Jahren erst ein einziges Mal passiert. Ein Aufpasser bei der Nummern- oder Essensausgabe sei nicht notwendig. "Die breite Masse der Menschen, die hierher kommt, ist mit der Tafel zufrieden", sind sich die Mitarbeiter einig. Die Zahl der Bedürftigen, die jede Woche kommen, habe sich bei etwa 120 Leuten eingependelt, sagt Reinhard Fischer. "Am Anfang des Monats, wenn etwas Geld auf dem Konto ist, sind es etwas weniger, gegen Monatsende steigen die Zahlen wieder." Einige der Bedürftigen helfen laut Reinhard Fischer auch mit, nach Ende der Essensausgabe die Tische und Bänke wegzuräumen oder zeigen sich auf andere Art und Weise erkenntlich. "Einer backt uns jede Woche einen Kuchen, auch russische Bonbons haben wir schon bekommen", sagt Mitarbeiterin Angelika Siekmann. Dankbar sind die Verantwortlichen der Tafel über die Unterstützung der Stadt und des DRK, das auch Tische und Bänke zur Verfügung stellt. "Die Bedingungen sind hervorragend, die Leute haben beim Warten ein Dach über dem Kopf und müssen nicht im Regen stehen", lobt Hans Brokamp. "Das ist nicht überall der Fall." Die Arbeit der Tafeln werde auch von den Supermärkten sehr geschätzt. "So werden weitaus weniger Lebensmittel vernichtet - die sind froh, dass es uns gibt", sagt Reinhard Fischer.

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