Verschickt: Sexting – so heißt ein Trend unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen, bei dem erotische Bilder von Mädchen und Jungen verbreitet werden, etwa über das Smartphone oder Internetforen. - © dpa
Verschickt: Sexting – so heißt ein Trend unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen, bei dem erotische Bilder von Mädchen und Jungen verbreitet werden, etwa über das Smartphone oder Internetforen. | © dpa

Herford Versuchte Vergewaltigung: 29-Jähriger erpresst Schülerin mit Nacktfotos

Versuchte Vergewaltigung: Der 29-Jährige und sein Opfer hatten Kontakt über das Internet. Sie schickte ihm Bilder, die er gegen das Mädchen einsetzen wollte

Jobst Lüdeking

Bünde/Herford. Weil er eine Schülerin mit Nacktfotos erpresste und so zum Sex zwingen wollte, hat das Herforder Schöffengericht jetzt einen 29-Jährigen zu sechs Monaten Haft verurteilt. Das Gericht bewertete das Vorgehen des wegen Kindesmissbrauchs bereits einschlägig vorbestraften Mannes als versuchte Vergewaltigung. Es sah in seinem Urteil davon ab, die Gefängnisstrafe zur Bewährung auszusetzen. Der Vorgang – das reine Verschicken von Nacktfotos – scheint alles andere als ein Einzelfall zu sein. Das sogenannte Sexting, bei dem sich meist Jugendliche oder junge Erwachsene Nacktbilder zuschicken, ist ein Massen-Phänomen. Wie oft es dabei zu Erpressungsversuchen kommt, ist unklar. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bielefeld erklärte, dass „diese Verfahren zugenommen haben" – sie werden nur nicht statistisch separat erfasst. Daher gebe es auch keine genauen Zahlen. In Bayern war unlängst ein ähnlicher Fall mit zwei Jahren Haft auf Bewährung abgeurteilt worden – ein 30-Jähriger hatte eine 13-Jährige mit Nacktfotos erpresst und zum Sex gezwungen. „In Herford sind solche Verfahren selten", erklärt Polizeisprecher Uwe Maser. Im aktuellen Fall hatten sich Täter und Opfer – obwohl beide aus Bünde kommen – wohl nie gesehen. „Ich war doof, weil ich die Bilder verschickte habe" „Wir haben uns über eine Freundin im Internet kennen gelernt", berichtet die 18-jährige Zeugin. „Er hat mir geschrieben, dass er mich lieben würde." Der geständige Täter schaffte es schließlich, die Schülerin so zu umgarnen und dazu zu bringen, ihm Mitte Juni 2017 Nacktfotos zu mailen. Damit schnappte die Falle zu. Wenn die Schülerin keinen Sex mit ihm habe, werde er die Fotos auf Facebook veröffentlichen und ihrer Mutter schicken, drohte der Mann in einem mehrseitigen Chatverlauf. „Dann lachen alle über dich in Bünde", drohte der Täter. Er selbst hatte nicht mehr viel zu lachen. Die junge Frau ließ sich nicht einschüchtern, ging zur Polizei – und machte damit alles richtig. Der 29-Jährige wurde gefasst. „Ich war doof", sagte die Schülerin auf die Frage, wie sie dazu gekommen sei, dem Täter Nacktbilder zu schicken. Das sei für Jugendliche eine massive Drohung, erklärte später die Staatsanwältin. Keine positive Sozialprognose - keine Bewährung Eine positive Sozialprognose, die eine Aussetzung der Haft zur Bewährung rechtfertige, sehe sie bei dem Angeklagten, der zwei einschlägige Vorstrafen hat und unter Führungsaufsicht stand, nicht. Strafverteidiger Sascha Haring hatte hingegen drei Monate auf Bewährung gefordert. Ihrem Strafantrag und der Einschätzung folgte das Gericht. „Sie haben eine Schwelle überschritten", so Richterin Alea Blöbaum. Das habe das Gericht veranlasst, von einer versuchten Vergewaltigung auszugehen. Die einschlägige Vorstrafe und die zwei Monate zurück liegende Verurteilung wegen Körperverletzung „hat sie nicht davon abgehalten, weitere Taten zu begehen", so Blöbaum. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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