Charmant und amüsant: Pianistin Anne Folger auf der Bühne zum 25-Jährigen des Fördervereins Universum. Fotos: GERALD DUNKEL - © www.gerald-dunkel.de
Charmant und amüsant: Pianistin Anne Folger auf der Bühne zum 25-Jährigen des Fördervereins Universum. Fotos: GERALD DUNKEL | © www.gerald-dunkel.de

25 Jahre nach der Wiederbelebung

Jubiläum: Der Förderverein Universum blickte am Sonntag auf die Geschichte des Hauses und eine beispiellose Rettungsaktion zurück. Zeitzeugen erinnerten sich an die Ereignisse Anfang der 1990er Jahre

Gerald Dunkel

Bünde. Das Universum als Kulturort ist heute ein Beispiel großen bürgerschaftlichen Engagements. Und die vergangenen 25 Jahre, die der Förderverein jetzt besteht, bergen Potenzial für ein Buch. Darin wären dann die großen und kleinen Geschichten aus der Bünder Politik, der Stadtverwaltung, des Vereins enthalten, als es um die Erhaltung ging – aber auch Anekdoten um die zahllosen Künstler, die auf der „ersten Bühne am Platz“ gestanden haben. Mit Wolfgang Balz, dem Vorsitzenden des Kulturbeirats, und der Pianistin und Entertainerin Anne Folger (Queenz of Piano), die charmant wie amüsant für den musikalischen Teil der Jubiläumsmatinee am Sonntag sorgte, hätte der Förderverein Universum kaum eine bessere Wahl treffen können. Folger setzt die Klassik auf ihre eigene Weise um. „Ich bin mit den großen Bs aufgewachsen – Bach, Brahms und (Dieter) Bohlen.“ Im Mittelpunkt stand am Sonntag aber der Förderverein. Christian Kowalewsky ging zurück in der Zeit. Im Dezember 1992 traf sich eine Gruppe von Bündern in der Messe der Marinekameradschaft und beschloss die Gründung des Fördervereins. Die Bevölkerung musste aufmerksam gemacht werden auf das Universum, das fast 13 Jahre lang brach lag, nachdem darin 56 Jahre lang die großen Kinostreifen der Filmwelt gezeigt wurden. „Und Aufmerksamkeit war plötzlich da, als es dem Shantychor gelang, drei ausverkaufte Benefizkonzerte unter dem Motto „Weihnachten auf See“ im notdürftig hergerichteten Universum zu geben. Das war die Grundlage für die Rettung“, so Kowalewsky. Das „Rote Sofa“ spielte auf der Bühne am Sonntag eine wichtige Rolle. Persönlichkeiten, die vor 25 Jahren am Erhalt des Haues mitgewirkt haben, erzählten im Interview mit Wolfgang Balz. So auch Bündes letzter Stadtdirektor und erster hauptamtlicher Bürgermeister Gerhard Thees zusammen mit Heinz Brockmeier, der vor fünf Jahren als Technischer Beigeordneter der Stadt Bünde in den Ruhestand verabschiedet wurde. Und Anfang der 1990er Jahre sahen offizielle Stellen das 1924 gebaute Gebäude längst nicht so, wie die Menschen heute. Brockmeier: „Damals galt das Universum noch nicht mal als erhaltenswert.“ Von einer Denkmalwürdigkeit ganz zu schweigen. Brockmeier gelang es schließlich, Fördermittel für die Herrichtung des Hauses zu bekommen. Es waren längst nicht alle davon begeistert, dass das Universum wieder auferstehen sollte. Gerhard Thees sagte augenzwinkernd: „Damals war das aber noch anders. Da gab es Landeszuschüsse auch für Vorhaben, die man in Düsseldorf für unsinnig hielt.“ Eine findige Landeskonservatorin machte sich dann aber für das Bünder Kleinod stark. Millionen wurden investiert, bis aus dem brach liegenden alten Kino das heutige Universum wurde. Heute ist die Bedeutung unstrittig und in den vergangenen vier Jahren hat der Förderverein rund 200.000 Euro investiert. Dass Künstler aber gern nach Bünde kommen und die Universum-Bühne so etwas wie ein Sprungbrett für sie wurde, weiß keiner besser als Dirk Kaiser, der dem Verein angehört und die Betreibergesellschaft für das Bühnenhaus führt. Er gab im Gespräch auf dem Roten Sofa Anekdoten zum Besten, in denen Künstler vorkamen, die heute deutschlandweit bekannt sind. In sechs Jahren steht schon das nächste Jubiläum an. 2024 wird das Universum dann 100 Jahre alt.

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