Erich-Kästner-Gesamtschule Bünde: Die Schulleitung fordert, dass die Realschulen Hauptschulbildungsgänge einrichten. - © GERALD DUNKEL
Erich-Kästner-Gesamtschule Bünde: Die Schulleitung fordert, dass die Realschulen Hauptschulbildungsgänge einrichten. | © GERALD DUNKEL

Bünde Bildungszweig Hauptschule: Gesamtschulleitung sieht Realschulen in der Pflicht

Hauptschulbildungsgang an der Realschule Bünde-Mitte: Nach dem Schreiben der Elternpflegschaft der Realschule an den Schulausschuss nimmt nun die Schulleitung der Erich-Kästner-Gesamtschule zum Thema Stellung

Gerald Dunkel

Bünde. Die Planung, an der Realschule Bünde-Mitte einen "Bildungszweig Hauptschule" einzurichten, sorgt nicht nur dort für reichlich Diskussionsbedarf, wie bereits am Samstag in der NW zu lesen war. In einem Schreiben an den Schulausschuss forderte die Elternpflegschaft der Realschule Bünde-Mitte, Schüler, die an Realschulen und Gymnasien zum Ende der 6. Klasse nicht die erforderlichen Leistungen für einen weiteren Schulbesuch dort erbringen, zur Erich-Kästner-Gesamtschule umzuschulen. Bislang nahm die Hauptschule Bünde diese Schüler auf. Die hat aber ab Sommer keinen 7. Jahrgang mehr. Der Hauptschulbildungszweig soll an der Realschule Bünde-Mitte genau dafür eingerichtet werden, so die Planung der Bünder Politik und Stadtverwaltung. Zum Brief der Elternpflegschaft nimmt jetzt die Leitung der Erich-Kästner-Gesamtschule (EKG) Stellung. "Eine Gesamtschule gehört zu den integrierten Schulsystemen - wie auch eine Sekundarschule oder Gemeinschaftsschule, sie gehört nicht zum dreigliedrigen Schulsystem. Schüler haben in der Gesamtschule die Möglichkeit, alle Schulabschlüsse, zu erreichen", heißt es in der EKG-Stellungnahme. Die Schulleitung geht in dem Schreiben ferner darauf ein, dass Bestandteil der Gesamtschule die Leistungsheterogenität ist - also die Ungleichheit der Schüler in Bezug auf ihre schulischen Leistungen. "Nur so ist es möglich, Kurse auf unterschiedlichen Leistungsniveaus einzurichten, die notwendig sind, um verschiedene Schulabschlüsse erlangen zu können", schreibt die EKG-Leitung weiter. "Nur wenn genügend Schüler die Fachoberschulreife mit Qualifikationsvermerk erreichen, können auch Kurse dauerhaft und unter attraktiven Bedingungen mit ausreichenden Fachwahlmöglichkeiten in der Sekundarstufe II angeboten werden." "Die Gesamtschule ist nicht Nachfolgerin der Hauptschule" Und weiter: "Wenn im dreigliedrigen Schulsystem nun eine Säule fehlt - wie hier in Bünde die Hauptschule, ist es nicht Aufgabe der Gesamtschule, diese zu ersetzen, d.h. die Gesamtschule ist nicht die Nachfolgeschulform der Hauptschule." Hinter der Zahl der "abgeschulten" Kinder würden nach Meinung der EKG-Leitung oftmals Schicksale von Schülern stecken, "die in ihrem bisherigen Schulleben vielfach Misserfolgserlebnisse hinnehmen mussten". "Wie schön wäre es, wenn diese Kinder an ihrer bisherigen Schule bleiben könnten, um dort einen für sie angemessenen Schulabschluss zu erreichen. Unserer Ansicht nach sind hier die Realschulen in der Pflicht, im Sinne der individuellen Förderung zu agieren und diese Kinder weiter in einem anderen Bildungsgang zu beschulen". Der Schulträger der Stadt Bünde sei laut der Stellungnahme befugt, "an dieser Stelle eine Entscheidung zu treffen, um die Schullaufbahn der Bünder Schüler sicherzustellen". "An mindestens zwei Schulen sollte der Zweig bestehen" Auch der von der Elternpflegschaft der Realschule Bünde-Mitte angesprochene zusätzliche Raumbedarf wird von der Leitung der EKG thematisiert. So nehme auch das "Gemeinsame Lernen" für Kinder mit besonderem Förderbedarf schon zusätzlichen Raum ein, was die Eltern als Argument gegen die Einrichtung eines Hauptschulbildungsgangs anführen. "Wir an der Gesamtschule haben uns dazu entschieden, die zehn bis elf Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die wir pro Jahr aufnehmen, auf zwei Klassen zu verteilen, so dass in diesen Klassen in der Regel 19 bis 20 Regelkinder und fünf Kinder mit Förderbedarf sind. Wir haben uns gegen eine Aufteilung der Kinder auf alle Parallelklassen entschieden, um die vorhandenen Ressourcen der Sonderpädagogen gezielter einsetzen zu können." "Insgesamt" so die Leitung der EKG, "ist es unserer Meinung nach wichtig, dass in Bünde an mindestens zwei Schulen ein Hauptschulbildungsgang besteht. Wir alle haben die Verantwortung, uns um die Kinder zu kümmern, deren Schulleben oft von Misserfolgen geprägt ist und die gezielte Förderung benötigen. Genauso wie wir die Verantwortung haben, die Kinder zu fördern und zu fordern, die die Fachhochschulreife oder das Abitur anstreben."

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