Bünde Der Mann mit der Zitarre

Instrumentenbau: Kai Wortmann baut seit knapp zwei Jahren E-Gitarren aus Zigarrenkisten und anderen ausgedienten Gebrauchsgegenständen. Interessant: Er selbst fängt jetzt erst mit dem Gitarrespielen an. Andere Musiker haben ihm die gute Qualität seiner Instrumente aber schon bestätigt

Meiko Haselhorst

Bünde. Zwischen friedlich grasenden Kühen steht ein Mann in einem exotisch anmutenden Südstaaten-Dress samt Hut und klopft Nägel in ein Kantholz. Er spannt einen Draht über eine scheinbar zufällig herumliegende Flasche, befestigt einen Tonabnehmer, schließt alles an einen aus alten Radios zusammengeschusterten Verstärker an und legt los. „Wer sagt, dass du eine Gitarre kaufen musst?", fragt der Mann nach seiner kurzen Performance in die Kamera und steckt sich lässig eine Zigarette in den Mund. Der improvisierende Musiker heißt Jack White, ist in der Szene kein Unbekannter und hat im fernen Bünde den Inhaber eines Teeladens an der Eschstraße inspiriert. „Damit fing alles an", sagt Kai Wortmann und macht den Computer wieder aus. Als er sich das Video zum ersten Mal angesehen hatte, wusste er: „Das will ich auch versuchen." Gesagt, getan. Das Ergebnis war sein Erstling, eine einseitige „Diddly Bow". Der Resonanzkörper, erzählt der 50-Jährige und nimmt das Instrument in die Hand, sei ein Kasten „mit Kerzen oder so" gewesen, der in seinem Teeladen „herumflog". Es gibt eigentlich keinen Grund dazu, aber heute sind Wortmann seine ersten Gehversuche in Sachen Instrumentenbau ein bisschen peinlich. „Schrottokasten", hat er auf den Korpus geschrieben. Gleichwohl – die „Diddley Bow" bleibt Teil seiner mittlerweile recht üppigen Sammlung. "Auch mal gerne einen ausgekochten Rinderknochen" Musik war dem gelernten Werkzeugmacher eigentlich nicht mit in die Wiege gelegt. Zwar hörte er in seiner Jugend Punk und Blues und war durchaus davon angetan – aber selbst spielen? Nee, da gab’s andere Sachen. Von selbst bauen ganz zu schweigen. Das mit dem Video ist jetzt noch keine zwei Jahre her. Seitdem hat Wortmann in Garage und Küche – manchmal zum Leidwesen seiner Frau – 26 Gitarren gebaut. Als Rohstoff für die Klangkörper dienen ihm vor allem Zigarrenkisten. Aber eine Oliven- oder Keksdose aus Blech tut’s auch. „Meine nächste Gitarre wird aus einer Blumenvase aus Edelstahl entstehen", sagt Wortmann. Für den Hals nimmt er meistens das Holz alter Fensterrahmen. Als Brücke und Steg benutzt er Schlüssel, Bolzen oder auch mal gerne einen ausgekochten Rinderknochen. Für die Verzierung des Klanglochs müssen zuweilen Gabeln oder Abflusssiebe herhalten. Und jetzt Achtung: Selbst die Saiten sind oftmals keine echten Gitarrensaiten. „Man kann den Draht aus einer Fahrraddecke oder Ähnliches nehmen – Hauptsache da dehnt sich beim Spannen nichts, dann wäre alles verstimmt." Wortmann selbst wahrscheinlich auch. Musiker bescheinigen ihm: Die Gitarren klingen gut Sogar einen Tonabnehmer kann er sich aus kaputten Lautsprechern, aus Kinderspielzeug und Elektromotoren selbst zusammenlöten. „Ich war Werkzeugmacher und mein Vater Elektriker – da hab ich mir vieles abgeschaut", erklärt er. Einzig für den Tonabnehmer und für die Stimmmechanik, das sind die Schrauben am Ende des Gitarrenhalses, geht er ins Fachgeschäft oder ins Internet. Dass seine Gitarren witzig aussehen, erkennt jeder. Dass sie auch gut klingen, haben ihm mittlerweile „echte" Musiker bescheinigt – die ihm sogar schon einige Exemplare abgekauft haben. Zu einem Freundschaftspreis freilich. „Ein paar Tage gehen dafür schon drauf – verteilt über einen längeren Zeitraum", sagt der Bastler. Wenn er nicht gerade in seinem Laden steht oder Gitarren baut, klimpert Kai Wortmann seit einiger Zeit auch selbst auf den Instrumenten herum. „Ich übe fleißig", sagt er. Wer weiß? Vielleicht gibt er bald Konzerte vor seinem Teeladen an der Eschstraße.

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