Keine Musik mehr: Reinhard Rokitta darf in seiner Apotheke keine CDs für den guten Zweck verkaufen. Auch auf den Büchern wird er sitzen bleiben. Foto: Meiko Haselhorst - © Meiko Haselhorst
Keine Musik mehr: Reinhard Rokitta darf in seiner Apotheke keine CDs für den guten Zweck verkaufen. Auch auf den Büchern wird er sitzen bleiben. Foto: Meiko Haselhorst | © Meiko Haselhorst

Bünde Ärger mit dem Gesundheitsamt

Punkt-Apotheke: Reinhard Rokitta wird untersagt, Bücher und CDs für den guten Zweck zu verkaufen. Der Mit-Erfinder des karitativen Christbaum-Schmuckings wittert Behördenwillkür. Das Amt äußert sich nicht

Meiko Haselhorst

Bünde. Die Aktion „Christbaum-Schmucking“ ist in den vergangenen Jahren zu einem festen Bestandteil des Bünder Weihnachtsmarktes geworden – wohl auch, weil der Erlös der Veranstaltung jeweils für wohltätige Zwecke gespendet wird. Daran gekoppelt war auch immer der Verkauf von gespendeten Büchern und CDs, die bislang auf einem Tisch vor der „Punkt-Apotheke“ lagen. Damit ist nun erst mal Schluss. Das Gesundheitsamt hat sein Veto eingelegt. Reinhard Rokitta, Inhaber der Apotheke, Mit-Organisator und -Initiator des Christbaum-Schmuckings, wittert „Behördenwillkür des Kreisgesundheitsamtes“, hat bereits rechtliche Schritte eingeleitet und sich mit einem offenen Brief in der NW-Facebook-Gruppe „Du lebst schon lange in Bünde, wenn...“ an die Öffentlichkeit gewandt. „Liebe Facebook-Freunde, liebe Tierschützer, liebe Unterstützer unserer karitativen Aktionen“, schreibt Rokitta in dem Brief. „Mit Wirkung vom 19. Februar 2018 wurde mir vom Kreis Herford (hier: Kreisgesundheitsamt) untersagt, in meiner Apotheke für karitative Zwecke zu sammeln.“ In den letzten Jahren 7.000 Euro gespendet Den sogenannten „Bücher-Flohmarkt“ vor seiner Apotheke habe er entfernen müssen, schreibt er. „Auf diesem waren gespendete Bücher und CDs platziert. Wer sich ein Buch nahm, spendete durch Einwurf in die Spendendosen in der Apotheke einen Euro, bei den CDs waren es 3 Euro.“ Das durch die Bücher gesammelte Geld sei unter anderem den Tierschutzorganisationen „Tierhilfe Melek“, „Pcas Ungarische Hundehilfe“, „Rodin Romanian Dogs In Need“, „Paws2Rescue“, „Anytime for Animals“ und „Sava’s Safe Haven – German Friends“ gespendet worden. Das Geld für die CDs, so Rokitta weiter, habe man als Teil des Christbaum-Schmuckings gemeinnützigen Einrichtungen vor Ort gespendet: der Bünder Tafel, der Aktion Lichtblicke, dem Hammer Forum mit dem Bünder Arzt „Dr. Emma“, der Palliativ-Station des Bünder Lukas-Krankenhauses – und im vergangenen Jahr dem Förderverein des Kindergartens am Markt (die NW berichtete). Tisch vor der Apotheke ist bereits entfernt „Allein durch diese Aktionen hat das ehrenamtliche Orga-Team des Christbaum-Schmuckings (mit Dietmar Zentner, Christoph Rodermund, Oliver Hansen, Matze Wibbeler, Friedrich-Hans Obermeier, meiner Frau Angelika und mir) in den vergangenen fünf Jahren über 7.000 Euro an diese Organisationen weitergeben können“, schreibt Rokitta. „Das Kreisgesundheitsamt hat mir nun ein Zwangsgeld von 500 Euro angedroht. Daraufhin musste ich mich dieser ,Behörden-Gewalt’ beugen und habe den Tisch vor der Apotheke entfernt. Die Aktionen wurden der Punkt-Apotheke als ,Verkauf von nicht apothekenüblichen Waren’ ausgelegt“, erklärt der Apotheker. Er halte diese Maßnahme des Kreises Herford für spitzfindig, wenn nicht gar für willkürlich, zumal in dem entsprechenden Bescheid ausdrücklich ausgeführt worden sei, „dass es gleichgültig sei, ob die eingesammelten Gelder für gemeinnützige Zwecke, unter anderem für den Tierschutz, eingesetzt werden“. Klage beim Verwaltungsgericht Minden eingereicht Um sich vor weiteren Repressalien der Kreisgesundheitsbehörde zu schützen, sehe er sich zurzeit erst einmal nicht mehr in der Lage, sich für gemeinnützige Zwecke in seiner Eigenschaft als Apotheker einzusetzen. „Was ich sehr bedauere“, wie er betont. Rokitta hat gegen den Bescheid Klage beim Verwaltungsgericht Minden eingereicht – und stellt sich auf eine lange Wartezeit bis zur Verhandlung ein. Er schließt auch nicht aus, dass das Christbaum-Schmucking 2018 ausfallen muss. „Wer weiß, vielleicht darf ich das auch nicht“, sagt er schulterzuckend. Die NW bat das Kreisgesundheitsamt um eine Stellungnahme. Einige Stunden später kam eine schriftliche Antwort: „Zu der Anfrage zur Punkt-Apotheke in Bünde weist der zuständige Kreisdirektor Hr. Heemeier (Vorname Ralf, Anm. der Redaktion) darauf hin, dass es sich um ein laufendes Verwaltungs- und Gerichtsverfahren handelt – aus diesem Grund ist keine Stellungnahme zu diesem Fall möglich.“

realisiert durch evolver group