Letzte Vorbereitungen: Die Puppe steht schon an der richtigen Position. Scheinwerfer und Polizeibulli werden gleich weggefahren. - © Katharina Georgi
Letzte Vorbereitungen: Die Puppe steht schon an der richtigen Position. Scheinwerfer und Polizeibulli werden gleich weggefahren. | © Katharina Georgi

Gutachten sollen Umstände nach tödlichem Unfall klären

Im vergangenen November starb bei einem Unfall ein Fahrradfahrer an der Hansastraße. Gegen einen Autofahrer aus Bad Oeynhausen wird jetzt ermittelt. Zwei Gutachten sollen dabei helfen

Katharina Georgi

Bünde. Die Hansastraße ist stockdunkel. Es gibt keine Straßenlaternen. Zwei Scheinwerfer sind zunächst das einzige, was die Dunkelheit in einem kleinen Bereich durchbricht. Wann in diesem Lichtkegel im vergangenen November ein Fahrradfahrer erkennbar war, soll jetzt ein Gutachten klären. Die Wetterbedingungen waren am Dienstagabend exakt dieselben. „Wir müssen uns nach dem Wetter und vor allem auch nach dem Mond richten“, erklärt Polizeihauptkommissar Olaf Heidenreich. Er gehört mit seinem Kollegen Rainer Lübkemeier zu den Experten des Bünder Verkehrskommissariats, die bei schweren Unfällen ausrücken, um die Kollegen vor Ort zu unterstützen und die solche Fälle oft auch weiterhin begleiten. Wie den tödlichen Unfall an der Hansastraße vom vergangenen November. Ein 63-jähriger Radfahrer aus Bünde hatte die Fahrbahn der Hansastraße überquert und wurde dabei von dem Auto eines 57-jährigen Bad Oeynhauseners erfasst und tödlich verletzt. Er starb noch am Unfallort. Zwei Gutachten sollen jetzt klären, wie der Unfall passiert ist und ab welchem Zeitpunkt der Bad Oeynhausener den Radfahrer hätte sehen können. Zwei Experten von der Dekra waren dafür eigens angereist, die Straße wurde am Dienstagabend für rund zwei Stunden gesperrt. Möglichst gleiche Licht- und Straßenverhältnisse Das so genannte lichttechnische Gutachten musste bei möglichst gleichen Licht- und Straßenverhältnissen stattfinden. „Kleine Abweichungen können wir mit einberechnen“, erklärte Unfallanalytiker Uwe Hellkamp, der sich um die Rekonstruktion des Unfalls kümmerte. Kollege Alexander Harder war für das Licht zuständig. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat diese Gutachten in Auftrag gegeben, weil sie für die Anklage gegen den 57-jährigen Kurierfahrer aus Bad Oeynhausen sowohl alle be- wie auch entlastenden Umstände im Strafprozess berücksichtigen muss. Für das lichttechnische Gutachten wurden verschiedene Parameter berücksichtigt: Der Unfallwagen, für den dasselbe Modell genutzt wird, der Radfahrer, der mit einer Puppe und einem Fahrrad desselben Modells nachgestellt wird sowie ein entgegenkommender Wagen. Auch das Auto auf der Gegenfahrbahn nachgestellt Die Unfallanalytiker wissen nicht genau, wie der Bünder damals die Straße überquert hat. „Entweder auf der Fahrbahn fahrend und in einem Bogen abbiegend, oder quer über die Straße“, erklärt Harder. Daher werden beide Szenarien von den Experten nachgestellt. Für die Messung wird eine spezielle Technik eingesetzt. Das nachgestellte Unfallfahrzeug nähert sich von einem Startpunkt aus, der 55 Meter vom Kollisionspunkt entfernt liegt. Von dort aus bewegt es sich jeweils fünf Meter vor, um jeweils eine Messung vorzunehmen. Im Auto befindet sich eine Kamera, die die Lichtdichte misst. Mit der Bewegung des Autos wird auch die Puppe samt Fahrrad versetzt. Sie trägt die Kleidung des Opfers, um die Lichtverhältnisse so exakt wie möglich nachzustellen. Eine hellere oder dunklere Hose könnte das Ergebnis schon verfälschen und das Ergebnis angreifbar machen. Der Radfahrer hatte damals auch Helm und Warnweste getragen. Hansastraße war zwei Stunden gesperrt Auf der Gegenfahrbahn wird wiederum das Fahrzeug eines Zeugen nachgestellt, der hinter dem Radfahrer fuhr. Auch ist es dasselbe Automodell, dass die Ermittler dafür nutzen. Auch das Licht dieses Wagens hat Einfluss auf das Geschehen. Es könnte beispielsweise geblendet haben. Ob es tatsächlich so war, das wird am Ende das Gutachten zeigen. Ausschließen konnte die Polizei schon vor einigen Wochen, dass der Bad Oeynhausener im Moment der Kollision telefoniert hatte. Diese Möglichkeit hatten die Beamten noch während der Unfallaufnahme nicht ausgeschlossen. Experten hatten das Handy des Autofahrers überprüft und dabei „keine belastenden Inhalte festgestellt“, wie Polizeisprecher Uwe Maser auf Anfrage der NW mitteilte. Die beiden Experten waren mit den Kollegen der Polizei rund zweieinhalb Stunden vor Ort, die Hansastraße war währenddessen gesperrt worden. Mit einer detaillierten Auswertung beider Gutachten ist allerdings erst in ein bis zwei Wochen zu rechnen.

realisiert durch evolver group