Bünde Neue Schiedsfrau am Bünder Amtsgericht

Schiedsmann und Schiedsfrau: Klaus Walters macht nach 15 Jahren Schluss, seine Nachfolgerin ist Kerstin Preising. Amtsgerichtsdirektor Thomas Bröderhausen verabschiedete beziehungsweise vereidigte die beiden gestern

Meiko Haselhorst

Bünde. In 15 Jahren als Schiedsmann erlebt man sicherlich so einiges, was einem in Erinnerung bleibt. Bei Klaus Walter sind das vor allem zwei Fälle, in denen die Fronten so verhärtet waren, dass er als Schiedsmann nichts mehr ausrichten konnte. In einem Fall erteilte ihm seine Frau sogar gewissermaßen Hausverbot. Später mehr dazu. Thomas Bröderhausen, seit gut einem Jahr Bündes Amtsgerichtsdirektor, hatte gestern zu einer gemütlichen Runde mit Kaffee, Keksen und frischer Milch in sein Arbeitszimmer geladen. Klaus Walter hatte er nur noch am Ende seiner Tätigkeit als Schiedsmann kennengelernt. Der gewonnene Eindruck sei trotzdem ein positiver gewesen: Als „ruhig, sachlich und freundlich“ habe er ihn wahrgenommen. „So, wie man sich einen Schiedsmann wünscht.“ Bröderhausen drückte sein Bedauern über den Abschied „bei gleichzeitigem Verständnis“ aus und drückte Walter eine recht schmucklose Urkunde in die Hand. „Sie wissen schon, in der Justiz sind die Mittel knapp, daher nur ein Stück Papier.“ Dem Geehrten machte das nicht viel aus. Walter plauderte ein wenig aus seiner Zeit als Schiedsmann. Spaß habe es gemacht. Ein schönes Gefühl sei es gewesen, wenn man einen Streit habe beilegen können, ohne vors Gericht ziehen zu müssen. So zwischen vier bis acht Verfahren im Jahr habe er gehabt, manche durchaus zeitintensiv. „Das lief dann meist so, dass einer der beiden Streithähne bei mir anrief und ich dann beide Parteien zum gemeinsamen Gespräch gebeten habe“, erklärt Walter. Das konnte seine Wohnung oder sein Büro sein, ein neutraler Raum halt. "Der bellende Hund, der Baum, der über den Zaun hängt – so etwas halt“ In etwa der Hälfte aller Fälle habe er erfolgreich vermitteln können, die anderen zogen vor Gericht: Walter kann sich an Fälle erinnern, in denen eine der beiden Seiten an einer friedlichen Lösung erst gar nicht interessiert war. „In Erinnerung geblieben ist mir auch ein Fall, wo jemand für 580 Euro ein Piloten-Ehrenabzeichen aus dem Krieg erworben hatte – und dem Verkäufer später vorwarf, dass es sich dabei um eine Fälschung handeln würde.“ Keinen Millimeter hätten sich die Kontrahenten aufeinander zubewegt. „Das war aber mal was Exotisches“, sagt Walter. „In den meisten Fällen waren es ja eher Kleinigkeiten: Der bellende Hund, der Baum, der über den Zaun hängt – so etwas halt.“ Und wie war das jetzt mit dem Rausschmiss seiner Frau? Walter lacht. „Da sind die beiden Kontrahenten bei uns im Haus so laut geworden, dass meine Frau danach gesagt hat, dass das jetzt das letzte Mal bei uns im Haus war – in den letzten Jahren sind wir dann immer woanders hingegangen.“ Eine, der so etwas vielleicht noch bevorsteht, ist Kerstin Preising. Sie ist Klaus Walters Nachfolgerin. Thomas Bröderhausen vereidigte die Angestellte der Stadt gestern direkt in seinem Amtszimmer, ohne großes Brimborium. Und ohne religiöse Beteuerungen – so hatte sich die neue Schiedsfrau das gewünscht. Zur Einführung gab’s auch für Preising ein kleines Stück Papier.

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