Nicht auf den ersten Blick ersichtlich: Neben dem Fahrkartenautomaten steht der automatische Entwerter. Foto: Meiko Haselhorst - © Meiko Haselhorst
Nicht auf den ersten Blick ersichtlich: Neben dem Fahrkartenautomaten steht der automatische Entwerter. Foto: Meiko Haselhorst | © Meiko Haselhorst

Bünde Bahntickets entwerten – ja oder nein?

Verwirrung: Die Resonanz auf den NW-Artikel „Schwarzfahrer wider Willen“ zeigt vor allem eins: Viele Kunden sind sich unsicher, ob und wie sie ihre Fahrkarte selbst entwerten müssen. DB und Westfalenbahn haben unterschiedliche Regelungen

Meiko Haselhorst

Bünde. Die NW-Geschichte vom 1. Februar („Schwarzfahrer wider Willen“) schlug hohe Wellen: Eine Flüchtlingsfamilie will mit der Westfalenbahn eine Fahrt nach Rheine unternehmen. Sie kauft sich ein Gruppenticket und setzt sich in den Zug. Weil die drei Syrer es nicht besser wissen, haben sie ihr Ticket nicht selbst entwertet. Nun haben sie mächtig Ärger mit Westfalenbahn und Polizei. Die Resonanz in der NW-Facebook-Gruppe „Du lebst schon lange in Bünde, wenn...“ und auf lokalportal.de zeigt, dass es vielen Kunden in einem solchen Fall ähnlich erginge – oder schon ergangen ist: "Ich kaufe ein Ticket und gehe davon aus, meine Pflicht getan zu haben“ Julia Schröter: „Das ist echt traurig. Ganz ehrlich, ich hätte vermutlich auch nicht geschnallt, dass man das Ticket entwerten muss.“ Nicole Dushaj: „Ich wüsste das auch nicht. Ich kaufe ein Ticket und gehe davon aus, meine Pflicht getan zu haben.“ Sascha Antwerpes: „Ist mir auch schon passiert, und ich musste blechen.“ Sean Gyle Thomsen: „Ich bin vor kurzem mit meiner Mutter nach Löhne gefahren. Wir kauften am Bahnhof in Bünde zwei Tickets und stiegen ein. Bei der Kontrolle sagte man uns auch, dass man diese nun entwerten müsste. Mir war das nicht bekannt, da bei meiner letzten Zugfahrt die Fahrscheine automatisch entwertet wurden. Zum Glück hatte die Schaffnerin Nachsicht mit uns.“ Zurzeit plagt sich die Familie mit einem Ermittlungsverfahren herum Dieses Glück hatte besagte syrische Familie nicht. Auf sie wartete am Bahnhof in Rheine die Polizei, benachrichtigt von der Kontrolleurin. Zurzeit plagt sich die Familie mit einem Ermittlungsverfahren herum. Die Westfalenbahn weist auf ihrer Homepage die Kunden darauf hin: „Bitte denken Sie daran, ihre Fahrkarte je nach Ticketart zu entwerten. Entwerter befinden sich in der Regel direkt neben unserem Fahrkartenautomaten am Bahnsteig oder im unmittelbaren Umfeld.“ Bei welchen Tickets ein solche Entwerten nötig ist, ist hier nicht zu erfahren – offenbar muss man sich beim Ticketkauf selber schlau machen. Wichtige Voraussetzung: Das Beherrschen der deutschen Sprache – für Neuankömmlinge schlecht möglich. Der Bahnsprecher muss sich erst mal schlau machen Bei der Deutschen Bahn ist die Regelung folgende: „Grundsätzlich werden Verbundtickets im Personenbedienten Vertrieb (Reisezentrum) unentwertet verkauft und müssen vor Fahrtantritt durch den Reisenden entwertet werden. Das ist unabhängig vom Eisenbahnverkehrsunternehmen, mit dem der Kunde fahren möchte. Darauf wird der Kunde auch aktiv durch den Reiseberater hingewiesen. Anders ist es am (Fahrkarten)-Automaten. Da wir beim Automaten davon ausgehen, dass das Ticket zum sofortigen Fahrtantritt gekauft wird, kommt das Ticket grundsätzlich entwertet aus dem Automaten. Es sei denn, der Kunde wählt im Verkaufsprozess einen Auswahl-Button ,Bitte unentwertet ausgeben’, weil er die Fahrt erst später antreten möchte...“. Der Bahnsprecher brauchte auf Anfrage der NW übrigens drei Tage, bis er diese schriftliche Erklärung schickte. Er musste sich zunächst mal schlau machen.

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