Stolzer Autobesitzer: Peter Gollub mit seinem Nissan Leaf. Mit dem Auto ist er sehr zufrieden, mit den bisherigen Möglichkeiten für Elektro-Auto-Fahrer weniger. Fotos: Meiko Haselhorst - © Meiko Haselhorst
Stolzer Autobesitzer: Peter Gollub mit seinem Nissan Leaf. Mit dem Auto ist er sehr zufrieden, mit den bisherigen Möglichkeiten für Elektro-Auto-Fahrer weniger. Fotos: Meiko Haselhorst | © Meiko Haselhorst

Bünde/Rödinghausen Der Weg ist holprig

Autos mit Elektroantrieb: Peter Gollub ist mit seinem neuen E-Flitzer hochzufrieden. Händler und Stromanbieter im Bünder Land, so findet er, hinken der Entwicklung aber noch hinterher

Bünde/Rödinghausen. Peter Gollub wohnt auf der Grenze zwischen Westfalen und Niedersachsen, dort wo Rödinghausen zu Markendorf wird. Genau genommen ist er schon ein Niedersachse. Aber wenn er schwärmt, klingt das noch sehr ostwestfälisch: „Da willste doch nix anderes mehr, oder!?“ Was ihn so emotional werden lässt, ist sein neues Elektroauto. Wenn er damit über die Landstraße gleitet, macht er einen glücklichen Eindruck. Der Weg zum E-Auto war aber sehr holprig. Warum musste es denn überhaupt eins sein? Idealismus? „Ein bisschen vielleicht“, sagt Gollub. „Aber der Umweltaspekt spielte ehrlich gesagt nur eine Nebenrolle.“ Der Hauptgrund seien wirtschaftliche Erwägungen gewesen. „Strom ist billiger als Benzin“, sagt Gollub. Außerdem seien E-Autos zurzeit von der Steuer befreit. Der schicke „Tesla“ eines Freundes aus Bremerhaven sei ein zusätzlicher Motivationsschub gewesen. „Das ist ein herrliches Fahren“, sagt Gollub. Deshalb habe auch er sich zunächst nach einem solchen Luxus-E-Auto umgeschaut. „Aber da gingen die Probleme schon los“, sagt er. Drei Anläufe habe er unternommen, die Angebote seien allerdings mitunter etwas halbseiden gewesen. „Im letzten Fall wollte mir der Händler einen Wagen ohne Fahrzeugbrief verkaufen“, erzählt Gollub. „Keine Ahnung, was da los war – ich habe jedenfalls die Finger davon gelassen.“ "Viele Fahrzeuge sind noch gar nicht verfügbar, obwohl damit schon Werbung gemacht wird" Der Markendorfer schaute sich anderweitig um. Dabei stellte er fest, dass die Mitarbeiter der Autohäuser seine Fragen zum Thema Elektro-Mobilität häufig gar nicht beantworten konnten. „Die sind noch nicht soweit“, sagt Gollub und zuckt mit den Schultern. Viele Fahrzeuge seien auch noch gar nicht verfügbar, obwohl damit schon Werbung gemacht werde. Ein weiteres Phänomen: „Wenn ich nach einer Probefahrt fragte, waren die Fahrzeuge meist gar nicht aufgeladen – offenbar rechnet dort niemand mit Kunden, die sich für Elektroautos interessieren“, sagt Gollub. In einem Bünder Autohaus wurde er Mitte Dezember schließlich doch noch fündig: Der 74-Jährige entschied sich für einen kleinen „Nissan Leaf“ – und ist damit bislang sehr zufrieden. Probleme gibt es trotzdem: „Das Thema Tanken ist so eine Sache“, räumt Gollub ein. „Der Wagen hat eine Reichweite von gut 200 Kilometern – danach muss er an die Steckdose“, sagt er. „So braucht der Wagen 14 bis 15 Stunden, bis er auflädt“ Bislang habe er sein Auto daheim an einer herkömmlichen 230-Volt-Steckdose angeschlossen – über Nacht. „So braucht der Wagen aber 14 bis 15 Stunden, bis er auflädt“, sagt Peter Gollub. „Außerdem verschmoren auf Dauer die Kontakte.“ Der Markendorfer installierte deshalb eine spezielle Ladestation, die die Ladezeit auf zwei bis drei Stunden reduziert. Professionelle Schnellladesäulen an Autobahnen oder Hotels, so erklärt er, schafften eine „Betankung“ in 20 bis 30 Minuten. 200 Kilometer Reichweite – für Einkaufsfahrten und kleinere Ausflüge in der Region reicht das. „Es gibt aber zu viel Verwirrung bei der Planung von Fernfahrten. Urlaub machen mit einem rein elektrischen Auto und Wohnwagen-Anhänger, das ist vorläufig Utopie“, glaubt Gollub. Derzeit versucht er, sich eine Ladekarte bei seinem Stromanbieter zu besorgen, die das Laden europaweit erleichtern soll. „Aber auch bei den Stromanbietern wissen viele Mitarbeiter noch nicht so richtig darüber Bescheid – obwohl sie damit werben“, bedauert Gollub. In den Urlaub geht’s daher weiterhin mit dem alten Benziner, der noch in der Garage steht. „In Norwegen, wo wir häufiger sind, haben schon 30 Prozent aller Autos Elektroantrieb. Dort fahren sehr viele Teslas herum, aber auch andere Marken, von denen wir hier noch nie gehört hatten – teilweise sogar deutsche Fabrikate.“ Entsprechend gut seien die Norweger aufgestellt. „Da gibt’s überall Ladestationen“, sagt er und zeigt ein Foto auf dem Smartphone. Gollub schwärmt jetzt ein zweites Mal. Aber nur kurz. Dann ist er wieder auf dem Boden der Tatsachen: „Bis wir hier bei uns soweit sind, vergehen wohl noch ein paar Jahre.“

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