Umgeben von Telefonen: Stanislaus-Raimund und Gisela Zublewitz lassen den Anschluss auf das private Handy umleiten, um überhaupt erreichbar zu sein. Foto: Georgi - © Katharina Georgi
Umgeben von Telefonen: Stanislaus-Raimund und Gisela Zublewitz lassen den Anschluss auf das private Handy umleiten, um überhaupt erreichbar zu sein. Foto: Georgi | © Katharina Georgi

Bünde Tote Leitung sorgt für leeres Wartezimmer

Infrastruktur: Die einzige Arztpraxis in Südlengern ist aktuell telefonisch nicht zu erreichen. Patienten, die sich turnusmäßig melden müssten, besucht Stanislaus-Raimund Zublewitz daher vorsichtshalber nach seiner offiziellen Sprechzeit

Katharina Georgi

Gisela Zublewitz bekommt auf ihr privates Handy aktuell deutlich mehr Anrufe als normalerweise. Dorthin ist nämlich der Anschluss der Arztpraxis ihres Mannes umgestellt. Die ist heute seit zwei Wochen ohne Telefon und Internet. „Unsere Patienten erreichen uns nicht", sagt Zublewitz ärgerlich. Laut Telekom gebe es einen Kabelschaden, von dem man nicht genau wisse, wann er behoben sein wird. Das sei dem Ehepaar anfangs aber gar nicht mitgeteilt worden, ist Gisela Zublewitz verärgert. Stattdessen wurden sie immer wieder vertröstet. Zuletzt sollte „am 28. Dezember alles wieder funktionieren", habe man ihr gesagt. Die Leitung aber ist weiterhin tot. Problematisch ist das vor allem für die Patienten, die aufgrund ihrer Blutwerte medikamentös eingestellt werden und sich daher regelmäßig melden. „Wir passen zu dieser Zeit eigentlich die Dosierung der Medikamente an. Aber wir können derzeit ja niemanden anrufen", sagt Zublewitz. Also steigt ihr Mann nach den offiziellen Sprechzeiten ins Auto und fährt die Patienten ab. „Auch die, die sich normalerweise melden würden, aber es noch nicht getan haben", sagt er. Daten von Laboren kommen nicht an Üblicherweise hat er dann auch einen kleinen tragbaren Computer dabei, mit dem er sich von unterwegs mit dem Praxisnetzwerk verbinden kann. „Das funktioniert aber derzeit auch nicht", sagt Gisela Zublewitz. Auch auf die Daten der Labore, mit denen die Arztpraxis zusammenarbeitet, können sie aktuell nicht zugreifen und den Patienten entsprechend ihrer Akte zuordnen. Täglich meldet sich Zublewitz beim Kundenservice der Telekom. Mittlerweile gibt es eine automatische Ansage: „Für diesen Anschluss liegt eine Störung vor. Wir arbeiten daran", sagt eine Computerstimme. „Für zwei oder drei Tage kann ich das verstehen, aber nicht für über zwei Wochen", sagt sie. Kein Verständnis für lange Reparatur „Unser Kundenservice versucht das Problem schnell zu beheben", versichert der Sprecher der Telekom. Aber wie lange wird das sein? Bis dahin muss Gisela Zublewitz weiterhin ihr privates Handy zur Verfügung stellen. „Da kann ich immer nur einen Anruf annehmen, es gibt keine Schaltung wie bei den Praxistelefonen", zeigt sie ein weiteres Problem auf. Patienten, die dringend Hilfe brauchen, würden mittlerweile direkt das Lukas-Krankenhaus aufsuchen. Dort seien die Mehr-Patienten noch nicht aufgefallen, sagt eine Sprecherin. Ärgerlich ist das für die Arztpraxis aber trotzdem. Gestern hatte ein Telekom-Mitarbeiter dem Ehepaar mitgeteilt: Die Reparatur eines Kabelschadens könne bis zu vier Wochen dauern. „Dafür habe ich kein Verständnis", sagt Zublewitz. Das ärgere sie privat gar nicht so sehr. „Mir geht es um die Patienten", sagt sie.

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