Speisen im Linienbus: Aus einem alten Fahrzeug hat der Bad Rothenfelder Klaus Hörst einen Frühstücksbus kreiert. - © Melanie Wigger
Speisen im Linienbus: Aus einem alten Fahrzeug hat der Bad Rothenfelder Klaus Hörst einen Frühstücksbus kreiert. | © Melanie Wigger

Versmold In diesem Linienbus kann man frühstücken

Der Bus steht an der Knetterhauser Straße

Melanie Wigger

Versmold. Mit dem Slogan „Moin Versmold" grüßt seit Anfang der Woche ein großer Sticker auf altem Linienbus an der Knetterhauser Straße. Im 50er-Jahre-Chic werden dort belegte Brötchen verkauft. Etwa ein Jahr hat Klaus Hörst an seiner Imbissstube auf Rädern getüftelt. Gemeinsam mit Freunden hat er den Bus entkernt, den schwarz-weiß-gemusterten Boden ausgelegt, Wände und Decke verkleidet, Sofas und Sessel im amerikanischen Design auf Ebay ersteigert. „Mir ist Marilyn Monroe total egal, aber es soll so aussehen, als würde sie hier mit James Dean zusammen frühstücken können. Ich finde, das passt hier einfach gut rein", erklärt er gegenüber dem Haller Kreisblatt den Stil seines Frühstücksbusses, der auch äußerlich diesen Retro-Chic bekommen soll: „Ein Airbrusher wird ihn noch mit passenden Motiven ansprühen." Dass der Bad Rothenfelder seinen Frühstücksbus nun in Versmold parkt, ist günstigen Umständen zu verdanken. Das angrenzende Unternehmen habe ihm ein günstiges Angebot für den Parkplatz gemacht – Strom und Wasser werden auch gestellt. Die Leitungen führen vom Gebäude des Vermieters in den Bus. Das Abwasser fließt durch eine Röhre in den nahen Gulli. Alles provisorisch, „aber daran wird noch was gemacht. Hauptsache, wir haben erstmal geöffnet", sagt Hörst. Ursprünglich hatte er an einen üblichen Imbisswagen gedacht, aber als er den zwölf Meter langen Bus zum Verkauf entdeckte, reizte ihn das mehr. „Da muss man doch etwas raus machen", habe er damals gedacht. „Der Bus ist 25 Jahre alt und für den Linienverkehr nicht mehr geeignet." Fahren will er damit eh nicht. Der Bus bleibt aufgebockt an Ort und Stelle. Das alte Schätzchen sei ein Schnapper gewesen. Den konkreten Preis nennt Hörst nicht. In der Regel liegen vergleichbare Fahrzeuge im vierstelligen Bereich. Summa summarum sei er mit der Sanierung bei 15?000 Euro gelandet. Erspartes und ein Darlehen stecken in dieser Investition. Bewegte Vita mit Abstecher nach Spanien Es ist nicht das erste Mal, dass sich der 65-Jährige selbstständig macht. 1993 hatte er in Dissen eine Firma für Army-Bekleidung. Das Geschäft lief nicht, drei Jahre später wurde die Auflösung der Gesellschaft beschlossen. Hörst versuchte sein Glück in Spanien, kehrte dann aber vor sechs Jahren in die Heimat zurück, wo er bis vor kurzem vom Taxifahren lebte.Nun will der 65-Jährige von montags bis freitags um drei Uhr früh aufstehen, um pünktlich gegen 4.30 Uhr Schichtarbeiter mit frischen Bäckerbrötchen und Markenwurst zu bewirten – nur wenn es mal eng wird, weicht er auf das Sortiment beim Discounter gegenüber aus. Käffchen und Kakao gehören auch zum Angebot, alles zu kleinen Preisen. „Mal sehen, ob das kein Fehler ist", kommentiert er seine Preiskalkulation. Omelette, Toast-Hawaii und strammen Max bereitet er in einer Küche zu, welche die vordere Hälfte des Busses einnimmt. Alles Gastrogeräte, betont der gelernte Hotelkaufmann. Seine Gastronomie-Vergangenheit sei zwar lange her, aber Kochen sei wie Schwimmen. „Wenn man es einmal kann ..." Gästezahlen nennt er nicht – das seien Fragen für das Finanzamt, sagt er lachend. „Ich bin sehr zufrieden. Es sind schon viele gekommen." Nicht nur im Frühstücksbus laufe es: Als Haupteinnahmequelle setzt Hörst auf einen Lieferdienst für Firmen in der Umgebung. In den ersten vier Tagen haben drei Unternehmen Brötchen bei ihm geordert und zwei Platten für Geburtstage wurden ausgeliefert. Um beide Aufgaben zu stemmen, hat Hörst bereits einen Freund fest eingestellt. Neben optischen Finessen plant der Gastronom im Sommer die 15 Sitzplätze im Inneren mit Stehplätzen vor dem Bus und einer großen Markise zu ergänzen. Wie sich sein Geschäftskonzept entwickelt, wolle er von den Ideen seiner Gäste abhängig machen. „Vielleicht könnte man den Bus für Geburtstagsfeiern vermieten. Ich bin für alles offen."

realisiert durch evolver group