Deutliche Reduzierung: Die Bezirksregierung folgt dem Gegengutachten, das die Stadt zu den Überschwemmungsflächen im Ortsteil Sürenheide in Auftrag gegeben hat. Die dunkelblau gefärbten Flächen unterliegen als potenziell gefährdete Bereiche weiterhin Beschränkungen; die hellblau gekennzeichneten Gebiete hatte die Bezirksregierung ursprünglich ebenfalls festgesetzt, sie fallen jetzt aber aus den Beschränkungen heraus. - © Markus Diekmann / Luftbild: Land NRW (2017) – Lizenz dl-de/by-2-0 (www.govdata.de/dl-de/by-2-0)
Deutliche Reduzierung: Die Bezirksregierung folgt dem Gegengutachten, das die Stadt zu den Überschwemmungsflächen im Ortsteil Sürenheide in Auftrag gegeben hat. Die dunkelblau gefärbten Flächen unterliegen als potenziell gefährdete Bereiche weiterhin Beschränkungen; die hellblau gekennzeichneten Gebiete hatte die Bezirksregierung ursprünglich ebenfalls festgesetzt, sie fallen jetzt aber aus den Beschränkungen heraus. | © Markus Diekmann / Luftbild: Land NRW (2017) – Lizenz dl-de/by-2-0 (www.govdata.de/dl-de/by-2-0)

Verl Deutlich weniger Hochwassergebiete in Verl als gedacht

Die Bezirksregierung akzeptiert für die Festlegung der Überschwemmungsgebiete das Gegengutachten der Stadt - und sieht deutlich weniger Flächen als gefährdet an

Roland Thöring

Verl-Sürenheide. Als die Bezirksregierung Detmold im Februar 2015 die potenziellen Überschwemmungsgebiete in Sürenheide "vorläufig sicherte", wie es im Amtsdeutsch heißt, sorgte deren unerwartetes Ausmaß im Verler Rathaus und bei betroffenen Anliegern für einen Aufschrei. Der baulichen Entwicklung des Ortsteils drohte der Stillstand, der Umzug der Kindertagesstätte "Im Zwergenland" schien unmöglich geworden und Anlieger von Allensteiner, Ermland- und Tannenbergstraße mussten erfahren, dass sie künftig nicht einmal mehr eine Garage auf ihrem Grundstück würden bauen können. Das Schlimmste scheint jetzt aber abgewendet: Mit Schreiben vom 30. November an die Stadt hat die Bezirksregierung den Inhalt eines Gegengutachtens der Ingenieurgesellschaft Sieker aus Berlin anerkannt, das etwa 40 Prozent weniger Fläche für gefährdet hält, als von der Bezirksregierung ursprünglich festgeschrieben. Detmold will diese Sicht nun übernehmen. Im Rathaus sorgte der Brief für Erleichterung. Nach der genaueren Analyse des Büros Sieker, das beispielsweise die Kanalisation in seine Berechnung einbezogen hat und detaillierter auf topographische Gegebenheiten eingeht, fallen wesentliche bisher als Überschwemmungsflächen geltende Bereiche heraus und damit die Beschränkungen weg. Für die Kommune vielleicht der wichtigste Punkt: Im Bereich Tönswiese südlich des Knisterbaches zwischen Sürenheider Straße und Zollhausweg ist jetzt eine Wohnbauentwicklung möglich geworden. Auch das heutige Kleinspielfeld im Sportzentrum, das die Stadt als künftigen Standort der Kindertagesstätte "Im Zwergenland" vorgesehen hat, liegt nun nicht mehr im Überschwemmungsgebiet. Gleiches gilt für die Parkplätze des Küchenherstellers Nobilia östlich der Waldstraße und einen Teil der noch unbebauten Wiesen zwischen dem Nobilia-Werk und dem Berensweg. Das Bauverbot für etliche Anlieger von Allensteiner, Ermland- und Tannenbergstraße falle mit der Anerkennung der Sieker-Flächen weg, sagte Verls Beigeordneter Thorsten Herbst gestern. Ihnen konnte die Stadt bislang allenfalls den Bau eines offenen Carports genehmigen, nicht aber den einer Garage oder gar einen Anbau an das bestehende Wohnhaus. Die genauere Untersuchung der Berliner Ingenieure hat jedoch auch dazu geführt, dass einzelne Teilflächen als gefährdete Gebiete hinzugekommen sind, beispielsweise eine ganz im Osten Sürenheides östlich der Sürenheider Straße. Auch der nördlichste Sportplatz, der bekanntlich verlegt werden soll und dessen Fläche die Stadt für eine künftige Wohnbebauung ins Auge gefasst hat, liegt nun in einem Überschwemmungsbereich. "Bei größeren Gebieten lässt sich das aber durch die Schaffung von Retentionsräumen lösen", so Herbst, der daran erinnert, dass dies bei der Planung zur Erweiterung des Sportzentrums selbst gelungen sei. Auch hier hat die Stadt den Bau von Mulden vorgesehen, die Wasser aufnehmen und zurückhalten können. Probleme bereitet in Sürenheide ohnehin weniger der Knisterbach selbst als Oberflächenwasser, das wegen des hohen Grundwasserstandes und eines gesättigten Bodens einfach nicht versickern kann. Im Rahmen des Beteiligungsverfahrens hatte die Kommune ab dem Jahr 2015 das "stadthydrologische Modell Knisterbach" durch das Büro Sieker erarbeiten lassen. Gleichwohl hatte die Bezirksregierung im März vergangenen Jahres das Überschwemmungsgebiet in dem vorgesehenen Ausmaß festgeschrieben. Seither plätscherte das Verfahren vor sich hin. Im Sommer 2016 hatte Detmold eine Prüfung des von der Stadt beauftragten Gutachtens zusagt und nach einer Erinnerung im vergangenen Frühjahr auch durchgeführt. Die Details des Sieker-Gutachtens und damit die exakten Bereiche, die weiter als überschwemmungsgefährdet gelten, will die Stadt in der Sitzung des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses am 1. Februar vorstellen.

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