In der Kritik: Die Materialqualität der gelben Säcke. - © Roland Thöring
In der Kritik: Die Materialqualität der gelben Säcke. | © Roland Thöring

Verl Verl soll andere gelbe Säcke bekommen

Stabiler als die bisherigen gelben Säcke werden die neuen wohl auch nicht sein

Roland Thöring

Verl. In den kommenden drei Jahren wird das Entsorgungsunternehmen Tönsmeier an die Verler Haushalte gelbe Säcke mit einer dickeren Wandstärke verteilen. Das hat die Verwaltung in der jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses mitgeteilt. Tönsmeier ist zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. Dezember 2020 im Kreis Gütersloh für die Beschaffung und Verteilung der gelben Säcke von den Dualen Systemen beauftragt. Die Stadt habe für den fraglichen Zeitraum bei der Ausschreibung gelbe Säcke mit der Wandstärke von 22 Mikrometer verlangt, teilte Beigeordneter Thorsten Herbst mit. Ein Mikrometer entspricht dem tausendsten Teil eines Millimeters. Verteilt werden im neuen Jahr gelbe Säcke aus dem Polyethylenmaterial LDPE. Alternativ hätte die Stadt auch gelbe Säcke aus HDPE wählen können. Die Mindestwandstärke beträgt hier 15 Mikrometer. Dass man sich für das dickere Material entschieden hat, ist eine Folge zunehmender Beschwerden über die schlechte Qualität der gelben Säcke. Sie zerrissen allzu leicht, so die Kritik, mit der Folge, dass die zur Entsorgung gesammelten Verpackungen vom Wind oder von Tieren an den Straßenränder verteilt würden. Die Wahl der dickeren Kunststofffolie hat aber eher einen Gefühls- und damit vielleicht beruhigenden Effekt. Denn, so stellte die Verwaltung in der Sitzung klar, die Zugfestigkeit, also die Stabilität der beiden Materialien, sei bei der unterschiedlichen Wandstärke gemäß DIN-Anforderung gleich: HDPE-Folien gelten als reiß- und verschleißfest und können deshalb bei vergleichbarer Qualität mit einer geringeren Materialstärke hergestellt werden als LDPE-Folien. Die Reißfestigkeit der gelben Säcke sei auf die benötigte Tragfähigkeit für gebrauchte Einwegverpackungen aus Kunststoff und Metall ausgelegt. Die Wandstärke sei so dünn, um Material zu sparen und in die Säcke hineinsehen zu können, was deren missbräuchliche Verwendung einschränken soll. Die hatte nämlich in der Vergangenheit das Entsorgungsunternehmen beklagt: In den gelben Säcken werde mittlerweile alles Mögliche verpackt, was den Verbrauch habe erheblich ansteigen lassen. CDU-Ratsherr Matthias Humpert hatte für den Anstieg der ausgegebenen gelben Säcke eine andere Erklärung: "Die Leute stellen zwei oder drei Säcke ineinander, weil ein Tetrapack für Milch oder eine Konservendose die dünne Folie aufgeschlitzt hat. Mit dem dickeren Material können wir vielleicht diesen Kreislauf durchbrechen." Die Verwaltung wies darauf hin, dass die Verler Bürger - als einzige im Kreis Gütersloh - alternativ die Möglichkeit hätten, die scharfkantigen Konservendosen bequem über die regelmäßige Wertstoffsammlung des Wertstoffmobils zu entsorgen. Für Kunststoffverkaufsverpackungen sollte die Qualität der gelben Säcke hingegen ausreichend sein. Stelle sich heraus, dass die dickeren LDPE-Säcke nicht Abhilfe schaffen, dann, so Herbst, "müssen wir das einfach zur Kenntnis nehmen - unser Einfluss ist bei diesem Thema gering".

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