Auf der Leiter: Trotz seiner 79 Jahre lässt es sich Günter Hüttenhölscher nicht nehmen, die Kiwis selbst von seinen zwei Bäumen im Garten zu pflücken. Um auch wirklich jede Frucht zu erwischen, klettert der Verler Rentner auch auf die meterhohe Leiter. - © Lena Vanessa Niewald
Auf der Leiter: Trotz seiner 79 Jahre lässt es sich Günter Hüttenhölscher nicht nehmen, die Kiwis selbst von seinen zwei Bäumen im Garten zu pflücken. Um auch wirklich jede Frucht zu erwischen, klettert der Verler Rentner auch auf die meterhohe Leiter. | © Lena Vanessa Niewald

Verl Mit diesen Früchten hilft der Verler Rentner "Hütti" Kindern in Rumänien

Jedes Jahr erntet Günther Hüttenhölscher tausende Kiwis aus seinem Garten, um sie auf dem Markt zu verkaufen. Der Erlös fließt in seine Balkanhilfe. In diesem Jahr hat der Frost viele Früchte zerstört

Lena Vanessa Niewald

Verl. Als Günther Hüttenhölscher die ersten Kiwis von dem riesigen Baum in seinem Garten pflückt und in seinen Eimer wirft, strahlt ihm die Sonne ins Gesicht. „Immerhin scheint die Sonne heute. So schön war es leider nicht immer", sagt der 79-jährige Rentner. Das Wetter habe in diesem Jahr nicht so mitgespielt, wie es sich der engagierte Verler gewünscht hatte. „Frost und Hagel haben so viel kaputt gemacht", sagt Hüttenhölscher etwas geknickt und guckt an einem der Bäume hoch. „In den vergangenen Jahren war hier alles voll." Die Kiwi-Pflanzen blühen von Mitte bis Ende April – meistens sind die Blüten sogar nur wenige Tage komplett geöffnet. „Genau in der Zeit gab es damals Frost", erinnert er sich. Trotz Einbußen durch die kalten Temperaturen haben sich aber einige Früchte entwickelt: Knapp 2.000 Kiwis bekommt Hüttenhölscher zusammen. Aber auch das November-Wetter bereitete dem Verler Sorgen. „Wir mussten jetzt wirklich anfangen, wenn es noch ein bisschen kälter geworden wäre, dann wären die Kiwis geplatzt." Zwei Tage pflückt er gemeinsam mit einem Freund im heimischen Garten. Am zweiten Weihnachtstag geht's mit vier Lkw nach Rumänien Am 24. November wird er dann mit seinen gesammelten Kiwis auf dem Verler Wochenmarkt stehen. Der Erlös soll wie immer in sein Projekt „Balkanhilfe" fließen. Schon am zweiten Weihnachtstag will der Verler wieder nach Rumänien aufbrechen. Vier Lkw hat er dieses Mal eingeplant – und auch ein paar Kiwis wird er dann im Gepäck haben. Welche Sorte Hüttenhölscher jedes Jahr aufs Neue pflückt, weiß der 79-Jährige übrigens gar nicht. „Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, was das für Kiwis sind", sagt er und lacht. Er habe die Pflanzen damals „aus einem Katalog ausgesucht". Aus den kniehohen Pflänzchen, die er damals aus Holland bezogen habe, sind mittlerweile zwei riesige Bäume gewachsen, die Hüttenhölschers Haus umranken – ein männlicher und ein weiblicher. Damit Hüttenhölscher auch im nächsten Jahr wieder viele Kiwis im Garten hat, achtet er darauf, die Früchte mit Stil zu pflücken. „Ansonsten kommen die Blüten gar nicht wieder", so der 79-Jährige. »Da würde man sich ja die Zähne ausbeißen« Auch, wenn er den Namen der Sorte nicht kennt, über die Eigenschaften seiner liebevoll angebauten Früchte weiß Hüttenhölscher mittlerweile ziemlich gut Bescheid. „Essen kann man die jetzt noch nicht. Da würde man sich ja die Zähne ausbeißen, so hart sind sie noch." Lieber solle man die Kiwis noch bis Weihnachten liegenlassen – ob im Keller oder in der Küche, das sei „völlig egal". Spätestens Ende Dezember müssten sie dann aber reif sein und ihr Aroma entfaltet haben. „Ein bisschen saurer als gewöhnliche Kiwis sind sie", sagt Hüttenhölscher, „aber mindestens genauso lecker." Einige Exemplare behält der Rentner für sich. Im vergangenen Jahr habe er fast 30 Gläser Marmelade eingekocht, erinnert er sich. Die meisten sollen aber für sein Herzensprojekt verkauft werden.

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