Wird abgerissen: Der ehemalige Schlachthof Echterhoff, auf dessen Gelände der neue Bauhof gebaut wird. - © Roland Thöring
Wird abgerissen: Der ehemalige Schlachthof Echterhoff, auf dessen Gelände der neue Bauhof gebaut wird. | © Roland Thöring

Verl Verler Bauhof: Fraktionen wollen Kostensteigerung nicht mittragen

CDU: "Notfalls die Reißleine ziehen"

Roland Thöring

Verl. Die Pläne für den neuen Bau- und Wertstoffhof stoßen auf großen politischen Widerstand. "Eine Realisierung für aktuell 10,5 Millionen Euro wird von der CDU-Fraktion nicht mitgetragen", kündigte die christdemokratische Ratsmehrheit gestern in einer schriftlichen Stellungnahme an. Auf diese Linie hatte sich die CDU bei ihrer Klausurtagung am Wochenende festgelegt. Heute Abend werden das Kölner Büro V-Architekten, das vor zwei Jahren mit seinem Entwurf den Architektenwettbewerb zum Neubau des Bau- und Wertstoffhofes gewonnen hatte, und der von der Stadt beauftragte Projektsteuerer Schütt Ingenieurbau aus Münster vor dem Stadtrat erklären müssen, wie es zu der Kostenexplosion binnen weniger Monate hatte kommen können. Im Sommer hatten sich die geschätzten Baukosten noch bei 7,15 Millionen Euro bewegt. Ähnlich kritisch wie die CDU positionierten sich gestern auch die Sprecher der vier anderen Ratsfraktionen. Peter Heethey (SPD) nannte die "immense Kostensteigerung sehr bedenklich" und merkte an, dass sich das "wie ein roter Faden" auch durch andere städtische Bauprojekte der Vergangenheit und Gegenwart ziehe. Einem Architektenwettbewerb stehe er zwar generell positiv gegenüber, denn daraus seien beispielsweise mit dem Feuerwehrgerätehaus in Verl und dem Rathaus "gelungene Projekte" hervorgegangen. Allerdings binde ein solches Vorgehen auch die Stadt: Steige sie aus den Verträgen mit den siegreichen Bauhofplanern aus, drohten hohe Kosten für bereits erbrachte Leistungen und eventuell Schadensersatzforderungen, so Heethey. Grünen-Sprecher Simon Lütkebohle will heute Abend im Rat mit den Planern über mögliche Kosteneinsparungen diskutieren, merkt aber an, dass diese nicht die Funktion des neuen Gebäudes beeinträchtigen dürfen. Notfalls zieht der Rat die Reißleine FWG und FDP stellen sich wie die CDU hinter die Verwaltungsspitze, die dem Rat von einer Zustimmung bei den prognostizierten Kosten bereits abgeraten hat (die NW berichtete). "Kurzfristig weitere Einsparvorschläge" erwartet auch die CDU von Architekt und Projektsteuerer. Die Kostenexplosion stoße "auf großes Unverständnis und Unmut". Trotz des im Sommer vom Rat genehmigten Kellers und der Funktionsverbesserungen (in der Summe von 7,15 Millionen bereits enthalten) erschließe sich die "immense Kostensteigerung nicht. War doch bei der Entscheidung für den Siegerentwurf des beauftragten Architekturbüros nicht nur der Entwurf selbst ausschlaggebend, sondern auch dessen geschätzten Bau- und Betriebskosten, die auch von einem Gutachter aus Delbrück bestätigt wurden", heißt es in der CDU-Stellungnahme weiter. Bereits bei vorherigen Bauprojekten, die durch Wettbewerbe initiiert wurden, seien erhebliche Kostensteigerungen zu verzeichnen gewesen, etwa beim Gymnasium. Diesmal lägen die Kosten aber so frühzeitig auf dem Tisch, dass der Rat notfalls die Reißleine ziehen könne.

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