Esken, Appelbaum - BNI-Frühstück - © Jens Dünhölter
Esken, Appelbaum - BNI-Frühstück | © Jens Dünhölter

Gütersloh Netzwerk-Frühstück: Warum sich lokale Unternehmer im Spexarder Krug treffen

In exakt 90 Minuten knüpfen Unternehmer aus dem Kreis Gütersloh Kontakte

Jens Dünhölter

Gütersloh. Ausgeschlafen hat hier niemand. Dennoch ist die Laune der Protagonisten extrem gut. Alle freuen sich um kurz vor 7 Uhr auf den ersten Termin des Tages: das Unternehmer Netzwerk-Frühstück der Ortsgruppe "Delina" Bielefeld/Gütersloh im übergeordneten Unternehmen Business Network International (BNI), des nach eigenen Angaben mit 8.000 Unternehmerteams in 70 Ländern auf fünf Kontinenten vertretenen "weltweit größten Unternehmernetzwerkes". Wöchentlich treffen sich im Spexarder Krug 34 Unternehmer aus dem gesamten Kreis, um ihre Firma mit konstruktiven Gedanken und Gesprächen in exakt 90 Minuten voran zu bringen. Wer dabei sein will und sich durch regelmäßige Kontakte die Türen zu anderen Firmen öffnen lassen möchte, zahlt dafür inklusive fünf Trainings im Jahr 925 Euro. Laut Angabe der BNI-Verantwortlichen gut investiertes Geld, denn die Mitgliedschaft habe einen tatsächlichen Wert von 80.000 Euro. Als Gegenleistung versichern die Netzwerker ihren Mitgliedern Exklusivität. Jedes Gewerk ist in jeder der über 50 deutschen Ortsgruppen - so genannte Chapter - nur einmal vertreten. Bei Überschneidungen, etwa, wenn ein Elektriker und ein Photovoltaikanlagenbauer Mitglied werden wollen, entscheiden die verantwortlichen Orts-Gremien. Von diesem engen Regelwerk sind die zum "BNI-Besuchertag" erschienenen 30 Gäste noch ein gehöriges Stück entfernt. Verls Bürgermeister hat auch einen Platz bekommen Bei diesem Schnuppertreffen können auch Besucher aus bislang noch nicht im Netzwerk vertretenen Gewerken am Frühstück teilnehmen. Obwohl kein Unternehmer, hat sich auch Verls Bürgermeister Michael Esken mit Kaffee, Brötchen, Käse, Wurst einen Platz gesucht. Wie alle anderen Novizen betritt auch das Stadtoberhaupt Neuland: "Und eine Einladung zu einem Termin um 6.45 Uhr bekommt man als Bürgermeister nicht jeden Tag." Die großen, international operierenden Konzerne seien nicht zwingend auf die Hilfe anderer angewiesen. Bei mittelständischen oder kleineren Unternehmen könne der Netzwerkgedanke und gegenseitige Unterstützung von "ungeheurer Wichtigkeit sein", teilt Esken der Versammlung seine Gedanken zum Netzwerk-Frühstück mit. Viel mehr darf der Bürgermeister allerdings nicht sagen: Seine Redezeit wurde auf drei Minuten beschränkt. Womit wir wieder bei den Regeln wären: Damit sich das einmal wöchentlich frühere Aufstehen lohnt, herrscht eine Art Anwesenheitspflicht. Wer nicht kommt, muss einen Vertreter schicken. Auch die Vorstellungsrunde, in der die Mitglieder Ziele und Wünsche definieren, ist streng reguliert. Jeder hat maximal eine Minute Zeit. Nach 50 Sekunden hält ein Zeitnehmer ein Schild mit der Aufschrift "Danke" in die Luft, nach weiteren zehn Sekunden folgt mit einem "Applaus"-Schild das abrupte Ende. Pro Treffen darf ein Teilnehmer einen drei Minuten Vortrag zum Thema "Netzwerken" halten, ein zweiter zehn Minuten lang sein Unternehmen präsentieren. "Es gibt hier keine Routine", sagt Chapter-Chef Jan Bisjak. "Die 60 Sekunden sind immer anders. Viele wissen bis fünf Sekunden vorher nicht, was sie sagen. Andere bereiten sich akribisch vor." Das Credo dabei: "Wir sagen nicht, was wir haben, sondern was wir suchen." Den Nutzeffekt bestätigt Martin Appelbaum, Geschäftsführer der Gabelstaplerfirma Frenz. Er ist seit einem Jahr Netzwerk-Frühstücker. "Hier sind viele Leute, die einem helfen können, Türen zu öffnen", sagt er. Bei der medizinischen Ernährungsberaterin Olga Pigac funktioniert das Prinzip sogar schon seit der Gründung vor fünf Jahren. "Jeder Geschäftsmann verfügt über 250 bis 300 Branchen-Kontakte. Wer etwas sucht, wird hier immer fündig." Und die frühe Uhrzeit? Jan Bisjak: "Tagsüber oder abends haben die wenigsten Zeit zum Netzwerken. Wenn man etwas erreichen will, geht das am besten vor der Arbeit - morgens um 7 Uhr." Durch die strenge Taktung des Treffens wird die Zeit nach hinten heraus zudem nicht überzogen, so dass die Unternehmer spätestens um 8.30 Uhr auf dem Weg ins Büro sind - gut gesättigt und gut vernetzt.

realisiert durch evolver group