Diskutiert mit: In der Bürgerversammlung machten die Anwohner des Schmiedestrangs klar – sie wollen eine Fahrradstraße, aber keinen grundhaften Ausbau. - © Franz Purucker
Diskutiert mit: In der Bürgerversammlung machten die Anwohner des Schmiedestrangs klar – sie wollen eine Fahrradstraße, aber keinen grundhaften Ausbau. | © Franz Purucker

Verl Schmiedestrang: Anwohner sagen Ja zur Fahrradstraße

Anlieger sind sich bezüglich Verkehrsberuhigung einig – die weiteren Ausbaupläne führen noch zu Diskussionen

Franz Purucker

Verl. So viel Einigkeit überraschte sogar Bürgermeister Michael Esken. Fast einstimmig fiel zur Bürgerversammlung im Rathaus das Urteil für eine Fahrradstraße am Schmiedestrang – zumindest für zwei Jahre. „Fahrradstraße bedeutet, dass Tempo 30 gilt und Radfahrer Vorrang haben", erklärte Werner Landwehr vom Fachbereich Sicherheit/Ordnung der Stadt. Durch das Zusatzschild „Anlieger frei" dürfen Anwohner und der Lieferverkehr weiterhin die Straße mit dem Auto nutzen. Die Anwohner wollen vor allem eins – ihre Ruhe. „Ich wünsche mir, dass der Verkehr ruhiger wird. Eine Minute langsamer fahren, kann doch jeder opfern", so eine Anwohnerin. Daniel Hüttenhölscher, Geschäftsführer des gleichnamigen Sondermaschinenbauunternehmens, sieht das anders: Für ihn sowie seine Kunden und Mitarbeiter ist die Straße ein wichtiger Zufahrtsweg: „Wir sind gegen die Fahrradstraße." Es seien nur äußerst wenige Radfahrer dort unterwegs. Josef Thomalla, der am Grasweg wohnt, fürchtet, dass durch die Fahrradstraße mehr Verkehr über den Grasweg läuft. Entsprechend forderte er, auch dort zumindest eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern festzuschreiben. Mehrere Anwohner forderten mehr Geschwindigkeitskontrollen, da gerade am Schmiedestrang oft gerast werde. „Wir geben das an den Kreis weiter. Unsere Erfahrung ist aber, dass wir dadurch überwiegend die Anwohner treffen", sagte Bürgermeister Michael Esken. Für Geschwindigkeitskontrollen ist die Polizei zuständig. Kritik übten die Anwohner am schlechten Zustand des befestigten Straßenrandes am Schmiedestrang, der sogenannten Bankette. „Ein Ausbau ist nicht nötig, aber die Bankette sollte gemacht werden", so ein Anwohner. Michael Esken versprach, sich selbst ein Bild zu machen. Thorsten Herbst, Dezernent für Planen, Bauen und Wohnen warb erneut für den Vorschlag, die Straße grundhaft auszubauen und damit nachhaltig zu sanieren, was nicht auf Gegenliebe einiger Anwohner stieß. Sie wollen vor allem nicht dafür zahlen müssen. „Einen Teil auf die Anwohner umzulegen, ist nicht gerechtfertigt", so der Anwohner Ralf Buschmann. Die Straße werden vor allem von Industrie und Landwirtschaft genutzt. „Da erwarte ich von den Vertretern, die wir gewählt haben, sich für ihre Einwohner zu entscheiden", so Buschmann weiter. Erstes Zwischenergebnis: Nachdem sich der Straßen- und Wegeausschuss im Oktober oder November damit befassen wird, könnte bereits Anfang des Jahres der zweijährige Test als Fahrradstraße beginnen begleitet von Fahrzeugzählungen. Uneinigkeit gibt es zu der Frage, ob die Planungen für einen Vollausbau schon beginnen sollen. Einige Anwohner sehen dies als Geldverschwendung – Thorsten Herbst eher als Zeitvorsprung für einen eventuellen Ausbau.

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