Verl Hasselbach-Brücke: Kriminelle behindern Bauarbeiten

Für die Straße über den Hasselbach wurden jetzt die Fertigbauteile eingesetzt

Franz Purucker

Verl. Mit einem riesigen Kran werden die knapp 17 Tonnen schweren Fertigbauteile an der Bleichestraße für die neue Brücke über den Hasselbach eingesetzt. Bereits um 6.30 Uhr am Morgen begannen die Aufbauarbeiten für den Kran, der die im Emsland aus Beton gefertigten Teile ineinander schieben soll. Die Vorbereitungen für diesen Tag laufen bereits seit über einem Monat. „Vor vier Wochen haben wir die alte Brücke abgebrochen", berichtet Markus Freesel, Bauleiter bei der Firma Eurovia, die mit dem Bau der Brücke beauftragt wurde. Dazu musste der Hasselbach vor Ort umgeleitet werden. Eine Pumpe senkte das Grundwasser jeden Tag um rund fünf Zentimeter ab. „Um bauen zu können, brauchen wir einen trockenen Untergrund", so Freesel. Doch das Abpumpen klappte nicht ohne Pannen. Einmal sorgte Starkregen für eine Überflutung der Baugrube. Für die zweite Störung sind wohl Diebe verantwortlich. Sie klauten das 250 Meter lange Stromkabel, welches zur Pumpe führte. Über Nacht lief die Grube wieder voll. Trotz aller Verzögerungen liegt der Bau im Zeitplan. Um Diebstähle zu verhindern, gibt es einen regen Kontakt zu den Anwohnern, die aufgerufen sind, verdächtigen Personen der Polizei zu melden. Auch wenn das Abpumpen dadurch drei bis vier Tage länger gedauert hat, sind inzwischen alle Vorbereitungen abgeschlossen. Auf die anschließend aufgebrachte Fließbetonschicht wurden nun die 3,60 Meter langen, 2 Meter breiten und 1,25 Meter tiefen Stücke aufgesetzt und zusammen geschoben. Insgesamt besteht die Brücke aus sechs Fertigteilen, die ineinandergesteckt werden – vergleichbar mit Legobausteinen. Das neue Bauwerk ist größer als das vorherige. Das Flussbett des Hasselbaches ist mit 3,60 Meter nun deutlich breiter – außerdem gibt es an den Uferkanten für Amphibien die Möglichkeit, im Trockenen zu sitzen und umher zu laufen. Die neue Breite ist außerdem aktiver Hochwasserschutz. „Damit kann sich das Wasser nicht so schnell anstauen", erklärt Martin Pollmeier, der beim Kreis Gütersloh für den Brückenbau verantwortlich ist. Wenn das Wetter hält, kann am 24. September mit dem Asphaltieren begonnen werden, so der Bauleiter. Für die zwei Schichten sind weitere sechs Tage geplant – danach werden die Zufahrten gebaut. Im Idealfall ist die Brücke Mitte Oktober befahrbar. Heute werden die Fertigbauteile für die Brücke über die Dalke, die nur knapp 400 Meter entfernt von der über den Hasselbach liegt, geliefert und verbaut. Durchgeführt werden die Arbeiten im Auftrag des Kreises Gütersloh. „Wir planen die Bauwerke und schreiben sie als Ganzes aus. Damit liegt alles in einer Hand", erklärt Martin Pollmeier. Auf dem letzten Fertigteilstück ist bei beiden Brücken deutlich das Baujahr ablesbar. „Dies ist wichtig für die Pflege der Bauwerke", so Pollmeier. Von vielen älteren Brücken im Kreis Gütersloh sei kein Baujahr bekannt. Der Kreis ist für die Unterhaltung und Pflege der Brücken verantwortlich. Neben der jährlichen Sicht- und Begehungsprüfung ist alle drei Jahre eine Zwischenprüfung und alle sechs Jahre eine Hauptprüfung vorgeschrieben. Bei Letzterem wird jeder Zentimeter auf sichtbare Risse untersucht und kontrolliert. Abgesplitterter Beton, der die Eisenkonstruktion freilegt, ist gefährlich und kann im schlimmsten Fall zum Einsturz führen, weil es durch den Flusslauf und die Luft schnell zu Rosterscheinungen kommt. Alle Informationen zu Bau und Unterhalt fließen in ein sogenanntes Brückenbuch ein. Hier steht beispielsweise geschrieben, welcher Schotter verwendet wurde und welche Abdichtungen eingebaut sind. Inzwischen wird dieses Brückenbuch auch digital gespeichert. Die Lebensdauer der beiden jetzt entstandenen Brücken schätzt Martin Pollmeier auf etwa 80 Jahre.

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