Der Wilde Westen: Die Cowboys schenken sich Whiskey ein. - © Svenja Beierlipp
Der Wilde Westen: Die Cowboys schenken sich Whiskey ein. | © Svenja Beierlipp

Verl Heiratsantrag wird zum romantischen Highlight beim Truck Treff in Kaunitz

Der Nieselregen sorgt für ein authentisches Fest

Svenja Beierlipp

Verl-Kaunitz. Gunter Gabriel hat einst gesungen "Wenn ich nur ein Trucker wär", ein Wunsch den viele insgeheim hegen. Zumindest, wenn wieder das alljährliche Country und Trucker Fest vom Western Store Niebel in Kaunitz ansteht. Mit den gigantischen Trucks und ihren kunstvoll bemalten Karosserien kommt in so manchem ein fast vergessener Kindheitswunsch wieder hoch. Immer wieder lassen die Fahrer ihre Motoren aufheulen, um den Zuschauern zu imponieren. Die Nummern in den Fenstern der riesigen Trucks sind für die spätere Prämierung wichtig. Wer hat den imposantesten Truck? Wer kann die Jury von sich überzeugen? Trotz des anhaltenden Regens führen die Schausteller der "Old Melle Trading Company", die alljährliche "Wild West" Show auf. Selbst die Rodeo-Reiter lassen sich nichts anmerken, der Matsch spritzt nur so zu allen Seiten, doch auf eine seltsame Art und Weise macht das schlechte Wetter das Fest so authentisch. "Billy the Kid hätte schließlich auch weitergemacht", argumentiert ein Revolverheld mit gespielt böser Miene. Ganz klar, die Schausteller gehen in ihrer Rolle auf, Besucher und Schausteller sind nicht auseinander zu halten, zu gut sind die Kostüme. Einziger Unterschied zu dem "echten" Wilden Westen ist wahrscheinlich nur die Kameradschaft untereinander. Als ein Indianer seinen Adlertanz aufführt, sind viele "Soldaten" ehrfürchtig und verfolgen den Tanz klatschend. Für die meisten ist dieses Spektakel bekannt, Geschäftsführer Thorsten Niebel zählt auf seine treuen Fans. Seiner Meinung nach hat sich das Fest allerdings verändert, nicht unbedingt zum Negativen. "Wir haben jetzt eine neue Generation, die natürlich auch wichtig ist für so ein Fest", sagt er. Zu dieser jungen Generation zählt auch der 16-jährige Jahja. Mit großen Augen verfolgt er die Rodeo-Show, um seinen Hals baumelt ein schwarzer Cowboy Hut. Noch nie habe er so etwas gesehen, erzählt der gebürtige Afghane aufgeregt. Seit einem Jahr ist er nun in Deutschland und freue sich schon lange auf das Fest. "Als ich ihm davon erzählt habe, hat er jeden Tag gefragt, wie lange es noch dauert bis zum Truckfest", erzählt sein Gastvater Burkhard Haake, der schon seit Ewigkeiten ein treuer Fan ist. "Alle haben soviel Spaß und sind toll verkleidet", freut sich Jahja. Deshalb hat er sich auch die Cowboy-Klamotten von seinem Gastvater geliehen, jetzt fühle er sich auch wie einer und zeigt stolz seine frisch ergatterte Gürtelschnalle, die einen großen Adler ziert. Ganz klar - das Cowboy Fieber hat auch ihn erwischt. Highlight ist die Band Truck Stop, die auch dieses Jahr wieder für gute Stimmung sorgt. Einen romantischen Moment gab es diesmal, als ein junger Mitarbeiter von Niebel vor dem Bandauftritt seiner Freundin auf der Bühne einen Heiratsantrag macht. Das ein oder andere Tränchen lief dann auch - nach dem Ja-Wort - bei dem härtesten Cowboy. Am Sonntag ließ sich die Sonne doch noch überreden, ein paar Strahlen abzugeben. Vielleicht lag es auch an dem Trucker-Gottestdienst, der zu Ehren von Gunter Gabriel gehalten wurde. Der Tod des Sängers war für die Country Szene ein Schock, auch er war öfter in Kaunitz und sang für das Truck-Fest. Abschließend konnte die Glam Rock Band Mayor Healey ihren Mix aus 70er Jahre Rock, Country und guter Laune zum Besten geben, ein krönender Abschluss. Jahja und die anderen Truck, Country und Western Fans freuen sich schon wieder aufs nächste Jahr.

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