Sein Revier: Auf den Feldern und Wiesen in Isselhorst streift der heute stattliche Leo gern herum. - © Natalie Gottwald
Sein Revier: Auf den Feldern und Wiesen in Isselhorst streift der heute stattliche Leo gern herum. | © Natalie Gottwald

Verl Ausgesetzt in verschnürter Plastiktüte: So geht es dem Kater heute

Heute heißt der rote Tiger Leo und es geht ihm ausgezeichnet

Natalie Gottwald

Verl. Der Start ins Leben des kleinen Katers war für ihn ein wahrer Kampf: Im August 2015 wurde er im Alter von knapp sechs Wochen gefunden. Ausgesetzt in einer fest verschnürten Plastiktüte mit der makaberen Werbe-Aufschrift "Wir retten Leben" - eine Tasche von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Halb erstickt wurde der kleine Kater damals bei Elke Schierl vom Verein "Tiere in Not" im Verler Fundhaus für Katzen abgegeben. Die rief bei der Neuen Westfälischen an, nicht zuletzt, weil sie auf die Grausamkeit der Menschen, die dem kleinen Tier das angetan hatten, aufmerksam machen wollte. Aber auch, weil sie ein neues Zuhause für den Kater finden wollte. "Der Kleine hat wahren Lebenswillen bewiesen", sagte Schierl damals. "Es ist ein Wunder, dass er das überhaupt überlebt hat. Deshalb hat er von mir den Namen Phönix bekommen." Auf die Fotos des struppigen Phönix in der NW, der nicht viel mehr war als ein kleines Häufchen Elend, wurde die Familie Falkenreck aus Gütersloh-Isselhorst aufmerksam, die auch gerade keine einfache Zeit durchlebte. "Wir hatten eine knappe Woche zuvor unseren Kater Jerry durch einen Unfall im Kippfenster verloren und waren alle sehr traurig", erzählt Christa Falkenreck. Zusammen mit seinem Bruder, Kater Tom, hatte Jerry bei den Falkenrecks gelebt und war vor allem für Sohn Robin ein echter Freund gewesen. "Als ich den kleinen Phönix in der NW gesehen habe, der genau wie unser Jerry ein roter Tiger war, habe ich trotz der großen Trauer den Familienrat einberufen", erzählt Christa Falkenreck. Zu fünft machte sich danach die ganze Familie kurzerhand auf den Weg nach Verl, um Phönix kennen zu lernen. "Wir wussten alle nicht genau, ob unsere Trauer vielleicht noch zu frisch sein würde für einen neuen Kater", sagt Falkenreck. Doch schnell fiel die Entscheidung, als Phönix bereits nach kurzer Zeit Sohn Robin über den Arm auf die Schulter kletterte und sich dann in der Kapuze seines Pullis zusammenrollte. Schon auf der Rückfahrt fiel die Entscheidung: Phönix sollte jetzt Leo heißen, und die Familie - insbesondere Robin - hatte den Kleinen ins Herz geschlossen. Die ersten Wochen und Monate waren nicht einfach, erinnert sich Christa Falkenreck. Kater Leo war traumatisiert, Kater Tom wollte ihn zunächst nicht akzeptieren. "Aber nach und nach haben wir uns alle zusammen gerauft." Als die NW Gütersloh jetzt zum internationalen Katzentag dazu aufrief, Bilder von Samtpfoten aus dem Kreis einzusenden, waren auch süße Aufnahmen von Leo dabei - und die Erklärung, dass der heute stattliche Kater schon einmal in der NW war: als Phönix. Und von dem kleinen Häuflein Elend von damals ist nichts mehr übrig. Leo geht es gut. Er hat mit seiner Familie einen Volltreffer gelandet. "Er liebt es, hier über die Felder und Wiesen zu streifen, auf Bäume zu klettern, ist aber auch verschmust und anhänglich und kommt sofort, wenn man ihn ruft", erzählt Christa Falkenreck. Auch mit Kater Tom hat der kleine Kämpfer mittlerweile eine Ebene des respektvollen Umgangs gefunden. "Leo ist und bleibt aber ein besonderer Kater", sagt Falkenreck. "Man spürt heute noch, dass er ein starkes Sicherheitsbedürfnis hat, dass er immer guckt, ob jemand von uns in der Nähe ist." Wenn er sich sicher fühle, spiele und tobe er besonders gern - am liebsten mit Sohn Robin. "Die beiden haben so ein besonders Spiel", erklärt Christa Falkenreck. "Robin streckt in einem guten Meter Höhe den Arm nach vorne, und sofort springt Leo da hoch. Das sieht wirklich witzig aus und bringt uns alle zum Lachen." Seiner Familie Freude machen - das kann Leo am besten. Und Robin Falkenreck hat dafür natürlich auch eine ganz liebevolle Erklärung: "Unser Leo ist ein besonderer Kater - eben der Kater aus der Tüte."

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