Kranzniederlegung: Der Auftakt zum Schützenfest. - © Andreas Eickhoff
Kranzniederlegung: Der Auftakt zum Schützenfest. | © Andreas Eickhoff

Verl Chef der Kaunitzer Schützen schlägt politische Töne an

Auftakt des Schützenfestes: Der Brudermeister Peter Lichtenauer ging in seiner Rede auf gesellschaftliche Entwicklungen ein und appellierte an den Gemeinschaftsgeist

Andreas Eickhoff

Verl-Kaunitz. Die Rede, die am Samstagabend Brudermeister Peter Lichtenauer zum Auftakt des Kaunitzer Schützenfestes hielt, hätten vielleicht besser nicht nur die Kaunitzer Bürger und ihre Gäste gehört, sondern auch so manche Staatslenker. „Wir haben geträumt vom Miteinander, der Gemeinschaft – grenzüberschreitend", begann der Brudermeister seine Rede und fügte hinzu: „Wir haben immer gedacht, wir hier in Deutschland, in Europa, sind sicher vor Krieg, Terror, Verfolgung, Flucht und Vertreibung." Doch um uns herum, so Lichtenauer weiter, ist Unfriede. Machtkämpfe in der direkten Nachbarschaft seien an der Tagesordnung. Einfluss- und Machtbestrebungen einzelner Politiker führten zu Zerrüttungen, zu Ablehnung und neuerlichem Fremdenhass, resümierte er die wenig beruhigende Situation. Alte Wunden würden mit Absicht wieder aufgerissen, um populistischen Strömungen neue Nahrung zu geben, erläuterte der Schützenchef bei seiner Rede vor der Kirche und stellte fest: „Das Schlimmste ist: ganz viele laufen diesen Ewig-Gestrigen hinterher." Doch Lichtenauer ging auch auf Spurensuche, woran die Einheit Europas zerbröckele: „An den Kriegen in Afghanistan und Syrien, am Terror in Afrika und dem Nahen Osten mit IS und Boko Haram beispielsweise?" Und er stellte fest: „Europa liefert die Waffen dazu." Der Brexit sei nicht unerwartet gekommen, so der Brudermeister und fügte an: „Große Stücke der Torte nehmen? Gerne. Zutaten liefern? Nein Danke." Und auch an fehlender Ehrlichkeit mangele es vielen Staaten im Mittelmeerraum, die durch Korruption und Vetternwirtschaft das System Europa ins Wanken gebracht hätten, so Lichtenauer. Und der Brudermeister schloss mit den Worten: „Es bröckelt, dieses Europa, aber um in Frieden und Freiheit zu leben, brauchen wir es. – Nur gemeinsam sind wir stark." Zum Auftakt des dreitägigen Festes hatten sich die Schützen zunächst nach dem Gottesdienst zum Antreten versammelt, ehe der Verstorbenen des vergangenen Jahres sowie der Kriege gedacht wurde. Zu deren Ehren spielten der Musikverein Verl und das Schützen Tambour Corps Hövelriege den Großen Zapfenstreich. Nach dem ersten Marsch zum Festplatz, an dem auch die Throngesellschaften aus Liemke und Steinhorst teilnahmen, eröffneten das Königspaar Ulrich und Elke Bokel sowie die Jungschützen-Regenten Marcel Krogmeier und Stefanie Westermeier den ersten Festball. Am heutigen Montag wird ab 11.30 Uhr ein neuer Regent gesucht, der das beliebte Königspaar Ulrich und Elke Bokel ablöst.

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