Verl Verler ist zweitbester Meister aus ganz NRW

Fünf Tage Prüfungsstress und diverse Herausforderungen

Franz Purucker

Verl. Ein Dutzend Mitarbeiter, mehrere hundert Meter Kabel und ein Kunde, der bis Weihnachten einziehen will - für alles das trägt Elektriker Mirko Volgmann die Verantwortung. Seit dem 25. Mai darf sich der 29-Jährige Meister nennen. Weil er die zweitbeste Prüfung unter mehr als 200 Meistern in ganz Nordrhein-Westfalen abgelegt hat, zeichnete ihn die Handwerkskammer OWL jetzt sogar aus. Trotz schulischer Vollzeitausbildung jobbte Mirko Volgmann weiter am Wochenende in seinem Beruf. "Ich habe nebenher nach wie vor bei Beckhoff gearbeitet." In dem Verler Betrieb begann Volgmann 2003 seine Ausbildung zum Elektriker-Gesellen. "Eigentlich wollte ich zur Berufsfeuerwehr, aber Elektrik hat mich dann irgendwie überzeugt." Nach der Lehre strebte er zunächst eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Elektrotechniker an. Sein Chef riet ihm aber zur Meisterausbildung. Reizvoll seien besonders die Vielseitigkeit und die Herausforderungen des Berufs. Auf der aktuellen Baustelle in Herzebrock muss beispielsweise ein zweiter Stromkreis nach US-amerikanischen Spannungsrichtlinien gebaut werden. Das Unternehmen, für das Beckhoff dort arbeitet, exportiert nach Übersee und will seine Produkte vorab in einem Labor auf die niedrigere Spannung testen. Aber selbst mit Designerlampen, digitalen Vernetzungen und komplizierten Schaltsystemen kennt sich der frisch gebackene Meister inzwischen aus. Das Berufsbild des Elektriker besteht heute nicht nur aus dem Verlegen von Kabeln und Steckdosen, wie die Prüfungsaufgaben zeigen: An den ersten beiden Tagen musste die Elektrik für ein Gebäude virtuell am PC geplant werden - von Beleuchtung, über Telefonanlage und Brandmeldesystem bis hin zu Notlicht und Kabelwegen. Am dritten Tag sollte der Prüfling eine Schweißplatzabsaugung bauen, die automatisch entscheidet, ob sie schnell oder langsam läuft. Am vierten Tag erwartete Volgmann eine Messwand, an der Fehler wie etwa Kurzschlüsse gefunden werden mussten, und die Programmierung einer Telefonanlage. Abschluss des praktischen Prüfungsteils war am fünften Tag ein Prüfungsgespräch, bei dem die Pläne der ersten beiden Tage verteidigt wurden. Die Prüfer spielen dabei einen Kunden, der von einem Angebot überzeugt werden muss. Bei Letzterem war Mirko Volgmann am meisten aufgeregt, aber auch diesen Teil meisterte er letztlich mit Bravour. Mit der Gesamtnote zwei schloss Volgmann die Meisterprüfung ab. "Obermonteur auf Großbaustellen zu sein, hat aber auch Nachteile" Den Schritt in die Selbstständigkeit kann sich der junge Fachmann aber nicht vorstellen. Lieber will er sich in der Zukunft in Richtung Planung und Projektierung spezialisieren - quasi wie heute bereits, aber im Büro. Obermonteur auf Großbaustellen zu sein, "hat aber auch Nachteile", so der junge Spezialist. "Ich bin der letzte, der geht. Wenn irgendwas nicht funktioniert oder länger dauert, kommt der Architekt oder Baustellenleiter natürlich auf mich zu." Auf der aktuellen Baustelle beispielsweise muss sein Team noch auf die Fertigstellung anderer Gewerke warten, um mit den Elektroinstallationen fortfahren zu können und dem Kunde den Einzug vor Weihnachten zu gewährleisten. Mirko Volgmann ist verheiratet, noch kinderlos und engagiert sich in seiner Freizeit als Jungschützenmeister bei der St.-Georg-Schützenbruderschaft Sürenheide.

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