Belustigt: "Und die Kühe laufen jeden Tag freiwillig in diese Melkmaschine? Was, wenn eine Kuh mal keine Lust hat, gemolken zu werden und morgens länger schlafen will?", wundert sich Bischof Martin Mtumbuka aus der Diözese Karonga in Malawi. - © Svenja Beierlipp
Belustigt: "Und die Kühe laufen jeden Tag freiwillig in diese Melkmaschine? Was, wenn eine Kuh mal keine Lust hat, gemolken zu werden und morgens länger schlafen will?", wundert sich Bischof Martin Mtumbuka aus der Diözese Karonga in Malawi. | © Svenja Beierlipp

Verl Kaunitzer Kühe begeistern Bischof aus Malawi

Bei ihrer Rundreise haben zwei Bischöfe aus Malawi unter anderem den Rinderhof von Josef Dresselhaus in Kaunitz besichtigt

Svenja Beierlipp

Verl-Kaunitz. Um die 140 Kühe hat Landwirt Josef Dresselhaus in seinem Stall, jede Kuh gibt circa drei Liter Milch am Tag. Unter deutschen Bauern ist das nichts Außergewöhnliches, für den Bischof Martin Mtumbuka ist allein die Anzahl der Kühe beeindruckend. Wer nur eine Kuh besitzt, zählt in Malawi, einem der ärmsten Ländern der Welt, zu den Reichen. Ein so großer Betrieb wie in Deutschland lässt ihn staunen, gleichzeitig ist der Bischof Feuer und Flamme bei der kleinen Führung am Sonntag über den modernen Hof von Josef Dresselhaus. Auch sein Begleiter, der gebürtige Ire John Ryan, der im August zum Bischof geweiht wurde, ist erstaunt über die automatischen Melkmaschinen. Gespannt beobachtet die kleine Gruppe, wie die Kuh "Vivianne" in die Maschine trabt und sich in Ruhe melken lässt. Dabei spickt sie immer mal wieder unter dem Gatter hervor um die Gruppe neugierig zu begutachten. "Meine Kühe lernen, von alleine in diese Maschine zu steigen", sagt Dresselhaus stolz. Nicht umsonst habe jede Kuh ihren eigenen Namen, eine respektvolle Behandlung der Tiere habe oberste Priorität, so der Landwirt. Unterhalten wird sich auf Englisch. Kein Problem durch Dolmetscher Pater Pehl, der die beiden Bischöfe gut kennt. Denn sie haben zahlreiche Fragen, beide sind überwältigt von den vielen Tieren, wollen wissen, wie oft die Kühe gemolken werden oder was verschiedene Zeichen an der Melkmaschine bedeuten. Die Unterstützung in Malawi soll in erster Linie ermutigen In Kaunitz sind die beiden Bischöfe nicht zufällig zu Gast. Sie verbinden mit den Verler Höfen eine große Begeisterung zu den landwirtschaftlichen Arbeiten der deutschen Bauern und schon bei Mtumbukas letztem Besuch im Oktober vor einem Jahr, hatte es ihm der Kaunitzer Hof besonders angetan. Unterstützt wurden die beiden Bischöfe durch das "Malawi Projekt" des Eine-Welt-Teams und der Jugendkirche Kaunitz. Seit 2013 unterstützt die Organisation mittlerweile 30 Mädchen und Jungen an diversen Schulen, zum Teil mit gespendeten Laptops und Schulgeldern. Aber auch der Landwirtschaft vor Ort wird geholfen, zum Beispiel mit Saatgut und bei der Pflanzung von Bäumen. Dabei gebe man besonders Acht darauf, auf Augenhöhe mit den Afrikanern zu sein. "Jeder Weißhäutige ist grundsätzlich reich in Malawi", sagt Maasjost. Das finde sie schrecklich und versuche dieses allgemeine Bild zu ändern, denn ihre Unterstützung solle ermutigen, nicht erniedrigen. Außerdem werde die Arbeit nicht abgenommen, sondern nur erleichtert. "Das Saatgut muss selber angepflanzt werden, wir nehmen den Bauern nicht die Arbeit ab, sondern geben nur den nötigen Antrieb. Maasjost selbst war schon oft nach Malawi gereist, um sich ein Bild von den Zuständen dort zu machen. Die Auswirkung des Klimaphänomens "El Nino", hat Spuren in vielen afrikanischen Staaten hinterlassen, Ernten zerstört und für Hungersnot gesorgt. Fingerspitzengefühl war ihr da auch beim aktuellen Besuch besonders wichtig. "Natürlich ist es auch mit gewissen Bedenken verbunden, den beiden Bischöfen die Rinderzucht zu zeigen", bemerkt Maasjost. Schließlich würden die Kühe hier mit Mais gefüttert, welches in Malawi als wichtigstes Nahrungsmittel für die Menschen gilt und deshalb niemals den Tieren gegeben werden würde, fügt sie hinzu. Doch Mtumbuka hat den Wunsch geäußert, die Höfe zu besuchen und auch die anschließende Besichtigung von Andreas Westermeyers Schweinehaltung war sehr wichtig für die beiden Bischöfe. "Sie nehmen bei diesen Rundgängen auch Einiges mit und sammeln Anregungen für ihre Agrarwirtschaft, daheim in Afrika."

realisiert durch evolver group