Fällt auf: Eugen Fincke aus Rietberg mit seinem leuchtendroten Engländer Morgen Plus 8. - © Karin Prignitz
Fällt auf: Eugen Fincke aus Rietberg mit seinem leuchtendroten Engländer Morgen Plus 8. | © Karin Prignitz

Verl Oldtimer rollen bei der ADAC-Westfalen-Lippe-Fahrt Klassik durch Verl

Start- und Endpunkt der Rallye ist in Bielefeld

Karin Prignitz

Verl. Blank polierter Lack und blitzendes Chrom, in dem sich die Sonne spiegelt, edle Hölzer und feines Leder, dieses Zusammenspiel ist für Oldtimer-Fans ein Hochgenuss. "Immer wieder ein Highlight", schwärmt Dieter Schrautemeier und hält Ausschau nach den besonders alten Schätzchen, die sich unter die "Youngtimer" mischen. "Der Reiz", sagt 75-Jährige, sei die alte Technik, die unverwechselbare Optik. Kaum hat er es ausgesprochen, biegt ein Borgward Isabella Coupé Cabrio, Baujahr 1958, um die Ecke und Dieter Schrautemeier, der weiß sofort, was er von ihm zu halten hat. "Das ist ein ganz Schicker, Seltener, davon gibt es nicht mehr viele." 92 der 97 gemeldeten Oldtimer mit einem Mindestalter von 25 Jahren sind am Morgen in Bielefeld zur 78. ADAC Westfalen-Lippe-Fahrt "Klassik" gestartet. Die einen dröhnen laut und protzig, die nächsten brummen vornehm und wieder andere Kultfahrzeuge schwirren geradezu durch die Landschaft. Auch Verler Oldtimerfans sind dabei Ein großer Teil der Strecke führt diesmal durch Verl und seine Ortsteile Bornholte, Österwiehe und Sürenheide. Blühende Rapsfelder und Obstbäume, frisch bestellte Äcker, diese idyllische Kulisse bietet sich Fahrern und den vereinzelt an der Strecke stehenden Zuschauern. Die Startnummer 93 gehört Yvonne Nieweg und ihrem Vater Ulli aus Verl, der mit Beifahrer Lothar Bökamp aus Schloß Holte-Stukenbrock bereits dreimal Gesamtsieger der sportlichen Rallye gewesen ist. Mit seiner Tochter belegt er diesmal bei der Wertung "Touristische Ausfahrt" den vierten Platz. Nicht zu übersehen ist der quietschgrüne Porsche Targa von 1972. Nieweg lobt vor allem die solide Technik. Mit Michael und Kristof Berenbrinker, die einen Rover Mini Cooper MK II, Baujahr 1990 fahren, sowie Richard und Melanie Smith (VW Golf I Cabrio von 1989), die am Ende Siebte bei der touristischen Oldtimerfahrt werden, haben sich zwei weitere Verler Starter unter das Feld gemischt. Zur Mittagsrast kehren sämtliche Oldtimer auf dem Gelände des Schröder-Teams an der Nickelstraße ein. Die Vorzüge und Besonderheiten jedes einzelnen werden dort gepriesen, ehe es erneut auf die Straße geht. Auch Wolfgang Platena, sein Sohn und die Enkel sind dabei. Mit einem Ford Taunus 12 M von 1965. "Weil die Enkel schon als ganz kleine Kinder Feuer und Flamme für das Auto waren, hege und pflege ich es weiter", erzählt der 79-Jährige. Früher einmal sei der Taunus ein "Lastenesel" gewesen, der seinem Vater gehörte. Dass Oldtimer von Generation zu Generation weitergegeben werden, komme immer wieder vor, berichtet Pressesprecher Ralf Collatz. Andere hätten mehrere Oldtimer. "In der Szene ist alles vertreten." Und die wachse weiter. "Aktuelle Zahlen sprechen von 470.000 Oldtimern in Deutschland." Collatz glaubt, dass dieser Anstieg mit dem Retrotrend zu tun hat. "Heute sehen alle Autos nahezu gleich aus, sind kaum noch auseinanderzuhalten." Ganz anders sei das bei den Oldtimern. Eugen Fincke aus Rietberg nimmt zwar nicht an der Rallye teil, kommt aber dennoch mit seinem leuchtendroten Morgan Plus 8, einem 30 Jahre alten Engländer, vorgefahren. "Von Ungarn bis Norwegen ist er schon überall gewesen." Das Tachometer zeigt 250.000 Kilometer, "und wo immer wir sind", sagt Fincke, "kommen wir mit freundlichen Leuten ins Gespräch."

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