Verl Evangelische Pfarrer wollen sich mit Verlern in Kneipen unterhalten

Projekt: Glaubensfragen, Kirchenkritik oder auch aktuelle Gesellschaftsthemen können bei einem Getränk in Kneipen und Cafés mit den beiden Pastoren der evangelischen Kirchengemeinde Verl besprochen werden. Die ersten beiden Orte und Termine stehen bereits fest

Natalie Gottwald

Verl. Aus der Kirche raus gehen, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die keine Gottesdienste besuchen - das ist das Ziel des Projektes "Klartext - mit Kirche im Gespräch", das die beiden evangelischen Pastoren Christoph Freimuth und Jens Hoffmann aus Verl jetzt starten. "Das Ziel ist nicht, jemanden zu missionieren oder dazu zu bewegen, in die Kirche zu gehen", macht Freimuth klar. Schließlich habe man gute Kirchenbesuchszahlen und müsse deshalb in Verl keine Strukturdebatte führen. Die Zahl von rund 4.900 Mitgliedern der evangelischen Kirchengemeinde - das sind knapp 20 Prozent der Bevölkerung - sei seit Jahren stabil. "Wir wollen stattdessen mit dem Klartext-Projekt ein niederschwelliges Angebot schaffen, um über Lebensthemen zu sprechen, über Dinge, die die Menschen beschäftigen. Und das nicht im Kirchen-Jargon." Die ersten beiden Orte und Termine, an denen Freimuth und Hoffmann Klartext reden wollen, stehen bereits fest: am Dienstag, 17. April, bei Kampwirth, Hauptstraße 10, und am Dienstag, 12. Juni, im Haus Ohlmeyer, Brummelweg 125 - jeweils um 19.30 Uhr. Welche Themen dort besprochen werden, kann Freimuth nur mutmaßen. "Wir bereiten uns nicht auf die Gespräche vor, sondern gucken einfach, was kommt", sagt er. Doch aus Elterngesprächen vor Taufen und Konfirmationen weiß der 50-Jährige, welche Themen die Menschen meist beschäftigen: "Viele finden einfach keine Zeit mehr, um bei sich selbst zu sein. Stress, Leistungsdruck und ständige Ablenkungen machen das "Zur Ruhe kommen? in der heutigen Zeit schwer. Und darunter leiden viele Menschen", sagt Freimuth, dass Kirchen hier Räume bieten können. Wichtig sei vor allem, dass Menschen wieder lernten, über ihre Gefühlswelten zu sprechen. "Das braucht Zeit und einen geeigneten Rahmen", so Freimuth, der bereits seit 16 Jahren Pastor in Verl ist. Sein Kollege Jens Hoffmann kam im vergangenen Jahr in die Ölbachstadt. Das Projekt "Klartext" ist übrigens nur einer unter mehreren Bausteinen, die sich Freimuth und Hoffmann überlegt haben, um neue Wege außerhalb der Kirche zu beschreiten. "Jesus ist schließlich auch zu den Menschen gegangen", sagen sie. Deshalb wird es am 24. Juni auch eine ganz besondere Taufzeremonie geben. Im Verler Freibad. Wer sich von den beiden Seelsorgern dann im Talar ins Wasser stelle, sei allerdings noch nicht klar, sagt Freimuth schmunzelnd. Weiterhin sind Themengottesdienste - zum Beispiel am 29. April zum Thema "Übergang in den Ruhestand" geplant. Am Valentinstag hat es bereits einen Gottesdienst mit der Möglichkeit für Paare gegeben, sich segnen zu lassen. "Das Interesse war sehr groß", so Freimuth.

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