Elferrat: Der besteht diesmal wieder nur aus Männern. Hinter der mit bunten Ballonen geschmückten Umrandung haben Sitzungspräsident Raimund Diermann und seine Mitstreiter unter dem Herz von Deutschland Platz genommen. Mit dabei sind diesmal Jens Niederschulte (l.), Pfarrer Karl-Josef Auris (3. v. r.) und Konny Wagner (2. v. r.). - © Karin Prignitz
Elferrat: Der besteht diesmal wieder nur aus Männern. Hinter der mit bunten Ballonen geschmückten Umrandung haben Sitzungspräsident Raimund Diermann und seine Mitstreiter unter dem Herz von Deutschland Platz genommen. Mit dabei sind diesmal Jens Niederschulte (l.), Pfarrer Karl-Josef Auris (3. v. r.) und Konny Wagner (2. v. r.). | © Karin Prignitz

Verl Karneval in Verler Schützenhalle

Alle unter einem Hut: Karnevalsvereinigung präsentiert ein jeckes Programm voller Höhepunkte. Erstmals dabei sind die "Sunshine Girls" und HW Budde

Karin Prignitz

Verl. In den Karnevalshochburgen erlebt die fünfte Jahreszeit heute ihren Höhepunkt. Phantasievoll verkleidete Jecken prägen das Straßenbild am Rosenmontag in Köln, Düsseldorf und Mainz. In Verl ist das Stimmungsbarometer bereits am Samstagabend mit närrischer Wucht und etlichen Raketen in die Höhe geschnellt. Dem Vorbereitungsteam der Karnevalsvereinigung "Alle unter einem Hut" (Kolpingsfamilie Verl, St. Hubertus-Schützengilde und SC Verl) war es auch bei der 48. Ausgabe gelungen, für die diesmal 250 Besucher ein Programm mit vielen Höhepunkten zusammenzustellen. In Erinnerung bleiben dürfte wohl insbesondere der aufreizende Handtuchtanz von Martin Schnatmann und Wolfgang Peine beim Abschiedsauftritt der "Vatties and Friends". Da konnte sogar Dieter Bohlen nicht umhin, für diese "Supertalente" die Karte mit dem zustimmenden grünen Pfeil zu zücken. Erna Peitz berichtet vom Ball der einsamen Herzschrittmacher Zu den Höhepunkten des Abends zählte auch der Auftritt von "Rot-Weiß-Ungelenk" aus Wiedenbrück. Nach ihrem sensationellen Männerballett zum Village-People-Klassiker "In The Navy" ließen die sonnenbebrillten Akteure sich selbst und das vollends begeisterte Publikum schließlich auch noch über den Wolken schweben. Das war auf jeden Fall eine Rakete wert. Gleich zu Beginn waren die Turmfalken aus Rietberg in ihren neuen Kostümen durch die Besucherränge Richtung Bühne gezogen. "Sie gehören einfach dazu", rief Sitzungspräsident Raimund Diermann. Im Elferrat hatte er diesmal wieder ausschließlich Männer neben sich sitzen. Unter ihnen fanden sich Pfarrer Karl-Josef Auris, der Vorsitzende der Verler Werbegemeinschaft, Jens Niederschulte, und Konny Wagner, der schon vor 40 Jahren dort oben gesessen hatte. Sie alle begrüßten "Erna aus Verl" alias Erika Peitz mit Kittel, Latschen und Hut, die in ihrer Büttenrede von guten Vorsätzen, vom Ball der einsamen Herzschrittmacher und vom "Speck-takulären" Gang aus der Umkleidekabine erzählte. Für gute Laune sorgte -trotz technischer Probleme- auch die Messdiener-Leiterrunde ("Schwer genug, in Kaunitz einen Mann zu finden, mit dem man nicht verwandt ist"). Noch bevor die "Sunshine Girls" aus Steinhorst mit ihrem ersten Auftritt bei "Alle unter einem Hut" einen Hauch von "Bollywood" in die Schützenhalle zauberten, hatte "Casting Coach HW" es geschafft, die Bühne mit tanzenden Jecken zu füllen. Seine Stimmungslieder, denen er Lokalkolorit verpasste, gingen ins Ohr und von dort offensichtlich direkt in die Beine. Dass Hans-Werner Budde im Berufsleben bei der Stadt die Fachbereichsleitung der Bauaufsicht inne hat, sei nur am Rande erwähnt. Je später der Abend, desto ausgelassener die Stimmung. Zu der trug auch der Musikverein Verl, der die Veranstaltung auf der Bühne begleitete, bei. Arme wurden in den Himmel gereckt, es wurde geschunkelt, gesungen und mit einer Polonaise fröhlich durch den Saal getanzt. Mit dem Karnevalsorden wurde diesmal André Großeschallau, der maßgeblich am Bühnenaufbau beteiligt war, ausgezeichnet. Seine Vorgänger Simon Rieckhaus und Tobias Lükewille, besser bekannt als Team Sende, nahmen wie immer das aktuelle städtische und politische Geschehen im Zwiegespräch aufs Korn, das diesmal unter anderem um den Lärmschutz am Fußballplatz und die zu spät am Abend eingesetzte Weihnachtsbeleuchtung kreiste. Ob es an ihnen liegt, dass die Karnevals-Besucherzahlen kontinuierlich schrumpfen, da konnten die beiden nur mutmaßen. Nicht entgangen war dem Duo hingegen, dass Bürgermeister Michael Esken mit rotem Piratentuch um den Kopf neben Geburtstagskind Matthias Humpert saß. "Wohl der letzte Rest von Martin Schulz", vermutete das Team Sende mit Blick auf die Bundes-SPD. Und eine Pfeilspitze auf die Kaunitzer Nachbarn durfte auch nicht fehlen. "Was ist ein Kaunitzer auf dem Mond? Ein Rätsel. Was sind alle Kaunitzer auf dem Mond? Die Lösung!"

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