Nachfolger: Friedhelm Meier-to-Krax (l.) hat sein Juweliergeschäft an der Paderborner Straße im Oktober 2015 an seine einstige Angestellte, Goldschmiedin Daniela Heilmann, und ihren Mann Mirko Heilmann übergeben. - © Karin Prignitz
Nachfolger: Friedhelm Meier-to-Krax (l.) hat sein Juweliergeschäft an der Paderborner Straße im Oktober 2015 an seine einstige Angestellte, Goldschmiedin Daniela Heilmann, und ihren Mann Mirko Heilmann übergeben. | © Karin Prignitz

Verl Frau von Goldschmied verfolgt Diebe nach Einbruch

Drei Einbrüche hat Juwelier Meier-to-Krax während seiner Selbstständigkeit erlebt. 2015 haben Daniela und Mirko Heilmann das Geschäft übernommen

Karin Prignitz

Verl. Durchaus kurios sah sie aus, die aus zwölf weißen Zimmertüren bestehende Bauabsperrung vor dem alten Mietshaus an der Paderborner Straße 24. Der Vater von Friedhelm Meier-to-Krax hatte die Idee. Das abbruchreife Haus wurde schon bald danach dem Erdboden gleichgemacht. Ein neues Gebäude entstand. Am 18. Dezember 1979 haben Friedhelm und Annette Meier-to-Krax dort ihr Juweliergeschäft eröffnet. Seit Herbst 2015 hat es neue Betreiber. Ebenso kalt wie derzeit sei es vor gut 38 Jahren gewesen, erinnert sich Friedhelm Meier-to-Krax, wenn er an den Start in die Selbstständigkeit zurückdenkt. Durchaus turbulent waren die ersten Jahre und auch schon die Zeit vor dem eigenen Geschäft. "Wir haben bei Null angefangen." Der heute 64-Jährige hatte das Goldschmiedehandwerk beim renommierten Juwelier Otto Hahn in Bielefeld erlernt. Während er Meisterkurse absolvierte, begannen im Mai die Bauarbeiten auf dem elterlichen Grundstück. Zu Verler Leben wurde Richtfest gefeiert, im September 1979 läuteten die Hochzeitsglocken. Annette Meier-to-Krax übernahm nach diversen Weiterbildungen die Verkaufsleitung im Juweliergeschäft. Als Modeschneiderin verfügte sie über einen sicheren Blick für Stil, Farbe und Formen. Martina Höwelkröger war im August 1980 nicht nur die erste Auszubildende bei Meier-to-Krax, sie ist über die Jahrzehnte hinweg geblieben und berät die Kunden nach wie vor. Für Kontinuität stand auch ihre Kollegin Eva Felderhoff, die Anfang des Jahres in den Ruhestand wechselte und durch Goldschmied Eugen Gelb ersetzt wurde. Uhrmacher Johannes Busche war ebenfalls bis zum Jahr 2009 von Anfang an dabei. "Heute", bestätigt Daniela Heilmann, "arbeiten wir mit einem externen Uhrmacher zusammen." Die 39-Jährige hat das Goldschmiedehandwerk im Jahr 1998 von Friedhelm Meier-to-Krax gelernt und blieb dem Geschäft erhalten. Gemeinsam mit ihrem Mann Mirko, einem Kameramann, Beleuchter und studierten Mediengestalter, hat sie die Geschäftsführung am 1. Oktober 2015 übernommen. Die Geschäftsräume sind zwar immer wieder einmal modernisiert und der Zeit angepasst worden, an der Holzoptik aber hat sich dennoch nicht allzu viel verändert. Anders sieht es bei Schmuckstücken aus. Da werde immer mehr Wert auf Individualität gelegt, bestätigt Daniela Heilmann. "Heute können wir beispielsweise den Herzschlag aufnehmen und in einen Ring gravieren, oder einen Fingerabdruck", erzählt Heilmann und zeigt eines der Unikate. Der verkleinerte Fußabdruck vom Kind, der Name der Eltern vom Kind geschrieben, eingefasste Kinderzähne, Erinnerungen an ein Tier, vieles sei möglich. Und was Trauringe angeht, da gibt es heute 800 verschiedene Modelle im Laden. Und die bestehen längst nicht nur aus klassischem Gold oder Silber. Zwar haben sich die Zeiten auch im Bereich von Schmuck und Uhren verändert. "Viele Kunden kommen aber zu uns und lassen Erinnerungsstücke verändern", erzählt Daniela Heilmann. "Auch Verlobungsringe sind wieder angesagt." Nur Scheidungsringe, fügt Friedhelm Meier-to-Krax mit einem Augenzwinkern hinzu, "die haben sich nicht durchgesetzt." Geduld, Genauigkeit, Fingerfertigkeit und Kreativität, die braucht ein Goldschmied. Ein Handwerk, das noch sehr ursprünglich ist. "Sauber wird es erst im letzten Schritt", sagt Daniela Hartmann, während sie mit Kittel und Auffangschürze an einem Ring feilt. Für Friedhelm Meier-to-Krax ein vertrautes Bild. Auf einem der alten Bilder ist er in jungen Jahren - versunken in seine Arbeit - zu sehen. "Damals hatte ich noch Haare." Mit 26 Jahren wurden sie weniger, "mit 30 waren sie weg". Weg waren mehr als einmal auch Diebe, die es auf das Juweliergeschäft abgesehen hatten. An drei Begebenheiten erinnert sich Friedhelm Meier-to-Krax noch besonders gut. In der Nacht vor seiner schriftlichen Meisterprüfung wurden die Scheiben eingeschmissen. "Die Prüfung habe ich trotzdem gut bestanden." Im Jahr 1999 stand plötzlich ein Auto mitten im Verkaufsraum. "Seitdem stehen Metall-Pömpel vor dem Geschäft", erzählt Friedhelm Meier-to-Krax. Ein Einbruch gestaltete sich besonders spektakulär. Im Frühjahr 1981 entwendeten zwei Trickdiebe Ringe im Wert von 13.000 D-Mark. Dass der Widerstand so groß sein würde, damit hatten die Jugendlichen allerdings nicht gerechnet. Die zierliche Annette Meier-to-Krax nahm die Verfolgung bis zur Lindenstraße auf. Ihre hochhackigen Schuhe schmiss sie im Laufen von sich. Unterstützung bekam sie natürlich von ihrem Mann und einem Autofahrer. Die Diebe wurden gestellt. "Völlig erledigt und außer Atem haben sie uns das Diebesgut vor die Füße gestellt."

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