Als Pfauen verkleidet: Die Mütter der ehemaligen Kaunitzer Krabbelgruppenkinder Ingrid Diekjürgen (v. l.), Ute Esken, Klaudia Brockbals-Lichtenauer, Susanne Wittenborg, Sabine Neuhäuser, Doris Johann-Vorderbrüggen, Gaby Hunke und Doris Hüttenhölscher. - © Karin Prignitz
Als Pfauen verkleidet: Die Mütter der ehemaligen Kaunitzer Krabbelgruppenkinder Ingrid Diekjürgen (v. l.), Ute Esken, Klaudia Brockbals-Lichtenauer, Susanne Wittenborg, Sabine Neuhäuser, Doris Johann-Vorderbrüggen, Gaby Hunke und Doris Hüttenhölscher. | © Karin Prignitz

Verl-Kaunitz Kaunitz tanzt Samba beim Frauenkarneval

Die Pfarrsekretärin sucht Freiwillige für den Gottesdienst und die Golden Girls tanzen zu Michael Jackson

Karin Prignitz

Verl-Kaunitz. Temperaturen um den Gefrierpunkt – von Frost war im Saal des Kaunitzer Kruges rein gar nichts zu spüren, denn die Weiber setzten ihm einen feurigen „Samba di Kaunitz" entgegen. Entsprechend heiß ging es her bei der FKK-Veranstaltung der katholischen Frauen. FKK? Jawoll. Bevor die 16 Hauptakteurinnen zum Samba di Janeiro die Bühne stürmten, klärte Christa Netenjakob noch fix auf: „Frauen-Karneval Kaunitz, passt doch." Und ob. Passend zum Thema hatten viele der 94 Besucherinnen tief in die Karnevals-Klamotten-Kiste gegriffen und waren dort fündig geworden. Allen voran die neun als Pfauen verkleideten ehemaligen Mütter der Krabbelgruppenkinder aus Kaunitz. Aber auch auffällig viele Früchtchen und rote Teufel hatten sich unter das fröhliche Weibervolk gemischt und erlebten das, was Christa Netenjakob mit Monika Lauströer ankündigte: „ein buntes Feuerwerk aus Playback, Sketchen und Tänzen". Viele konnten sich noch an den Rollator-Tanz erinnern Viele konnten sich noch an den sensationellen Rollator-Tanz der „Golden Girls" im vergangenen Jahr erinnern. Wieder hatten die „alten Damen" ein ganzes Jahr lang für ihren Auftritt trainiert. Und wieder war das Publikum völlig aus dem Häuschen, verlangte vehement nach einer Zugabe. Zu Michael Jacksons „Thriller" hatten die überraschend fitten Omas eine ebenso sportliche Choreographie einstudiert wie zum legendären „Stayin’ Alive" von den Bee Gees. Großes Kino. Weglachen wollten sich die Besucherinnen auch beim Saunabesuch von Elke Peterhanwahr, Maria Schulte und Gertrud Steinkemper. Zwei der transpirierenden Damen hatten sich doch tatsächlich Hüft- und Brusttaschen fürs Handy anoperieren lassen, „griffbereit zu jeder Zeit". So viel technischer Fortschritt, da war die dritte Saunagängerin sichtlich perplex und ihre Liegennachbarinnen vermuteten: „Wenn die von den neuesten Sachen noch nichts gehört hat, dann kommt die bestimmt aus Österwiehe." Was die clevere Dame dem entgegenzusetzen hat, darauf dürfen heute 179 weitere Besucher gespannt sein, wenn die Aktiven vom FKK das Programm erneut zeigen. Es waren 50 Frauen weniger als im vergangenen Jahr 94 Frauen verfolgten es am Donnerstag. Das waren 50 weniger als im vergangenen Jahr, und Christa Netenjakob glaubte, den Grund ausgemacht zu haben: „Das Wetter war trocken, da hat es viele wohl zur Weiberfastnacht nach Stukenbrock oder Rietberg gezogen." Nicht so Pfarrsekretärin Liesel Kaps, die wieder eine Menge Neuigkeiten aus Kaunitz zu berichten hatte und sich diesmal auf die Freiwilligensuche für die Gottesdienste begab – nachdem sie am Telefon immer wieder die schier endlose Reihe der Kirchengemeinden im Pastoralverbund heruntergerattert hatte, „und die, die ich mir nicht merken kann". Pfarrer Auris sei es schuld, dass sie so viel zu tun habe und Pfarrer Cruse, der hatte ihr aufgetragen, nach Ehrenamtlichen zu suchen, die die Sonntagsmesse halten könnten. Natürlich fielen Liesel Kaps da sofort potenzielle Gestalter ein. Warum beispielsweise soll denn nicht der Kaunitzer Schützenkönig die Sonntagsmesse mal selber halten? „Die Predigt wäre dann sicher kürzer und witziger." Ein Bierstand in der Kirche, die Throngesellschaft könnte fürs Frühstück in der Messe sorgen, der Musikverein dazu spielen, „was meinen sie, wie voll die Kirche dann wieder ist?". Eine Glühwein-Messe vor Silvester, auch das kann sich die Pfarrsekretärin durchaus vorstellen. Und der neue Pfarrbrief, der sei ja mittlerweile eine richtige Zeitung. Zwei Dinge allerdings fehlten dort noch: „Das Kreuzworträtsel und der Wetterbericht." Kann ja noch kommen. Karnevalistinnen ließen sich mitreißen Zwischen den 14 Programmpunkten, da füllte sich der Platz vor der Bühne und zwischen den Tischen und die Stühle blieben leer. Die bunt verkleideten Weiber ließen sich von den Karnevals- und Poprhythmen, die DJ Thorsten Mende aussuchte, mitreißen. Zu jedem neuen Sketch ging es wieder an die Plätze. Von dort aus konnten sie sie bewundern: Erna, „das Basismodell der ehrenamtlichen Mitarbeiterin". Dauerlächeln, Säuselstimme, anspruchslos, mit Sitzfleisch und biblischem Katalysator ausgestattet. Und wer hat’s erfunden? Natürlich. Die Österwieher. Die weiteren Mitwirkenden: Nadine Cordfulland, Claudia Dresselhaus, Birgit Großegesse, Anni Kleiner, Annika Laustroer, Brigitta Lehmann, Diana Linnemann-Netenjakob, Andrea Netenjakob, Verena Nolte, Stefanie Palsherm, Janine Schütte und Carina Steinkemper.

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