Phänomen „Singen": Die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Elisabeth Plate (l.) erklärte, warum Singen glücklich macht. Musikalische Unterstützung erhielt sie dabei von der Pianistin Reiko Nagai. - © Maria Siggemann
Phänomen „Singen": Die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Elisabeth Plate (l.) erklärte, warum Singen glücklich macht. Musikalische Unterstützung erhielt sie dabei von der Pianistin Reiko Nagai. | © Maria Siggemann

Verl Fachärztin erklärt, wie gesund Singen wirklich ist

Vortrag: Die Bielefelder Fachärztin für Psychiatrie Elisabeth Plate spricht über den positiven Effekt von Singen. Sie zeigt dabei erstaunliche Zusammenhänge auf

Maria Siggemann

Verl. Mit dem Vortrag „Warum singen glücklich macht" hat das St.-Anna-Haus die neue etablierte Kulturreihe erfolgreich fortgesetzt. Die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Elisabeth Plate referierte auf unterhaltsame Weise über die psychologischen Auswirkungen, die das Trällern von unkomplizierten Melodien auf Geist und Körper hat. Die Konzertpianistin und Klavierlehrerin Reiko Nagai sorgte dabei mit Stücken von Johann Sebastian Bach nicht nur für die angemessene musikalische Untermalung, sondern auch für die Begleitung im „Praxisteil" des Vortrages, bei dem die gut 30 Anwesenden aufgefordert waren, einfache bekannte Stücke (Bruder Jakob, Halleluja) mehrstimmig zu singen. „Zum Einstieg habe ich Bach ausgewählt, weil seine barocken Stücke echten Ohrwurmcharakter haben. Vertrautes gibt Sicherheit und Stabilität", sagte Elisabeth Plate zu Beginn ihres etwa einstündigen Vortrages. „Es gibt keine Mutter, aus welchem Kulturkreis auch immer, die ihr Kind nicht mit irgendeiner Art von melodischen Tonfolgen in den Schlaf summt", erklärte die promovierte Medizinerin die beruhigende Wirkung von einfachen Melodien. Inbrünstiges Singen vertieft die Atmung Durch inbrünstiges Singen werde außerdem die Atmung vertieft, was zu einer besseren Sauerstoffversorgung des ganzen Körpers führe und somit eine zusätzliche Entspannungskomponente darstelle. Die Betonung läge dabei jedoch auf einfach, so die Fachärztin. „Ich habe bewusst keine Liedertexte hier hingelegt und will nicht, dass Texte abgelesen werden müssen", sagte Elisabeth Plate. Es gehe vielmehr um den mühelosen Strom von Energie. Nur das nicht zweckgebundene Trällern von unkomplizierten Melodien führe in einen gedankenverlorenen, entspannten Zustand, den sogenannten „Flow". Regelmäßiges Singen hat ähnliche Effekte wie rhytmisches Joggen Regelmäßiges Singen habe einen ähnlichen Effekt auf den Körper, wie rhythmisches Joggen, sagte Plate. „Sie wären nicht hier, wenn Sie mit dem Singen nicht positive Gefühle verbinden würden", so die Medizinerin. Glückshormone, wie Oxytocin würden freigesetzt, die Abwehrkräfte des Körpers gestärkt. Die sogar bei Krebspatienten eingesetzte Musiktherapie, führe nachweislich und signifikant zur Verminderung von Ängsten und Schmerzen. Stresshormone, wie Cortisol und Adrenalin würden abgebaut. „Das Vor-sich-hin-Pfeifen beim Gang in den dunklen Keller, ist beispielsweise eine gute Methode, um das ungute Gefühl dabei zu vertreiben. Das kennen wir alle", machte Plate deutlich. Selbstvergessenes Singen wirkt positiv auf den Menschen Der positive Effekt, den selbstvergessenes Singen auf den menschlichen Organismus hat, sei von wissenschaftlicher Seite noch gar nicht so lange anerkannt. In den 1970er Jahren sei der Slogan „Singen macht dumm, mehr Singen macht dümmer" weit verbreitet gewesen. „Schulkinder haben damals häufig mühselig und verkrampft nur die Tonleiter rauf und runter gesungen. Die Freude an der Musik ging dabei verloren", erläuterte Plate. Heute sei die Musiktherapie längst anerkannt und werde bekanntermaßen erfolgreich bei der Behandlung von Demenzpatienten angewandt. „Das Singen von alten Schlagern bedeutet einen Zugriff auf ganz alte Ressourcen bei diesen Patienten. Es wird etwas wach gemacht, was über die rein kognitive Ebene nicht erreicht werden kann." Freier Eintritt Die nächste Veranstaltung der Reihe „Kultur im St.-Anna-Haus" findet am 24. März um 19 Uhr in der Marienkapelle statt. Es wird Edvard Griegs „Peer Gynt" aufgeführt. Neben weiteren Musikern wird Reiko Nagai wieder am Klavier zu hören sein. „Auch Nichtbewohner unseres Hauses sind bei der Veranstaltungsreihe sehr willkommen", betonte die Initiatorin Nicole Röthe vom Sozialen Dienst ausdrücklich. Der Eintritt ist frei.

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