Heinz Pagenkemper, sein Sohn Andreas Pagenkemper und Enkel Mario Pagenkemper (v. l.) stehen vor dem Firmenwagen und hinter dem 98er Miele-Moped.
mit dem Heinrich Pagenkemper durch den Ort gekurvt ist. In einem kleinen Firmenmuseum ist das historische Gefährt gut aufgehoben. - © Karin Prignitz
Heinz Pagenkemper, sein Sohn Andreas Pagenkemper und Enkel Mario Pagenkemper (v. l.) stehen vor dem Firmenwagen und hinter dem 98er Miele-Moped.
mit dem Heinrich Pagenkemper durch den Ort gekurvt ist. In einem kleinen Firmenmuseum ist das historische Gefährt gut aufgehoben. | © Karin Prignitz

Verl Zimmerei Pagenkemper: An dieses Bild erinnern sich wohl viele Verler

Geschäfte mit Geschichte: Die Zimmerei Pagenkemper besteht bereits in der vierten Generation. Mario Pagenkemper ist jüngst Kammersieger geworden

Verl. Heinrich Pagenkemper, der auf seinem 98er Miele-Moped mit der Säge auf der Schulter durch den Ort düst: ein Bild, an das sich viele Verler noch erinnern dürften. „Pättkenschnüwer", so wurde das Gefährt mit dem unverkennbaren Sound im Volksmund genannt. Pättken bedeutet übersetzt so viel wie „schmale Pfade", Schnüwer steht für schnaufen. Das alte Moped gibt es heute noch. Die Arbeitsweise im ältesten bestehenden Zimmereibetrieb Verls hat sich inzwischen allerdings grundlegend verändert. Heinrich Pagenkemper, geboren 1902, war gelernter Zimmermann, hatte die Bauschule in Höxter besucht und dort im Jahr 1926 seinen Abschluss als Bauingenieur gemacht. Zusammen mit seinem Bruder Stefan gehörte ihm das Sägewerk Pagenkemper. Als sich die Brüder 1952 beruflich trennten, führte Stefan das Sägewerk fort, Heinrich gründete die Zimmerei an der Fürstenstraße. Dort, wo sie heute noch ihren Sitz hat und seit 1992 vom Enkel Andreas Pagenkemper in der dritten Generation betrieben wird. "Ich habe das Handwerk von meinem Vater gelernt" Mit der Gründung der Zimmerei fiel der Schulabschluss von Heinz Pagenkemper zusammen. Lange nach einer Ausbildungsstelle suchen musste der heute 80-Jährige nicht. „Ich habe das Handwerk von meinem Vater gelernt", erzählt der Senior, und wenn er an früher denkt, dann fällt ihm vor allem ein, „dass zu dieser Zeit noch alles von Hand gemacht worden ist". Eine ganz schöne Quälerei sei das gewesen. „In den ersten Jahren wurden die Zapfenlöcher noch mit Stemmeisen ausgearbeitet." Eine Handkreissäge sei damals eine seltene Errungenschaft gewesen. Sparren wurden mit der Handsäge geschnitten. Wenn der Scheunenbinder mühsam aufs Dach gedreht wurde, „dann war man schon aus der Puste", erzählt Heinz Pagenkemper von schwerer körperlicher Arbeit. Auch an einen Kranwagen, der das Holz transportiert, war noch längst nicht zu denken. Das Holz, bevorzugt Eiche, sei oft von den Bauherrn selbst gekommen. „Im Sägewerk ließ man es gerade schneiden." Die Rinde wurde mit dem Zugmesser abgezogen. Ebenfalls mühsame Handarbeit, die längst nicht mehr nötig ist. An etlichen Verler Gebäuden sind die Arbeiten von Pagenkemper umgesetzt worden Eichenholz werde heute vor allem zur Fachwerkrestauration verwendet, erzählt Andreas Pagenkemper. Ansonsten überwiegen Fichten- und Tannenholz. Das fertige Holz kommt aus dem Sägewerk, Kanthölzer werden ineinander geleimt. Konstruktions-Vollholz sei heutzutage bedeutend leichter und bereits gehobelt und getrocknet. Wenn Zimmerleute in den 50er Jahren aufs Dach stiegen, dann hatte das eine Neigung von 50 Grad, in den 60ern von 30 Grad, „heute", bestätigt Andreas Pagenkemper, „sind es in der Regel 20 Grad." Heinz Pagenkemper hat noch bis vor zehn Jahren mitgearbeitet. An etlichen Verler Gebäuden sind die Zimmerarbeiten von Pagenkemper umgesetzt worden. Kammersieger der Zimmerer An der Evangelischen Erlöserkirche beispielsweise ist am Glockenturm gearbeitet worden, bei der Gaststätte „Mutter Anna" (heute Osteria Gusto) sind Fachwerkgiebel und Remise erneuert worden. Auch in etlichen Baugebieten haben die Verler Zimmermeister ihr Fachwissen eingebracht. Und die vierte Generation arbeitet bereits mit. Mario Pagenkemper ist im Familienbetrieb ausgebildet worden und konnte bereits mit seinen überdurchschnittlichen Leistungen glänzen. In diesem Jahr ist der 19-jährige sogar ostwestfälischer Kammersieger der Zimmerer geworden. Auch beim Landeswettbewerb ist er dabei gewesen. Seit Juli dieses Jahres hat er den Gesellenbrief in der Tasche. Seit August besucht Mario Pagenkemper die Meisterschule in Brackwede. Er ist somit bald der dritte Zimmermeister im Betrieb. Außer der klassischen Zimmerei gehören Dacheindeckungen und -sanierungen mit Fenstereinbau zum Arbeitsspektrum. Außerdem Grillhütten, finnische Grill-Kotas, Fasssaunen und Badebottiche.Für Carports, Terrassenüberdachungen und Dachstühle „zeichnen wir per Hand und schneiden individuell zu", erzählt Andreas Pagenkemper und zeigt dann das kleine Familienmuseum. In ihm steht neben dem 98er Miele-Moped vom Opa unter anderem ein Kettenstemmer für Fachwerkhäuser.

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