Familienbetrieb: Ralf Breuer hat den Malerbetrieb vor 20 Jahren von seinem Vater Werner Breuer (r.) übernommen. Seit dem Jahr 2013 leitet er auch das Tapetenhaus an der Paderborner Straße. Evelyn Holtermann, die kümmert sich vor allem um die Buchhaltung. - © Karin Prignitz
Familienbetrieb: Ralf Breuer hat den Malerbetrieb vor 20 Jahren von seinem Vater Werner Breuer (r.) übernommen. Seit dem Jahr 2013 leitet er auch das Tapetenhaus an der Paderborner Straße. Evelyn Holtermann, die kümmert sich vor allem um die Buchhaltung. | © Karin Prignitz

Verl Verler Tapetenhaus wird in dritter Generation geführt

Gottfried Breuer hat den Malerbetrieb im Jahr 1950 gegründet. Seit 1955 steht das Tapetenhaus Breuer an der Paderborner Straße

Karin Prignitz

Verl. Links der Malerbetrieb Breuer, rechts das Herrenmodegeschäft Hagemann. So waren die Haushälften an der Paderborner Straße 12 und 14 in den 50er und 60er Jahren aufgeteilt. Gegründet worden ist der Malerbetrieb von Gottfried Breuer aber bereits im Jahr 1950 an der Bielefelder Straße. Im Elternhaus seiner Frau Anna. Gottfried Breuer selbst war im Rheinland aufgewachsen. Dort hatte er das Malerhandwerk erlernt und den Meistertitel bereits seit dem Jahr 1932 in der Tasche. Wie der Zufall es wollte, lernte Gottfried Breuer bei einem Verwandtschaftsbesuch in Verl seine spätere Frau kennen und lieben. 1934 sagten die beiden „Ja" zueinander und das Paar zog zunächst in die Heimat des Bräutigams. Bereits drei Jahre später führte der Weg aber zurück nach Verl auf den Hof der Schwiegereltern. Der erste Lehrling blieb gleich 44 Jahre im Unternehmen Der Krieg unterbrach die berufliche Laufbahn für lange Zeit. Breuer geriet in Gefangenschaft, aus der er erst 1948 zurückkehrte. Arbeit fand Gottfried Breuer als Anstreicher bei der Firma Möbel Mickenbecker, ehe er sich im Jahr 1950 selbstständig machte. „Der erste Lehrling war kurz darauf Rudi Pollmüller", erinnert sich sein Sohn Werner Breuer. „44 Jahre ist er bei uns gewesen." 16 war Pollmüller, als er anfing, 60, als er in den Ruhestand ging. Werner Breuer selbst ging ebenfalls beim Vater in die Malerlehre. In diesem Jahr (1955) wurde auch das Geschäft an der Paderborner Straße eröffnet. Werner Breuers Mutter Anna sowie ab 1956 nach der Lehre auch seine Schwester Hedwig Uhlenbrock arbeiteten im Laden. Weder Farbmischmaschinen noch Tuben habe es zu der Zeit gegeben, erzählt der heute 77-Jährige. „Wir haben Trockenfarben angerührt." In den Schubladen der Theke seien sie gelagert gewesen. „Hauptsächlich Ocker und Oxydrot" hätten in den 60er Jahren im Trend gelegen. "Wir haben zuerst mit Leitern und Brettern gearbeitet" Wenn er zurückdenkt, dann fällt Werner Breuer ein, dass das Anrühren von Leimfarbe früher in mehreren Schritten und natürlich von Hand erfolgte. Außenfarben seien zu der Zeit kaum gefragt gewesen, „viele Häuser hatten ja eine Backstein-Optik". Gerüste, die heute ganz selbstverständlich aufgebaut werden, auch daran war noch nicht zu denken. „Wir haben zuerst mit Leitern und Brettern gearbeitet", erinnert sich Werner Breuer an abenteuerliche Zeiten, in denen Leitern auch schonmal zusammengebunden wurden. „Das wäre heute unvorstellbar." Farben wurden im Laden mit einer alten Waage abgewogen. Dahinter fanden sich in den Regalen Tapeten und sogar Reinigungsmittel, wie auf alten Fotos deutlich zu erkennen ist. Gottfried Breuer fuhr mit Motorrad und Anhänger zu seinen Kunden, „ich fuhr mit Fahrrad und Anhänger sogar bis nach Gütersloh", erzählt Werner Breuer von den sportlichen Begleiterscheinungen. Sowohl Vater als auch Sohn waren Maler und Glaser. „Die ersten Fenster", erzählt Werner Breuer, „wurden mit Kitt eingesetzt." Von Doppelverglasung keine Spur. In vielen Häusern keine Tapeten an den Wänden Auch Tapeten gab es in vielen Häusern noch nicht. „Ende der 40er Jahre wurden die Wände überwiegend gestrichen, Muster wurden mit Rollen aufgetragen." Die, sagt Werner Breuer, gebe es heute auch wieder. Tapeten hätten anfangs sogenannte Selfkanten gehabt, die mit der Schere abgeschnitten worden seien. Nicht mit dem Cuttermesser, sondern mit Hilfe einer Schiene geschah das. „Früher wurden Bahnen übereinandergeklebt, heute fast ausschließlich auf Stoß." 1963 erlangte Werner Breuer den Meistertitel, 1967, also vor fast genau 50 Jahren, übernahm er den Betrieb von seinem Vater. 27 Jahre jung war er da. Seine Frau Margret, die im August 2016 verstorben ist, unterstützte ihn im Laden, aber auch bei der Buchführung, während er und seine Mitarbeiter zu den Kunden fuhren. Verkäuferinnen wurden eingestellt. Morgens aufschließen und abends die Kasse Schon 1974 hatte Werner Breuer auch die zweite Haushälfte an der Paderborner Straße übernommen, als der Herrenausstatter in andere Räume zog. 1978 wurde dort zusätzlich angebaut. Tapeten, Fußbodenbeläge und auch Badezimmergarnituren können seither in den größeren Räumen ausgesucht werden. Noch bis zu seinem Tod im Jahr 1979 hat Gottfried Breuer in einer Wohnung, die unmittelbar neben dem Laden lag, gewohnt. Küche, Lager, Wohnung – alles war nah beieinander. Sohn Ralf Breuer (49) ist seit 1995 Meister und hat den Malerbetrieb vor 20 Jahren übernommen. Das Tapetenhaus führt er seit dem Jahr 2013 in dritter Generation. Tochter Evelyn Holtermann (46) kümmert sich hauptsächlich um die Buchhaltung. Sein Vater hilft hier und dort noch mit, macht abends die Kasse und schließt morgens auf. Zu den langjährig vertrauten Mitarbeiterinnen gehörte Tochter Heike Kettler, die 2012 andere berufliche Wege ging. Seit dieser Zeit berät und verkauft an ihrer Stelle Marion Erlei-Strietzel.

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