Dirk Hollenhorst, seine Frau Bärbel sowie Anke und Franz-Josef Hollenhorst (v. l.) im hell und freundlich gestalteten Abschiedshaus. Neben dem Abschiedssaal
gibt es mehrere Abschiedsräume als Orte der Stille und der Begegnung. - © Karin Prignitz
Dirk Hollenhorst, seine Frau Bärbel sowie Anke und Franz-Josef Hollenhorst (v. l.) im hell und freundlich gestalteten Abschiedshaus. Neben dem Abschiedssaal
gibt es mehrere Abschiedsräume als Orte der Stille und der Begegnung. | © Karin Prignitz

Verl Abschied nehmen: Bestattungsunternehmen Hollenhorst unterstützt Angehörige seit 50 Jahren

Geschäfte mit Geschichte: Das Bestattungsunternehmen Hollenhorst besteht seit 50 Jahren. Angehörige können sich in angenehmer Umgebung dem Unausweichlichen nähern

Karin Prignitz

Verl. „Früher", sagt Anke Hollenhorst, „sind die meisten Menschen zu Hause verstorben." Dort, in der guten Stube, wurden sie vier bis fünf Tage aufgebahrt. Die Angehörigen konnten im vertrauten Umfeld Abschied nehmen. „Der Trauerzug ging dann vom Wohnhaus aus zum Friedhof." Auch wenn das gelegentlich einen mehrere Kilometer langen Marsch bedeutete. „Heute ist das eher die Ausnahme." Bestattungs- und Trauerkultur haben sich verändert. Das Bestattungsunternehmen Hollenhorst wurde vor 50 Jahren von Franz-Josef und Anke Hollenhorst gegründet. Die Voraussetzungen waren ideal. Die Eltern von Anke Hollenhorst (geborene Heidmeier) hatten eine Sargfabrik in Verl, Franz-Josef Hollenhorst arbeitete dort als Tischlermeister und Bestattungsgehilfe. Büro mit einem Tisch und einem Stuhl Geheiratet wurde 1964. 1967 eröffnete das Paar im Elternhaus von Franz-Josef Hollenhorst an der Bielefelder Straße das Bestattungsinstitut. Eine Bautischlerei gehörte anfangs noch dazu. 1969 wurde die Tischlerei aufgegeben, zu den Bestattungen kam ein Steinmetzbetrieb hinzu. Die große Ausstellungsfläche mit individuellen Grabsteinen zeugt von der Produktivität. Mit Fritz Rosinski wurde seinerzeit ein Altgeselle eingestellt. „Damals", erzählt Anke Hollenhorst, „war das St.-Anna-Haus noch Krankenhaus." Wenn die Menschen nicht im eigenen Heim aufgebahrt wurden, „dann grundsätzlich dort". Bis zum Bau der Friedhofskapelle. Auf alten Fotos ist zu sehen, dass das Hollenhorst-Büro zunächst aus einem Tisch und einem Beistelltisch bestand. Särge wurden entweder aus Eichen- oder aus Kiefernholz gefertigt. „Mahagoni und andere Hölzer gab es damals noch nicht." "Noch überwiegen die Erdbestattungen" Und Beerdigungen waren in aller Regel Erdbestattungen. Heute, berichtet Dirk Hollenhorst, der seit 2003 gemeinsam mit seinem Vater Geschäftsführer ist, liege das Verhältnis von Erd- und Feuerbestattungen bei etwa 60 zu 40. „Noch überwiegen die Erdbestattungen." Jedenfalls in Verl. Anonyme Bestattungen gibt es hier nach wie vor nicht. Der 51-Jährige ist in den Betrieb hineingewachsen und hat von Anfang an Interesse gezeigt. „Schon mit zwölf Jahren bin ich mitgefahren, um Verstorbene abzuholen", erzählt Dirk Hollenhorst. Seit 1990 arbeitet der gelernte Steinmetz- und Steinbildhauermeister im Familienbetrieb mit. Im Jahr 2010 hat er sich als fachgeprüfter Bestatter ausbilden lassen und die Meisterprüfung abgelegt. In dieser Zeit wurde auch die Zertifizierung des Betriebes durchgeführt. Seine Frau Bärbel leitet das Büro, auch Anke Hollenhorst (74) hilft hier noch mit. Beide übernehmen, ebenso wie Franz-Josef Hollenhorst, Beratungsgespräche. "Jeder Sterbefall ist individuell und kein Tagesgeschäft" „Für uns", betont Dirk Hollenhorst, „ist jeder Sterbefall individuell und kein Tagesgeschäft." Viel Zeit werde darauf verwendet, den Verstorbenen zu waschen, ihm die Haare zu machen, ihn anzukleiden. „Bei schweren Unfällen rekonstruieren wir auch so, dass man den Menschen erkennt." Natürlich sei es bei aller Professionalität auch so, dass die Anteilnahme mit den Angehörigen groß sei, erzählt Anke Hollenhorst. „Manchmal kommen einem schon die Tränen." Insbesondere dann, wenn man jemanden persönlich gekannt habe. „Man fühlt mit", nimmt in den Arm, findet tröstende Worte. Und kümmert sich im Respekt vor den Verstorbenen ebenso still wie zuverlässig um die Erledigung aller notwendigen Aufgaben. „Absolute Diskretion ist dabei unser oberstes Gebot", betonen die Bestatter. Loslassen angenehm gestalten Auf den Fotos aus der Anfangszeit ist das zweite Bestattungsfahrzeug, ein Mercedes, zu sehen, „vom ersten Fahrzeug, einem alten Opel Kapitän, gibt es leider keine Bilder", bedauert Dirk Hollenhorst. Das Ursprungshaus, in dem das Unternehmen noch heute seinen Sitz hat, ist Ende der 1920er-Jahre erbaut und mit den Jahren immer wieder einmal erweitert und modernisiert worden. Vor fünf Jahren ist ein modernes Haus des Abschieds hinzugekommen. Mit wohnlichem Charakter, um das Loslassen so angenehm wie möglich zu gestalten und den Hinterbliebenen die Chance zu geben, sich behutsam dem Unausweichlichen zu nähern.

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