Bereiten sich vor: Madita Schröder (11, v. l.) sowie die Schwestern Clara (12) und Hanna Malcahy (11) haben sich im Pfarrheim bereits ihre Kleider für das Sternsingen ausgesucht. In den Händen halten sie die vorbereiteten Goldstreifen für ihre Kronen. - © Karin Prignitz
Bereiten sich vor: Madita Schröder (11, v. l.) sowie die Schwestern Clara (12) und Hanna Malcahy (11) haben sich im Pfarrheim bereits ihre Kleider für das Sternsingen ausgesucht. In den Händen halten sie die vorbereiteten Goldstreifen für ihre Kronen. | © Karin Prignitz

Verl Immer weniger Sternsinger sind unterwegs

Am 5. und 6. Januar werden Caspar, Melchior und Balthasar von Haus zu Haus ziehen. Ihre Zahl nimmt kontinuierlich ab

Karin Prignitz

Verl. "Früher war mehr Lametta", das ist bereits Opa Hoppenstedt nicht entgangen. Und früher, da hat es auch mehr Sternsinger gegeben. Gemeindereferent Meinolf Sack und sein Team werden deshalb diesmal wohl nicht alle 46 Bezirke in Verl, Sende und Bornholte in gewohnter Manier besetzen können, wenn die Sternsinger am Freitag, 5. Januar, und Samstag, 6. Januar, den Segen bringen und für Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt sammeln. "Wir haben momentan nur 90 Könige, 18 der insgesamt 46 Bezirke sind noch offen", bestätigt Meinolf Sack am Beginn der Kostümprobe im Pfarrzentrum St. Anna. Am Ende sind es immerhin 100 Sternsinger, die in 32 Gruppen durch die St.-Anna-Gemeinde ziehen werden. Im Vorjahr waren es 117. Verwundern könne die Abnahme der Sternsinger allerdings nicht, betont der Gemeindereferent und zieht einen Vergleich mit dem Jahr 2005. "Damals hatten wir 158 Kommunionkinder, jetzt nur noch 58." Ein erheblicher Unterschied. Dafür sei die Zahl von 100 Sternsingern im Grunde nicht schlecht, meint Sack. Einigen, das müsse man auch sehen, sei es auch schlichtweg zu anstrengend, bei Wind und Wetter von Tür zu Tür zu stiefeln. Umso stolzer ist Meinolf Sack auf die, die schon viele Jahre lang dabei sind. Hannah Frickenstein, Helena Fischer und Jan-Erik Westerbarkei beispielsweise. Im kommenden Jahr machen sie ihr Abitur und noch immer ist es für sie selbstverständlich, sich für Schwächere einzusetzen. In diesem Jahr lautet das Motto der Sternsingeraktion: "Segen bringen, Segen sein - Gemeinsam gegen Kinderarbeit - in Indien und weltweit." Um eine Vorstellung davon zu bekommen, was das heißt, haben die Verler Sternsinger bei einem Vorbereitungstreffen einen Film aus Indien gesehen, der das Thema Kinderarbeit zum Inhalt hatte und speziell für die Sternsinger produziert wurde. Deutlich werde dort, erzählt Meinolf Sack, "dass in Indien achtjährige Kinder 15 Stunden am Tag arbeiten für einen Tageslohn von etwa 1,50 Euro". Das habe die Könige schon beeindruckt, beschreibt der Gemeindereferent die Reaktionen. Hanna (11) und Clara Mulcahy (12) sowie Klassenkameradin Madita Schröder (11) sind zwar schon öfter mitgegangen, allerdings noch nicht gemeinsam. Im Bezirk 31 am Rathaus und rund um die Kirche werden sie unterwegs sein. "Weil es Spaß macht und ja auch für einen guten Zweck ist." Genau diese beiden Gründe bewegen auch die anderen Teilnehmer, die Aktion zu unterstützen. Mathis Pohl etwa. Der Neunjährige kommt im April zur Kommunion und wird jetzt zum ersten Mal als Sternsinger mitlaufen. Er hat gewissermaßen Premiere. Nach einer passenden Kleidung muss er bei der Kostümprobe im Pfarrzentrum nicht lange suchen, denn die hat bereits seine Mutter Anne Pohl genäht. Und zwar "aus der Tischdecke der Uroma". Aus dem festen roten Stoff mit der goldenen Borde drumherum ist ein Umgang für Mathis geworden. "Und Oma hat die Brosche beigesteuert." Sie ziert jetzt den Turban. Anne Pohl ist früher selbst Sternsingerin gewesen und auch ihr Sohn weiß, warum sich der Einsatz lohnt. "Wir gehen für die armen Kinder in armen Ländern." Und nebenbei, weiß seine Mutter noch genau, "macht es ganz viel Freude". Die Zeiten ändern sich - und damit auch der Kleidergeschmack Während sich Monika Echterhoff, Elisbeth Wester-Ebbinghaus, Walburga Dickhut, Annette Hauphoff und Bettina Wisniewski vom Organisationsteam um die Kostüme kümmern, haben die erfahrenen Sternsinger Dominik Pape und Jakob Holzmeier schnell ihr Outfit für dieses Jahr gefunden. "Vielleicht sollte ich mal Grün ausprobieren", überlegt Dominik. Ein Blick, ein Griff - Ocker statt Grün ist die Farbe der Wahl und darüber der rote Umhang. Passt. Kurz noch den Namen auf dem Bügel notieren und auf die Stange hängen. So schnell sich der Raum gefüllt hat, so schnell ist er wieder leer. Und auch diesmal haben es die aus den orange-gelb-braunen alten Vorhängen des St.-Anna-Kindergartens genähten Gewänder nicht in die engere Auswahl geschafft. "Vor 30 Jahren waren sie der Renner", das wissen Walburga Dickhut und Annette Hauphoff noch genau. Die Zeiten ändern sich und mit ihnen der Kleidergeschmack - und eben auch die Anzahl der Sternsinger.

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