Integriert: Zabi und Marzya Ilsami mit ihren Kindern Arina (8 Monate), Deniz (wird im Januar 5) und Donya (7). Die Grundschülerin steht neben Ingrid O’Connor, die die Familie begleitet. - © Karin Prignitz
Integriert: Zabi und Marzya Ilsami mit ihren Kindern Arina (8 Monate), Deniz (wird im Januar 5) und Donya (7). Die Grundschülerin steht neben Ingrid O’Connor, die die Familie begleitet. | © Karin Prignitz

Verl Flüchtlingsmädchen gehört in der Schule zu den Besten, jetzt soll sie abgeschoben werden

Trotz gelungener Integration hat ihre Familie aus Afghanistan einen Abschiebebescheid erhalten

Verl. Donya sitzt an ihrem kleinen Schreibtisch. Seitlich steht er in einem Raum, der Schlaf-, Wohn-, Spiel- und Lernzimmer zugleich ist. „Das ist ihr Platz", sagt Ingrid O’ Connor. Dort schreibt, liest und rechnet die Siebenjährige. Und zwar so gut, dass sie zu den Besten in ihrer Klasse gehört. Ungewöhnlich ist das deshalb, weil Donya mit ihrer Familie noch nicht lange in Deutschland lebt. Zadi und Marzya Islami sind im Jahr 2012 mit Donya und ihrer Schwester Deniz (fast 5) aus Afghanistan geflüchtet. Über die Türkei und Rumänien kam die Familie im August 2015 nach Verl. Vor acht Monaten wurde hier die dritte Tochter Arina geboren. Donya besuchte die DRK-Kita an der Arndtstraße und jetzt die Bühlbusch-Grundschule. Sie ist Schülerin der Klasse 2 a. „Mittlerweile spricht sie perfekt Deutsch und lernt auch schon Englisch", erzählt Ingrid O’Connor vom großen Lerneifer ihres Schützlings. Ingrid O' Connor ist wie eine Ersatzoma Die 82-Jährige hat sich im Sprachcafé, das vor gut zwei Jahren als Ort der Begegnung für Verler und Asylsuchende eingerichtet worden ist, engagiert. „Dort habe ich Familie Islami kennengelernt." Seither ist Ingrid O’ Connor deren Ersatzoma. „Hallo Nana", wird sie begrüßt. Die 82-Jährige kümmert sich unter anderem um die bürokratischen Hürden, um Briefe von der Stadt, der Schule oder dem Kindergarten und sie lernt mit Donya. „Viele denken, sie ist so gut, weil Ingrid fast jeden zweiten Tag kommt", erzählt Marzya Islami. Ingrid O’Connor wehrt ab. „Vieles kommt von Marzya alleine." Die Siebenjährige liebt es beispielsweise zu lesen. „Das kann sie ganz fantastisch", bestätigt die 82-Jährige. So oft es geht, steuere Donya die Bibliothek an. Dass sie dort jeweils bis zu 40 Büchern ausleiht, sei die Regel. „Und der Papa muss sie schleppen." Auch auf die neuen Impulse in der Offenen Ganztagsschule freut sich Donya. „Da gibt es eine Leseecke, eine Bauecke, man kann malen und spielen", erzählt die aufgeweckte Grundschülerin. Immer wieder Neues möchte sie lernen. Ihre Eltern kümmern sich sehr In der Schule ist sie längst integriert, hat viele Freunde gefunden. Schon erstaunlich sei es, bestätigt ihrer Klassenlehrerin Marie Becker, „wie unheimlich schnell Donya gelernt hat, zu lesen und zu schreiben." Die Schulleiterin habe bei einem Besuch gar nicht glauben können, dass es sich um ein Flüchtlingskind handele. Leistungsstark, wissbegierig auch in anderen Fächern sei Donya. Und ihre Eltern kümmerten sich sehr. „Eine ganz tolle Familie, die höflich und zuvorkommend ist." Das habe sich erst jüngst beim Weihnachtsnachmittag in der Klasse gezeigt. Marzya Islami, deren Familie im Iran lebt, hatte selbst nie die Möglichkeit einer fundierten schulischen Ausbildung. „Deshalb wünscht sie sich für ihre Kinder, dass sie selbstständig werden", erzählt Ingrid O’ Connor. Die Angriffe der Taliban, Überfälle, Explosionen, das sieht die Familie im Fernsehen und sie hört es von den Verwandten. Zabi Islamis Mutter lebt nach wie vor in Afghanistan. Weil sie ein Jahr in Rumänien gelebt haben, sollen sie dahin zurück Er und seine Frau besuchen Sprachkurse. Zabi Islami ist Tischler, sucht Arbeit, würde gerne auch eine Ausbildung beginnen. Noch aber hat sich nichts ergeben. Dass sein Alter (30) bei der Aufnahme versehentlich um drei Jahre angehoben wurde, und das nun offensichtlich nicht zu ändern sei, wie Zabi Islami glaubt, mache es nicht leichter. Vor zwei Monaten hat die Familie einen Abschiebebescheid bekommen. „Weil sie ein Jahr in Rumänien gelebt haben, sollen sie dorthin zurück", erzählt Ingrid O’Connor und fragt sich, was sie dort sollen. Ein Rechtsanwalt ist eingeschaltet. Er glaubt, dass die Chancen, in Deutschland zu bleiben, groß sind. Entschieden ist aber noch nichts, „deshalb ist die Belastung für die Familie groß", weiß Ingrid O’Connor. Sie hofft, dass die Islamis bleiben dürfen und dass Donya, ihre Schwestern und Eltern ihre Talente weiter einbringen können.

realisiert durch evolver group