Lyrik vertont: Philipp Röchter hat Gedichte seiner Mutter Franziska Röchter vertont, zu hören auf seiner CD "Fernreise". - © Rolf Birkholz
Lyrik vertont: Philipp Röchter hat Gedichte seiner Mutter Franziska Röchter vertont, zu hören auf seiner CD "Fernreise". | © Rolf Birkholz

Verl Sohn vertont Gedichte der Mutter

Projekt: Das Gemeinschaftswerk der Familie Röchter gibt es nun auf CD

Rolf Birkholz

Verl. Lyrik ist der Musik eng verbunden. Popsongs, zum Beispiel, sind im besten Fall gesungene Poesie. Und wenn dann die Mutter dichtet und der Sohn musiziert, liegt durchaus eine Vertonung in der Luft. So jetzt im Hause Röchter. Philipp Röchter hat Gedichte von Franziska Röchter vertont. Auf der gerade veröffentlichten CD "Fernreise" singt er zwölf Titel und begleitet sich selbst am Piano. Er habe sich dazu "Gedichte, die mir besonders gut gefallen", vorgenommen, solche zudem, aus denen man "gut Songs machen kann", sagt Philipp Röchter. Sie seien eben letztlich auch "lyrics", wie Liedtexte im englisch dominierten Musikbereich genannt werden. Er habe darauf geachtet, dass die Zeilen einen umsetzbaren Rhythmus in sich tragen. Er reißt den stillen Leser nachträglich aus dem Sessel So hat der 26-Jährige dem Gedicht "wolkenzug" eine besonders rasche, treibende Tonfolge herausgehört. Es stammt, wie etwa die Hälfte der zwölf Stücke, aus dem 2015 erschienen Band "am puls", während die Übrigen noch nicht veröffentlicht waren. Wenn "über schornstein-silhouetten / streng bewacht von alten eichen / rast am düster dunklen himmel / flink rasant der wolkenzug", nimmt auch Röchters sonst meist weniger temporeiche Interpretation Fahrt auf, reißt den stillen Leser quasi noch nachträglich aus dem Sessel und zeigt ihm so eine weitere Lesart auf. Diese Freiheit nimmt sich Philipp Röchter natürlich, die Sachen seinen musikalischen Vorstellungen anzupassen, ohne ihre Grundaussage zu verändern. Die im Sommer und Herbst im Herzebrocker Studio Soundgroove von Ralf Neitzel eingespielte Auswahl kreist um das Thema Vergänglichkeit ("wer wird da sein, wenn ich gehe"), ganz behutsam. Es sind auch Kindergedichte darunter, Weihnachtserinnerungen ("feuerzeit") oder die in Verse gefasste Erfahrung, dass man auch in Scherben "positives sehn" kann. Im Titelstück über eine Fernreise im Nahbereich, in dem das Mutter-Kind-Verhältnis feinfühlig umgekehrt wird, heißt es: "wenn ich müde bin, gibst du mir unterschlupf". Und "der große welterfinder muss ein weiser zauberer sein", wird in "Magie" vermutet. "Ich würde ihn jederzeit wieder an meine Texte lassen" Mit dem Finder der Klänge zu ihren Versen ist Franziska Röchter, die Verler Autorin und Betreiberin des chili-Verlags, sehr zufrieden, sie "würde ihn jederzeit wieder an meine Texte lassen". Und Philipp Röchter, der das unter anderem bei Amazon zu beziehende Album den Genres Contemporary Songs und Singer/Songwriter zuordnet, könnte sich vorstellen, die Stücke demnächst auch einmal auf einer Bühne zu präsentieren, vielleicht zusammen mit einer Band.

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