Lesen, arbeiten und unterhalten: Die Bibliothek ist für die Verler Bürger ein zentraler Treffpunkt in der Stadt. In einer Befragung bekommt die Einrichtung von ihren Nutzern gute Noten. Es gibt aber auch kleinere Verbesserungsvorschläge. - © Roland Thöring
Lesen, arbeiten und unterhalten: Die Bibliothek ist für die Verler Bürger ein zentraler Treffpunkt in der Stadt. In einer Befragung bekommt die Einrichtung von ihren Nutzern gute Noten. Es gibt aber auch kleinere Verbesserungsvorschläge. | © Roland Thöring

Verl Bibliothek: Leser wollen längere Öffnungszeiten

Ein Professor der Hochschule für Medien Stuttgart befragte die Nutzer und zieht ein positives Fazit - sieht aber auch Optimierungsbedarf

Franz Purucker

Verl. Die Verler Bürger haben ein reges Interesse an der Entwicklung ihrer Bibliothek, fasst Richard Stang, Professor an der Hochschule der Medien Stuttgart, die Ergebnisse einer Nutzerbefragung zusammen. Dies zeige sich schon an der hohen Rücklaufquote. Von den 4.106 verschickten Fragebögen kam mehr als jeder fünfte (827) zurück. Knapp 60 Prozent der Teilnehmer sind Schüler. "Erwerbstätige haben oft keine Zeit für eine solche Befragung." Der Wert von sechs Prozent sei dabei schon als sehr gut zu bewerten. Öffnungszeiten: Die meisten Nutzer (87 Prozent) sind mit den Öffnungszeiten zufrieden oder sehr zufrieden, so die Studie. Bei der Frage nach zusätzlichen Öffnungstagen wird unter anderem der Mittwochnachmittag von 15 bis 18 Uhr genannt, wo die Bibliothek aktuell den gesamten Tag geschlossen ist. Außerdem wünschen sich die Nutzer am Montag und Dienstag eine Öffnung von 10 bis 19 Uhr, statt wie bisher von 11 bis 18 Uhr. Fast ein Viertel der Nutzer wünscht sich auch am Samstag mehr Zeit und zwar bis 14 Uhr (24 Prozent) oder gar 15 Uhr (12 Prozent). "Samstag wird später gefrühstückt und dann eingekauft. Da fänden es die Nutzer schön, wenn die Bibliothek noch offen hätte." Aktuell ist samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Für eine Sonntagsöffnung gibt es kaum Bedarf (unter einem Prozent). "In Großstädten gibt es da oft eine hohe Nachfrage", so Stang: "Hier in Verl müssen Sie sich darüber aber keine Gedanken machen." Nutzung: Der überwiegende Teil der Besucher nutzt die Bibliothek zur Ausleihe (96,6 Prozent). Direkt dahinter folgen Begleitung der Kinder (31 Prozent), Medien für den Beruf (29 Prozent), Lesen von Zeitungen (29 Prozent) und der Besuch von Veranstaltungen (19 Prozent). Erstaunlich bei den Nutzerzahlen ist, dass knapp zwei Drittel (62 Prozent) Frauen sind. Die meisten Besucher (62 Prozent) halten sich zwischen 30 und 60 Minuten in der Bibliothek auf. "Das zeigt, dass die Leute nicht nur reinhuschen und was holen, sondern wirklich Zeit dort verbringen", so Stang. Der Wert spreche für eine gute Aufenthaltsqualität. "Die Bibliothek wird immer mehr genutzt, um sich aufzuhalten", sagte die Bibliotheksleiterin Heike Schniedermeier. Es sei jedoch schwierig allen Vorstellungen gerecht zu werden. "Die einen wollen in Ruhe arbeiten, die anderen sich bei einem Kaffee gut unterhalten." Einschätzung: Die Bibliothek wird von ihren Nutzern durchweg als sehr gut bewertet. Das Urteil "sehr unzufrieden" habe es so gut wie gar nicht gegeben. Stattdessen gibt es Lob: "Die Angebote für Kinder werden wirklich sehr gut bewertet", so Stang. Leichten Optimierungsbedarf gebe es bei der Jugendbibliothek, die trotz allem gute Bewertungen bekommt. "Die Jugendbibliothek ist nicht mehr aktuell, da müssen wir auf jeden Fall was machen", sagte Heike Schniedermeier selbstkritisch. Überraschend sei, dass zwei Drittel der Nutzer den Bereich Computer- und Konsolenspiele (67 Prozent) nicht nutzen und mehr als die Hälfte keine Gesellschaftspiele für Erwachsene (61 Prozent) oder für ihre Kinder (50 Prozent) ausleihen. Ausblick: "Der Raum an Bibliothek wird steigen", vermutet der Professor und verweist auf neue Funktionen - wie den Bildungsauftrag. Die Bibliotheken müssten dazu auch neue Medien mehr in den Blick nehmen. "Wir arbeiten bereits mit Grundschülern an Tablets und machen sie mit neuen Medien vertraut", so Claudia Thye, eine der beiden Leiterinnen der Bibliothek. Georg Hansmeier, Sachkundiger Bürger für die FDP im Bildungsausschuss, regte eine engere Verzahnung mit anderen Einrichtungen wie dem MINT-Technikum an. Stang verwies auf ein Beispiel in Dänemark, wo Bibliotheken Seminarräume exklusiv für Bürger zur Verfügung stellen. Die Industrie könne diese dort nicht nutzen. "Unsere Bibliothek ist das Wohnzimmer der Kommune", sagte der Erste Beigeordnete Heribert Schönauer. Gemeinsam mit der Verwaltung werde die Bibliothek nun weiterentwickelt.

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