Verl/Eckardtsheim Neuer Windpark: Anwohner demonstrieren in Verl/Eckhardtsheim

Windpark Hasselbach: Anwohner protestieren gegen die "massive Belästigung" durch Lärm und Schattenwurf der drei Anlagen, die seit etwa acht Wochen in Betrieb sind

Sibylle Kemna

Verl/Eckardtsheim. Seit Juli drehen sich die drei neuen Rotoren im Windpark Hasselbach. Mehrere Wochen haben die Anwohner nun die Realität erlebt, nicht nur die Zahlen am grünen Tisch, und sie ziehen eine erste Zwischenbilanz. Und die fällt negativ aus. Die Eckardtsheimer und Verler fühlen sich massiv von den Windrädern belästigt. "Die Idylle, die wir hier mal hatten, ist uns abhanden gekommen", sagt Roland Berens bei einem Ortstermin auf Hof Brinkord, zu dem sich etwa 50 Anwohner versammelt haben. Der sich bewegende Schatten der Rotoren auf der Terrasse, das hochfrequente Pfeifen des Kühlsystems, das Rauschen und Schlagen der 68 Meter langen Rotorblätter, das Blinken in der Nacht - all dies wird angeführt: Für alle Anwohner, die in den 40 Häusern zwischen 440 und 1.150 Meter von den Windkraftanlagen entfernt wohnen, hat sich der Alltag nach eigenen Angaben verändert. Sie fühlen sich auch "optisch bedrängt" von den 200 Meter hohen "Ungetümen", die sich anhören, "wie eine Wäscheschleuder in der Endphase", meint Petra Hölter. Von weither sind die Windriesen zu sehen. Dass sie so hoch würden, hätten die Verantwortlichen nicht dargestellt, meinen die Anwohner. Bei der Anhörung in Eckardtsheim sei von "Rotorblättern kurz über der Baumgrenze" die Rede gewesen, doch nun stehen sie deutlich darüber. "Wir sind entsetzt, wie gigantisch diese Industrieanlagen geworden sind", sagt Diplom-Ingenieurin Britta Neugebauer. Dass die neue Landesregierung den Mindestabstand von Windkraftanlagen zu Wohngebieten auf 1.500 Meter verlängern will, bestärkt die Eckardtsheimer und Verler in der Auffassung, dass die Nähe hier "eine Zumutung" ist. "Niemand von uns ist gegen Erneuerbare Energien" Die "schöne Stille" sei dahin, so Berens. Zwar liefere die Autobahn oft ein Grundgeräusch, doch wenn der Wind aus der anderen Richtung kommt, genossen die Anwohner bisher Ruhe. Nun sei da das Geräusch der Rotoren und des Transformatorenhäuschens - das sich außerdem mit dem Autobahnlärm summiert, wenn der Wind dreht. "Mir kommt das vor wie ein Schildbürgerstreich, der nicht enden will", sagt Neugebauer. Das Naherholungsgebiet in diesem Bereich sei wertlos geworden. "Wanderwege wurden gänzlich zerstört. Jogger, Radfahrer, Patienten aus den umliegenden Heimen - sie alle sind betroffen", sagt Heinrich Hölter, der bedauerlich findet, dass die Bodelschwinghschen Anstalten als Investor zusammen mit den Stadtwerken Bielefeld und Gütersloh "hier die Heimat zerstört" haben. Für diese sei das lediglich ein Renditeobjekt, aber für die betroffenen Menschen eine Einschränkung ihrer Lebensqualität. "Niemand von uns ist gegen Erneuerbare Energien", betont Neugebauer. "Doch die Höhe der Räder und die Nähe zu den Wohnhäusern ist unverantwortlich." Sie führt zudem aus, dass man "mit dieser Technologie nicht das Klima rettet" und dass die Stromnetze unsicher werden durch Solar- und Windenergie. "Wie sollen wir sonst von der Atomkraft loskommen?", fragt eine andere Anwohnerin, doch Neugebauer meint: "Ich bin nicht für die Alternative zuständig." Dass hier viel Strom produziert wird - pro Jahr etwa 21,9 Gigawattstunden Strom für 7.820 Haushalte - bezweifeln die Anwohner ebenfalls. "Oft stehen die Räder still. Wahrscheinlich reicht es gerade, um die Kühlung und das Licht für die Anlagen zu produzieren."

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