Stolz: Laura Niewöhner (23) aus Gütersloh und der gebürtige Schloß Holte-Stukenbrocker Jan Tiemann (29), der mittlerweile in Werther lebt, haben ihre Bachelorarbeiten über sowjetische Kriegsgefangene im Arbeitseinsatz jeweils mit der Bestnote bestanden. - © Karin Prignitz
Stolz: Laura Niewöhner (23) aus Gütersloh und der gebürtige Schloß Holte-Stukenbrocker Jan Tiemann (29), der mittlerweile in Werther lebt, haben ihre Bachelorarbeiten über sowjetische Kriegsgefangene im Arbeitseinsatz jeweils mit der Bestnote bestanden. | © Karin Prignitz

Verl Bachelorarbeiten zum Thema Stalag 326

Zwei Mitarbeiter der Dokumentationsstätte haben ihre Bachelorarbeiten dem Thema der Arbeitseinsätze sowjetischer Kriegsgefangener gewidmet. Die Ergebnisse sind spitze

Verl/ Schloß Holte-Stukenbrock. Selbstverständlich gehört die Zeit des Nationalsozialismus zum Unterrichtsstoff an den weiterführenden Schulen. Längst nicht nur im Geschichtsunterricht wird der Holocaust thematisiert. Dass viele Schüler sich noch mehr Themen wünschen, hat Laura Niewöhner bei ihren Begegnungen mit Jugendlichen schon oft bemerkt. Neugierde stellt die Mitarbeiterin der Dokumentationsstätte Stalag 326 vor allem dann fest, wenn es um die Themen Kriegsgefangenschaft und Wehrmachtsverbrechen geht. „Im Unterricht fallen sie raus." In der Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne stehen sie im Mittelpunkt und stoßen auf ein wachsendes Interesse. Etwa 300.000 sowjetische Kriegsgefangene waren bis zu ihrer Befreiung im Lager untergebracht. Nach Angaben der befreiten sowjetischen Kriegsgefangenen befinden sich 65.000 Tote in den Massengräbern auf dem angrenzenden Ehrenfriedhof in Stukenbrock-Senne. Bislang konnten mehr als 10.000 Tote identifiziert werden. Zwei weitere Puzzlestücke zur Aufarbeitung der Geschichte haben Laura Niewöhner und Jan Tiemann hinzugefügt. Und zwar in ausgezeichneter Weise. Die Geschichtsstudenten der Universität Bielefeld haben ihre Bachelorarbeiten mit der Bestnote Eins bestanden. Beide waren bereits als Praktikanten in der Dokumentationsstätte und sind danach als ehrenamtliche Mitarbeiter geblieben. Laura Niewöhner hat mittlerweile einen 400-Euro-Job im Stalag. „Sowjetische Kriegsgefangene im Arbeitseinsatz in Ostwestfalen-Lippe 1941-45. Fallbeispiele aus dem Stalag 326 (VI K) Senne", so ist die Bachelorarbeit von Jan Tiemann überschrieben. Der 29-Jährige ist gebürtiger Schloß Holte-Stukenbrocker, seit zwei Jahren ehrenamtlich in der Dokustätte tätig und ebenso wie Laura Niewöhner mit dem Erforschen der neuen Ausstellung beschäftigt. Seine Bachelorarbeit vergleicht Jan Tiemann mit einer „unheimlich spannenden Detektivarbeit" in diversen Archiven. Zum theoretischen Unialltag sei diese Arbeit „spannend und abwechslungsreich gewesen". Großen Spaß habe es gemacht, „zu recherchieren, Dinge zu erforschen, die vorher nicht bekannt waren und sie dann auch anwenden zu können". Im Zentrum der Bachelorarbeit von Jan Tiemann stehen 13 sowjetische Kriegsgefangene, die beim Arbeitseinsatz für die Deutsche Reichsbahn in Himmighausen im Kreis Höxter ums Leben gekommen waren. „Bei ihrer Umbettung im Jahr 1962 sind fünf Erkennungsmarken gefunden worden." So konnten die Gefangenen nachträglich identifiziert werden. Hunderte von Arbeitskommandos habe es gegeben, berichtet Geschäftsführer Oliver Nickel von einem spannenden Forschungsthema, „das wir in den vergangenen Jahren nicht so berücksichtigen konnten". Das Stalag aber habe eine zentrale Rolle bei der Bereitstellung von Kriegsgefangenen gespielt. Umso wichtiger sind die aktuellen Erkenntnisse der beiden Bachelor-Studenten. Laura Niewöhner hat zum Arbeitseinsatz sowjetischer Kriegsgefangener beim Gütersloher Flughafen (Arbeitskommando Fliegerhorst Gütersloh) recherchiert. Unter anderem in „The National Archives" in London. Mit 400 Seiten kopiertem Material kehrte sie zurück. Sie fand heraus, dass es auf dem Flughafen 17 Gräber gegeben hat. „Zunächst war nicht klar, wer dort liegt." Einige davon haben jetzt, dank der Bachelorarbeit, einen Namen. Ihnen soll demnächst dort womöglich eine Gedenkstätte gewidmet werden. Laura Niewöhner wird in den kommenden zwei Jahren fachwissenschaftlich auf ihren Master hinarbeiten und möchte weiterhin im Forschungsbereich bleiben. Jan Tiemann macht derzeit eine Ausbildung zum Fachinformatiker. Beide werden weiter im Stalag mitarbeiten.

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