- © Karin Prignitz
| © Karin Prignitz

Verl 117 Sternsinger haben sich in Verl mit Königskleidern versorgt

Segenswünsche: Am 6. und 7. Januar werden Caspar, Melchior und Balthasar von Haus zu Haus ziehen

Karin Prignitz

Verl. Gezielte Handgriffe und schon haben Dominik Pape und Jakob Holzmeier ihr Sternsinger-Outfit. Beide nehmen ein rotes Untergewand. Der eine wählt einen türkisfarbenen, der andere einen gelben Umhang. "Man entwickelt ein Gespür dafür", sagt Dominik. Der 13-Jährige und sein Freund werden zum wiederholten Male dabei sein, wenn am 6. und 7. Januar 117 Sternsinger der St.-Anna-Gemeinde als Caspar, Melchior und Balthasar durch die Stadt ziehen, um für Menschen zu sammeln, die dringend Unterstützung benötigen. Die Zeit dafür investieren die Jungen gerne, "weil es Spaß macht, anderen zu helfen". Fünf bis sechs Stunden waren sie beim letzten Mal unterwegs, erzählen sie. Gelohnt habe es sich allemal. Zwar nicht alle, aber der überwiegende Teil der Menschen, vor deren Tür sie standen, habe sie freundlich empfangen. "Heute", so Dominik, "würde man sagen: Die meisten sind korrekt." Die Wilhelm-Busch-Siedlung haben sie sich auch diesmal ausgesucht. Und wohin das gesammelte Geld gehen wird, das wissen die beiden auch schon. Bei einem Vorbereitungstreffen haben sie einen Film aus Kenia gesehen, der das Thema "Klimawandel und Trockenheit" zum Inhalt hatte und speziell für die Sternsinger hergestellt wurde. Als Beispiele, welche Projekte durch Sternsinger ermöglicht wurden, wurden etwa der Bau von Schulen, Krankenstationen und Trinkwasserbrunnen genannt. "Aktuell", sagt Gemeindereferent Meinolf Sack, "unterstützt das Kindermissionswerk über 2.400 Projekte in 110 Ländern." Ein großes Gewusel herrscht unterdessen um Dominik und Jakob im Pfarrzentrum St. Anna. Offiziell hat die Kostümprobe noch gar nicht begonnen, da sind Niels Hukemann und Lukas Hemmer schon fündig geworden. Jedenfalls fast. Schon ein paar Tage zuvor hatten die beiden mitgeholfen, "die ganzen Sachen aus dem Keller zu holen". Jetzt hängt die Sternsinger-Kleidung an Stangen und liegt auf Tischen. Es darf munter probiert werden. Lukas hat sich für einen dunkelroten Umhang entschieden. Und für einen hellroten Turban. "Passt nicht zum Umhang", findet die Mutter. Lukas sieht das anders. Niels blickt ein wenig neidisch auf den Kopfschmuck des Freundes. "Ich suche auch noch so ein Ding." Doch es scheint wenig Hoffnung zu geben. "Davon", versichert Lukas, "gibt es nur ein einziges." Und das hat er ja schon. Dennoch steht er bei der Suche hilfreich zur Seite. Ein Tuch vielleicht? Steht Niels nicht wirklich. "Jetzt siehst du aus wie Maria." Auch der Umhang, den Niels herausgesucht hat, stößt nicht auf allgemeine Zustimmung. Tatsächlich erinnert er ein wenig an einen geblümten Vorhang aus längst vergangenen Tagen. Niels Mutter hat das sofort erkannt. "Sieht aus wie eine Gardine." Also entscheidet sich der Sohn für eine blaue Variante - und seine Mutter atmet auf. Sack hat nicht nur seiner stattlichen Größe wegen den Überblick. Kleiderstangen schleppt er durch den Saal, beantwortet Fragen, informiert, gratuliert einem Geburtstagskind und hat überhaupt alles im Griff. Charlotte Hoey und Sara Weiser haben ihre ausgewählten Umhänge bereits mit Namensaufklebern versehen. Worauf sie bei der Auswahl geachtet haben? "Warm und schön müssen die Sachen sein. Und groß genug, damit die dicke Jacke drunter passt." Auch Felina Kühle hat sich entschieden. Gegen den braunen und für den blauen Umhang. Monika Echterhoff, die schon seit 40 Jahren unterstützend dabei ist, betont: "Wichtig ist, dass du dich wohlfühlst." Neben ihr gehören Walburga Dickhut, Elisabeth Wester-Ebbinghaus, Elisabeth Kleinhans, Annette Hauphoff, Bettina Wisniewski und Meinolf Sack zum Organisationsteam. "Ruckzuck ist alles weg", sagt Sack. Nur eine halbe Stunde hat es gedauert, bis alle Sternsinger eingekleidet sind. Und die Kronen? "Die werden zu Hause gebastelt." Materialien liegen dort bereit. Und sogar eine ausführliche Beschreibung. Niels will sich besonders viel Mühe geben, denn er hofft inständig, "dass sie nicht wieder so an den Ohren drückt".

realisiert durch evolver group