Vielfalt: "Je dunkler der Honig, desto später im Jahr haben die Bienen den Nektar dafür gesammelt. Das stimmt meist", sagt Imker Christoph Wilke aus Verl. Vor ihm stehen unten, v. l.: Wald- und Blütenhonig, Frühtracht- und Sommertrachthonig. Oben v. l.: Früher Wald- und Blütenhonig und Rubinienhonig. Auch das Bienenwachs für Kerzen ist ein Nebenprodukt, das die Imker gewinnen. - © Natalie Gottwald
Vielfalt: "Je dunkler der Honig, desto später im Jahr haben die Bienen den Nektar dafür gesammelt. Das stimmt meist", sagt Imker Christoph Wilke aus Verl. Vor ihm stehen unten, v. l.: Wald- und Blütenhonig, Frühtracht- und Sommertrachthonig. Oben v. l.: Früher Wald- und Blütenhonig und Rubinienhonig. Auch das Bienenwachs für Kerzen ist ein Nebenprodukt, das die Imker gewinnen. | © Natalie Gottwald

Gütersloh So isst Gütersloh (5): Süße Versuchungen aus der Wabe

Die Imkerei hat eine lange Geschichte und war in alten Zeiten nur prädestinierten Personen vorbehalten - wegen des wertvollen Wachses und des Honigs

Natalie Gottwald

Gütersloh. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn - der intensive Geruch von Honig oder auch Bienenwachs sagt nicht jedem zu. Aber echte Leckermäulchen wissen Honig zu schätzen - und das schon seit Urzeiten. Wie alt die Imkerkunst wirklich ist, ist nicht genau bekannt, aber zwei Dinge sind gewiss: Bienen sind älter als Menschen und die Geschichte der Bienen ist eng mit der der Menschheit verknüpft. Historie Ob durch einen Honigfund in den ägyptischen Pyramiden oder auch durch eine urzeitliche Höhlenmalerei bei Bikorp in Spanien, die Honigjäger bei der Arbeit zeigt: es ist belegt, dass die Geschichte der Bienen und damit auch die des Honigs im wahrsten Wortsinn uralt ist. "Der Honig aus den ägyptischen Pyramiden war sogar noch genießbar", weiß Christoph Wilke, Bienen-Experte und Vorsitzender des Verler Imkervereins. "Wenn man Honig richtig lagert - also wenig Temperaturschwankungen aussetzt und vor Lichteinfall schützt - hält er ewig. Das waren in Ägypten beste Bedingungen." Im Mittelalter und der frühen Neuzeit durften übrigens nur prädestinierte Personen Imker werden - zum Beispiel Mönche, Pastoren oder hochrangige Bedienstete. "Als es noch kein elektrisches Licht gab, war vor allem das Wachs heiß begehrt, weil es den Gelehrten ermöglichte, auch nach Sonnenuntergang noch zu lesen oder zu schreiben", erklärt Wilke. Und der Honig sei vor Zuckerrüben oder Rohzucker das einzige Produkt gewesen, was es ermöglichte, Speisen zu süßen. Bienenarten In Deutschland gibt es 560 Wildbienenarten. Anders als die Honigbienen leben die meisten Wildbienen nicht in größeren sozialen Einheiten, sondern als Einzelgänger. Sie werden deswegen auch als Solitärbienen bezeichnet. Interessant für die Gewinnung von Honig ist ausschließlich die Honigbiene - bei uns kommt speziell die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) vor. Sie ist eine staatenbildende Art und deshalb für die Imkerei interessant. Arbeitsteilung Innerhalb eines Bienenvolkes gibt es drei Arten von Bienen, die unterschiedliche Aufgaben haben. Egal, wie groß ein Volk ist - im Hochsommer können es bis zu 40.000 Tiere sein - es hat immer nur eine Königin. Ihre Aufgaben sind klar vorgegeben: Die Königin sorgt für Ordnung im Staat, macht ein Mal pro Bienensaison - meist im April - einen sogenannten Hochzeitsflug, bei dem sie begattet wird, und legt Eier. Die Arbeitsbienen, das ist die größte Anzahl innerhalb eines Volkes, haben am meisten zu tun. Sie säubern die Waben, kümmern sich um die Brut, um das Wohlergehen der Königin, sammeln Nektar und Pollen, produzieren Wachs zum Verschließen der Waben, bewachen den Staat und vieles mehr. Und dann sind da noch die Drohnen. "Das sind die männlichen Bienen", erklärt Wilke. "Sie machen nicht viel. Sie fliegen herum, suchen sogenannte Drohnensammelplätze auf und begatten die Königin auf ihrem Hochzeitsflug." Drohnen werden nur etwa einen bis drei Monate alt. "Im Herbst werden sie von den Arbeitsbienen rausgeschmissen, weil sie im Winter unnütze Fresser sind", erklärt der Imker. Honigsorten Grundsätzlich unterscheiden Imker zwischen sogenannten Frühtracht- und Spättrachtsorten. "Grundsätzlich gilt, dass die frühen Honigsorten später die hellsten sind. Im Laufe des Bienenjahres wird der Honig immer dunkler", sagt Christoph Wilke. Um möglichst reine Sorten wie zum Beispiel Rapshonig zu bekommen, fahren Imker mit ihren Völkern gezielt an Rapsfelder, lassen die Bienen dort einige Wochen stehen, und schleudern direkt danach die Waben aus. Imkerei Im Kreis Gütersloh gibt es unter dem Dach des Kreisimkervereins zwölf Ortsvereine. Die Mitglieder haben einen festgelegten Jahresplan. "Wir starten früh im Jahr und werfen einen ersten Blick in unsere Völker, schauen nach, wie die Tiere den Winter überstanden haben und prüfen den Futtervorrat. Gegebenenfalls muss Zuckerwasser nachgefüttert werden", so Wilke. Steigen die Temperaturen, muss das Platzangebot im Stock vergrößert werden, damit die Brut untergebracht werden kann. Es folgt die Schwarmzeit. "Da gilt es, große Schwärme zu vermeiden, indem Ableger für neue Völker gebildet werden", so Wilke. Ende Juni steht die Honigernte an. Im Herbst folgt die Behandlung der Völker gegen Parasiten - hauptsächlich gegen die Varroa-Milbe, zum Beispiel mit Ameisen- oder Milchsäure. Danach geht es wieder an die Einwinterung. Und im besten Fall war die Honigernte reichhaltig und es stehen zahlreiche Gläser mit der süßen Leckerei in verschiedenen Geschmacksrichtungen bereit. Das sagt Ernährungsexpertin Sabine Bartnik Besser mit Honig süßen? – So einfach ist es nicht. „Honig unterscheidet sich vom Haushaltszucker vor allem durch seine Mineralstoffe, Spurenelemente, Blütenpollen und Enzyme. Und natürlich im Geschmack. Er wird gerne als Hausmittel zur Linderung von Erkältungskrankheiten eingesetzt. Er enthält jedoch genauso viel Kalorien wie der Haushaltszucker und erhöht genauso schnell den Blutzuckerspiegel, was vor allem für Diabetiker zu beachten ist", so Sabine Bartnik, Ernährungsberaterin der AOK Gütersloh. Wie bei fast allem, was gut schmeckt, gilt: „Bitte in Maßen genießen!" Die vorausgegangenen Teile unserer Serie "So isst Gütersloh" finden Sie hier: 1. Gesunde Ernährung - leicht zu erklären, oft schwer umzusetzen 2. Urgetreide erobert die Backstuben der Stadt 3. Runter vom Obstbaum, rein ins Glas 4. Alte Gemüsesorten sind wieder gefragt

realisiert durch evolver group