Expertin für Delikatessen aus dem Einmachglas: Im Mai gibt Asgard Knehans-Gläser bei der Volkshochschule Gütersloh Kurse zum Einwecken und Einkochen. - © Hanna Paßlick
Expertin für Delikatessen aus dem Einmachglas: Im Mai gibt Asgard Knehans-Gläser bei der Volkshochschule Gütersloh Kurse zum Einwecken und Einkochen. | © Hanna Paßlick

Gütersloh So isst Gütersloh (3): Runter vom Obstbaum, rein ins Glas

Klassische Konservierungsmethoden aus Großmutters Zeiten liegen wieder im Trend. Aber das will gelernt sein. VHS-Dozentin Asgard Knehans-Gläser zeigt, wie es funktioniert

Hanna Paßlick

Gütersloh. Wer zum Geburtstag oder an Feiertagen Geschenke erhält, darf sich derzeit nicht wundern, wenn er geschmackvoll dekorierte Gläser mit noch geschmackvollerem Inhalt bekommt. Selbstgemachtes ist wieder "in" - und weil Einweckgläser nicht mal mehr eine Verpackung benötigen, liegen das Einkochen und Konservieren von Obst, Gemüse, Säften und Suppen wieder voll im Trend. Das hat auch die Volkshochschule Gütersloh erkannt. Im Mai startet dort ein Kurs zum Thema Einkochen und Einmachen. Die Lebensmitteltechnikerin Asgard Knehans-Gläser stellt dort verschiedene traditionelle Konservierungsmethoden im Glas vor. Die Einweck-Expertin rechnet bei ihren Kursteilnehmern mit einer bunten Mischung aus Jung und Alt, Männern und Frauen. Für die NW erklärt sie, wie das Einwecken funktioniert. Wiederentdeckt Noch vor Jahrzehnten hatten es deutsche Kellerregale schwer. Viele von ihnen standen kurz vor dem Zusammenbruch, krümmten sie sich doch unter eingelegten Gurken, Mirabellen- oder Pflaumengläsern. In den Reihen darunter stapelte sich das Apfelkompott vergangener Jahre. "Damals war das Einwecken von Lebensmitteln keine Modeerscheinung, sondern schlicht praktikabel und ein Notfallplan für schlechte Zeiten", sagt Knehans-Gläser. Die aber seien lange ausgeblieben - und das Konservieren im Glas geriet in Vergessenheit. Es wurde als altbacken abgetan und nur noch von Menschen verwendet, deren Obstgärten keine andere Wahl mehr ließen. Heute jedoch wollen viele Menschen das, was auf ihre Teller kommt, selbst produzieren und zeigen vermehrt Interesse am Einkochen. Drei Methoden Doch Einkochen ist nicht immer gleich Einkochen. Um Lebensmittel im Glas haltbar zu machen, gibt es Knehans-Gläser zufolge drei verschiedene Methoden. Beim klassischen Einwecken werden Obst oder Gemüse roh in Weckgläser gefüllt. Die kommen, mit Glasdeckeln und Gummiringen versehen, in einen Einmachtopf. Der sollte so hoch mit Wasser gefüllt werden, dass die Gläser zu etwa zwei Drittel im Wasser stehen. Anschließend wird das ganze für längere Zeit erhitzt. Durch den Luftabschluss und das Erhitzen werden die Lebensmittel konserviert. Eine Alternative zum klassischen Einmachtopf sei das Einkochen im Backofen. Dafür werden die gefüllten Weckgläser in einer Auflaufform oder Schale gestellt, die mit Wasser gefüllt wird. Dann geht es ab in den Ofen. "Wenn es mal schneller gehen soll, können Obst und Gemüse auch in einem normalen Kochtopf vorgegart werden", sagt Knehans-Gläser. Neben den klassischen Weckgläsern gebe es zudem die Möglichkeit, Lebensmittel in Gläsern mit Schraubdeckeln zu konservieren. "Dafür werden Kompott, Soßen und Co. gekocht und heiß abgefüllt", sagt Knehans-Gläser. Danach müssten die Gläser auf den Kopf gestellt werden, damit die Luft entweichen kann. Tipps und Tricks Wer heute etwas einkochen wolle, dem seien eigentlich keine Grenzen gesetzt, sagt die Lebensmitteltechnikerin. Egal ob klassischer Birnenkompott, eingekochter Rotkohlsalat, süß-saure Radieschen oder Tomaten-Pflaumen-Ketchup - haltbar könne fast alles gemacht werden. Vorsicht sei allerdings bei Milchprodukten geboten. "Die können mit der Zeit anfangen zu gären", sagt die Expertin. Wer Suppen oder Soßen einkocht, sollte Sahne oder Crème fraîche deshalb erst beim Öffnen des Glases hinzugeben. Achten solle man beim Einwecken auch darauf, dass der Gummiring keine Risse aufweist und dass er nass gemacht wird, bevor er auf ein Glas kommt. Asgard Knehans-Gläser weiß, warum: "Nur dann ist garantiert, dass er hält und den Inhalt konserviert." Das sagt die Ernährungsexpertin Claudia-Anna Böwingloh „Das Einwecken und Einkochen von Lebensmitteln ist sehr praktisch. Aber durch die hohen Temperaturen und die langen Garzeiten geht der größte Anteil enthaltener Vitamine in Obst und Gemüse verloren. Je länger ein Weckglas steht, desto größer wird zudem die Wahrscheinlichkeit, dass sein Inhalt an Farbe und Geschmack verliert. Ungesund wird es, wenn viel Zucker hinzugegeben wurde, um ein Lebensmittel haltbar zu machen. Bei Marmelade ist das nicht schlimm, davon nehmen wir nur geringe Mengen zu uns. Aber ein Apfelkompott kann schon mal zur echten Kalorienbombe werden. Eine gute Alternative wäre das Einfrieren von Obst und Gemüse." Die vorausgegangenen Teile unserer Serie "So isst Gütersloh" finden Sie hier: 1. Gesunde Ernährung - leicht zu erklären, oft schwer umzusetzen 2. Urgetreide erobert die Backstuben der Stadt

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