Vor dem ältesten Hofgebäude: Thedel, Tessen, Iris, Friedrich Wilhelm und Hanna Haver Rassfeld bewirtschaften den Hof zwar gemeinsam, ob später eines der Kinder auch von
der Arbeit auf dem Hof leben möchte, steht noch in den Sternen. Die drei haben das Glück, ihren Beruf frei wählen zu dürfen – trotz langer Familientradition.
Vor dem ältesten Hofgebäude: Thedel, Tessen, Iris, Friedrich Wilhelm und Hanna Haver Rassfeld bewirtschaften den Hof zwar gemeinsam, ob später eines der Kinder auch von
der Arbeit auf dem Hof leben möchte, steht noch in den Sternen. Die drei haben das Glück, ihren Beruf frei wählen zu dürfen – trotz langer Familientradition.

Gütersloh Die ganze Familie packt mit an

Familie Haver Rassfeld setzt auf Geflügel in naturnaher Haltung

Katharina Georgi

Gütersloh. Tradition und Brauchtum werden auf dem 1000-jährigen Meierhof Rassfeld groß geschrieben. Gleichwohl mussten neue Ideen her, um den familiengeführten, ältesten Gütersloher Hof überlebensfähig zu machen. Heute setzt Agrarökonom Friedrich Wilhelm Haver Rassfeld auf naturnahe Putenzucht – und den mündigen Verbraucher, der Produkte aus der Region bevorzugt.

„Ohne große Vorbereitung war ich verantwortlich“, erinnert sich Haver Rassfeld. 1981 übernahm er mit 21 Jahren den elterlichen Hof, nachdem sein Vater überraschend verstorben war. „Jemanden fragen konnte ich also nicht“, erinnert er sich. Vielmehr entwickelte er seine eigene Idee – und spezialisierte sich auf Puten. „Schon mein Vater hatte Puten und verkaufte sie zu Weihnachten“, sagt Haver Rassfeld. Allerdings waren sie zu der Zeit eine von vielen Einnahmequellen.

8.000 Tiere, vom Küken bis zu Schlachtreife, leben auf dem Meierhof. Die Puten werden sechs Monate alt und damit vier Wochen älter, als in konventioneller Haltung. Trotzdem sind sie etwa zwei Kilo leichter. Die Tiere haben freien Auslauf und werden mit Futter aus eigenem Anbau gezüchtet.

Auch die Schlachtung und Verarbeitung übernimmt die Familie selbst. Im Hofladen verkauft sie daher Putenwurst, -suppen oder -leberwurst. Der Laden ist das Metier von Iris Haver Rassfeld. Sie wählt die Produkte aus, dekoriert und verkauft selbst gebackenen Kuchen. Für die Kunden ist sie erste Ansprechpartnerin. „Ich mag den Kontakt “, sagt die gelernte Bankkauffrau, die sich bewusst für ein Hofleben entschieden hat: „Das Büro war nichts für mich.“

Seit 1987 gibt es den 150 Quadratmeter großen Hofladen, damals einer der Ersten im Kreis Gütersloh. „Wir hatten Höhe und Tiefen“, sagt die Hofherrin, „mittlerweile aber eine feste Stammkundschaft.“

Und die schätzt nicht nur den regionalen Bezug, sondern auch die besondere Haltung der Tiere. Die ist nämlich in NRW einzigartig, wie Friedrich Haver Rassfeld sagt. Die Konsistenz des Fleisches sei durch die alternative Haltung anders, Medikamente werden kaum eingesetzt. Auch das entschleunigt einkaufen würde die Kunden reizen, „ohne die Hektik eines Discounters“, erklärt seine Frau.

Neben Pute und Hofladen nutzt die Familie ihre historische Deele für Veranstaltungen. Die ganze Familie hilft hier mit, auch Thedel (12) und die Zwillinge Tessen und Hanna (17). Dass künftig einer der drei den Hof übernehmen wird, das steht außer Frage. „Aber selbst bewirtschaften muss er ihn nicht“, sagt Haver. Immobilie und Betrieb können getrennt werden: „Diese Freiheit ist meiner Frau und mir wichtig.“

25 Mitarbeiter beschäftigt die Familie. „Etwa 100 Personen leben von unserem Hof“, sagt der Landwirt. Jeder von ihnen müsse heutzutage ein Multitalent sein. „Maschinen reparieren, Tiere pflegen, Verwaltung“, zählt er auf. Und das ist längst nicht alles. Auch stehe man im permanenten Kontakt mit Menschen, „das muss gekonnt werden“.

Obwohl der Meierhof mitsamt allen Geschäftsideen gut läuft, will Familie Haver Rassfeld ihn nicht vergrößern: „Wir sind zufrieden“, sagt der Hofherr. Das sei ein kostbares Gut und ein großes Glück.

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