Glücklich auf dem Land: Susanne und Hermann Birkenhake mit ihren Hunden im ehemaligen Garten. Heute ist er ein Spielplatz. - © Katharina Georgi
Glücklich auf dem Land: Susanne und Hermann Birkenhake mit ihren Hunden im ehemaligen Garten. Heute ist er ein Spielplatz. | © Katharina Georgi

Gütersloh Auf die Kuh gekommen

Familie Birkenhake hat sich auf Milchvieh spezialisiert

Katharina Georgi
Die Zukunft: Christoph Birkenhake soll den Hof übernehmen. Schon jetzt arbeitet er mit und füttert das kleine Kälbchen, dass erst vor wenigen Stunden geboren wurde. - © Katharina Georgi
Die Zukunft: Christoph Birkenhake soll den Hof übernehmen. Schon jetzt arbeitet er mit und füttert das kleine Kälbchen, dass erst vor wenigen Stunden geboren wurde. | © Katharina Georgi

Gütersloh. 161 Milchkühe besitzt Familie Birkenhake. Bald werden es 200 sein. Spezialisiert haben sie den Betrieb schon früh: Ende der 1960er Jahre verließen die letzten Schweine den Hof. Allerdings: Auf nur ein Standbein möchte sich die Familie nicht verlassen. Sie steht im Mittelpunkt des zweiten Teils unserer Serie „Raus aufs Land“.

27 Cent bezahlen die Molkereien derzeit für einen Liter Milch. „Ein Liter Bier kostet das dreifache“, sagt Hermann Birkenhake. Seit Jahren beklagen die Landwirte bundesweit schlechte Preise, eine Änderung ist nicht in Sicht. Darum benötige ein Landwirt 50 bis 60 Kühe, um in etwa das Gehalt eines Elektrikers zu verdienen. Wenn gleich drei Generationen unter einem Dach leben, wie bei den Birkenhakes, muss die Herde größer sein. „Zum Ende des Jahres werden wir 200 Kühe haben.“

Seit 504 Jahren bewirtschaftet die Familie den Hof bei Niehorst. Die Tradition lebt mit dem jüngsten Familienmitglied weiter: Sohn Christoph wird den elterlichen Hof übernehmen. „Christoph wusste schon immer, dass er Bauern werden will“, sagt Hermann Birkenhake. Der 22-Jährige schloss erst eine Ausbildung ab und studiert derzeit Agrarwissenschaften. Bald wird er für ein halbes Jahr nach Australien gehen und dort die Landwirtschaft kennenlernen. Mit dem Wissen und Know-how kehrt er dann nach Gütersloh zurück.

Auf dem elterlichen Hof arbeitet er mit, seit er laufen kann. Genau wie seine beiden Schwestern Kathrin (28) und Anne-Christin (26). Zwar haben die Mädels den Hof mittlerweile verlassen, „wenn wir Hilfe brauchen, packen aber alle mit an.“ Hermann Birkenhake war selbst noch jung, als er übernahm. Erst kurz zuvor hatte der damals 26-Jährige seine Frau Susanne geheiratet. Aufs Land wollten beide. „Damals haben wir den Hof noch nebenher geführt“, erinnert er sich. Sein Vater war früh verstorben und er stieg in den Betrieb ein.

Information

Hof Birkenhake


  • Die Familie besitzt insgesamt 311 Kühe: 161 Milchkühe und 150 Tiere weiblicher Nachzucht.
  • Ein paar Ziegen, 20 Bisons und drei Hunde gehören noch zum Hof.
  • Familie
    Birkenhake bewirtschaftet 100 Hektar Land. Sie stellt für den
    Eigenverbrauch Holzschnitze zum Heizen und Tierfutter her.
  • Den Hof ist seit 1511 in Familienbesitz.

Damals lebten die Kühe noch in Anbindehaltung. Heute können sie sich in einem Boxenstall und auf den angrenzenden Wiesen frei beweben. „Die Tiere bauchen den Auslauf“, sagt der Landwirt. Vom Trend, die Kühe nur im Stall zu halten, hält er nichts und hat sich bewusste dagegen entschieden. „Im Sommer gehen die Tiere aber eher nachts raus. Tagsüber ist es dem Rindvieh zu heiß.“

Als Hobby stehen 20 Bisons auf einer Wiese. „Früher verschenkte die Landjugend zu Hochzeiten immer Tiere. Ich wünschte mir ein Bison“, sagt der Landwirt augenzwinkernd. Bekommen hat er damals seinen Bison zwar nicht, aber die Idee war geboren. Zu seinem 40. Geburtstag zogen dann vier Kälbchen ein. Zwei schenkte ihm seine Frau, die anderen beiden nahm er spontan beim Abholen dazu: „Schließlich sind Bisons Herdentiere“. Das Fleisch der Bisons bietet der Gasthof zur Linde in Isselhorst als Spezialität an.

Ehefrau Susanne kümmert sich um den Tourismus, der das zweite Standbein der Familie ist. Als Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft kennt sie sich da gut aus. Seit 19 Jahren betreut sie das Heuhotel, bis vor einigen Jahren veranstaltete sie außerdem Kindergeburtstage auf dem Hof. „Es gibt immer wieder Wellen in der Landwirtschaft, mal geht es gut, mal nicht. Da ist es gut, ein zweites Standbein zu haben“, sagt sie.

„Touristen kommen aber nicht viele“, sagt die Bäuerin. Vielmehr seien es Montagearbeiter, die oft für einige Wochen in den Appartments wohnen. Viele Besucher sind mittlerweile Stammgäste, die sich immer wieder dort einmieten. Ob Sohn Christoph auch diesen Teil des Hofes so weiter führen wird, steht noch nicht fest. „Er ist mehr der Cowboy“ sagt sein Vater schmunzelnd. Trotzdem wisse er natürlich, dass die zusätzlichen Einnahmen wichtig sind. Jede Generation gestalte den Hof etwas anders: „Christoph wird das schon gut machen.“

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